Prince, Madonna & Peter Gabriel (1986)
  IMAGO / ZUMA Press Wire / Newscom World / MediaPunch
Prince, Madonna & Peter Gabriel (1986)
02.01.2026

Unglaublich: diese Hits werden satte 40!

True Blue - 1986 war musikalisch ein guter Jahrgang. Unsere Hits zwischen Tschernobyl, Auto-Reverse, Zelda und dem Abschied von Phil Lynott.

Janet Jackson mit What Have You Done for Me Lately

POP STORIES

POP STORIES

Peter Illmann erzählt in seinem Podcast Peters Pop Stories die Geschichten der größten 80s Hits, auch die von 1986. Hört hier in unser Musik- & Podcastradio rein.


Es läuft:
Janet Jackson mit What Have You Done for Me Lately
1986

Was waren die wichtigsten Hits des Jahres?

1986 - Die Nachrichtenlage ist permanent angespannt, und genau in dieser Unruhe entstehen Songs, die später fast unverwüstlich wirken. Während rund um Tschernobyl Messgeräte durchdrehen, steht im isländischen Reykjavík Ronald Reagan mit Michail Gorbatschow in einem Hotelzimmer. Beide reden ernsthaft über Abrüstung. Tauwetter. Die Welt scheint sich zu öffnen. Vielleicht klingen viele Hits deshalb so klar, so selbstbewusst. Madonna führt den globalen Fanclub mit „True Blue“ an, zeigt Selbstbestimmung und tut so, als müsste man sich vor nichts und niemandem ducken. Prince verwandelt zwei Akkorde in eine internationale Funk-Erklärung und nennt sie schlicht „Kiss“. Peter Gabriel wirft jede verfügbare Tricktechnik gegen seinen Körper und heraus kommt „Sledgehammer“, ein Video, das aussieht wie ein Workshop für Kreativität unter leichtem Stromschlag. Und Falco marschiert als erster deutschsprachiger Künstler an die Spitze der US-Charts und lässt die Amerikaner irritiert zurück.

Die 80s80s-Hits des Jahres 1986

  • Animotion „I Engineer“
    I Engineer
    I Engineer

    I Engeneer“ markiert die Hinwendung der Band zu einem härteren, elektronisch geprägten Sound. Für eine Band aus Los Angeles war das überraschend.

  • Berlin „Take My Breath Away“
    Berlin - Take My Breath Away (Official Video - Top Gun)
    Berlin - Take My Breath Away (Official Video - Top Gun)

    Der Titel entstand im Kontext von „Top Gun“ und trägt die Handschrift von Giorgio Moroders synthetischer Flächenproduktion. Der Song etablierte Berlin international und zählt zu den prägendsten Filmsongs der Achtziger.

  • Bon Jovi „Livin’ On A Prayer“
    Bon Jovi:  "Livin On A Prayer"
    Bon Jovi: "Livin On A Prayer"

    Die Zusammenarbeit mit Desmond Child definierte das Songwriting der Band neu und schuf ihren archetypischen Stadionrock-Sound. Die Talkbox-Passagen von Richie Sambora wurden zu einem dauerhaften Markenzeichen.

  • Cameo „Word Up!“
    Cameo: "Word Up"
    Cameo: "Word Up"

    Der Track eröffnet Cameos erfolgreichste Phase und verbindet traditionellen Funk mit reduzierter, elektronischer Produktion. Manche sagen: One Hit-Wunder.

  • Cutting Crew „(I Just) Died in Your Arms“
    Cutting Crew - (I Just) Died In Your Arms (Official Music Video)
    Cutting Crew - (I Just) Died In Your Arms (Official Music Video)

    Die Ballade kombiniert Rockelemente mit stark komprimierten Drums und synthetischen Layern, wie sie für die Zeit typisch sind. Der Song brachte Cutting Crew internationalen Durchbruch und prägte den melodramatischen Poprock der Dekade.

  • David Bowie „Absolute Beginners“
    David Bowie "Absolute Beginners"
    David Bowie "Absolute Beginners"

    Der Filmsong greift David Bowies Interesse an großorchestraler Poptradition auf und verknüpft 50er-Anklänge mit moderner Studioproduktion. Das Stück wurde einer seiner letzten großen Mainstream-Hits dieser Phase.

  • Depeche Mode „A Question of Time“
    Depeche Mode - A Question Of Time (Official Video)
    Depeche Mode - A Question Of Time (Official Video)

    Der Titel zeigt den Übergang von klassischem Synthpop zu dunkleren, industriellen Klangtexturen. Die beginnende Zusammenarbeit mit Anton Corbijn beeinflusste die visuelle und ästhetische Entwicklung von Depeche Mode entscheidend.

  • Duran Duran „Notorious“
    Duran Duran "Notorious"
    Duran Duran "Notorious"

    Der Song dokumentiert die stilistische Neuausrichtung nach personellen Veränderungen und den starken Einfluss von Nile Rodgers. Die Funkorientierung markiert einen Wendepunkt im Sound des Projekts.

  • Mel & Kim „Showing Out“
    Mel & Kim - Showing Out (Get Fresh At the Weekend)
    Mel & Kim - Showing Out (Get Fresh At the Weekend)

    Der Track zählt zu den Erfolgstiteln der Produzenten Stock Aitken Waterman und demonstriert deren aufkommende Dance-Pop-Formel. Die House-inspirierte Rhythmik verbindet britischen Pop mit Clubmusik.

  • Erasure „Oh L’Amour“
    Erasure - Oh L'Amour (Official HD Video)
    Erasure - Oh L'Amour (Official HD Video)

    Der Song war kommerziell zunächst verhalten, wurde aber langfristig zu einem zentralen Fanfavoriten des Duos. Die klare Synth-Melodieführung und Andy Bells Vokaldynamik prägten den späteren Signature-Sound.

  • Eurythmics „When Tomorrow Comes“
    Eurythmics, Annie Lennox, Dave Stewart - When Tomorrow Comes (Official Video)
    Eurythmics, Annie Lennox, Dave Stewart - When Tomorrow Comes (Official Video)

    Der Titel öffnet das Duo stilistisch in Richtung gitarrenorientierten Pop der späten Achtziger. Die Kombination aus organischen und elektronischen Elementen zeigt die Übergangsphase zwischen ihren frühen und späteren Produktionen.

  • Frankie Goes to Hollywood „Rage Hard“
    Frankie Goes To Hollywood "Rage Hard"
    Frankie Goes To Hollywood "Rage Hard"

    Der Song markiert eine härtere, rockigere Ausrichtung nach dem chartdominanten Jahr 1984. Die Abkehr vom Trevor Horn führte zu einer spürbaren stilistischen Neupositionierung.

  • Genesis „Invisible Touch“
    Genesis - Invisible Touch (Official Music Video)
    Genesis - Invisible Touch (Official Music Video)

    Der Titel repräsentiert die poporientierte Phase der Band, stark geprägt durch Phil Collins Soloästhetik. Die markante Hook machte den Song zu einem der international erfolgreichsten Titel ihrer Karriere.

  • Kenny Loggins „Danger Zone“
    Kenny Loggins - Danger Zone (Official Video - Top Gun)
    Kenny Loggins - Danger Zone (Official Video - Top Gun)

    Der Track steht exemplarisch für den Synth-Rock-Stil amerikanischer Action-Soundtracks der Achtziger. Die Produktion von Giorgio Moroder etablierte den Song als zentrales Element der „Top Gun“-Ästhetik.

  • Kim Wilde „You Keep Me Hangin’ On“
    Kim Wilde "You Keep Me Hangin' On"
    Kim Wilde "You Keep Me Hangin' On"

    Das Motown-Remake aktualisiert den Klassiker durch digitale Drum-Programmierung und Synthpop-Produktion. Der Track wurde einer der größten internationalen Erfolge von Kim Wilde in ihrer zweiten Karrierephase.

  • Level 42 „Lessons in Love“
    Level 42 - Lessons In Love
    Level 42 - Lessons In Love

    Der Song verbindet zugänglichen Pop mit dem technisch anspruchsvollen Bassspiel von Mark King und erreichte weltweit hohe Chartpositionen. Er gilt als komprimierte Darstellung des polierten Jazz-Funk-Pop der Mitte der Achtziger.

  • Madonna „Papa Don’t Preach“
    Madonna "Papa Don't Preach"
    Madonna "Papa Don't Preach"

    Der Titel markiert eine inhaltliche Hinwendung zu moralisch und gesellschaftlich diskutierten Themen. Die orchestrale Popproduktion von Stephen Bray und Patrick Leonard stärkte Madonnas Position als kulturell relevante Popfigur.

  • Pet Shop Boys „Suburbia“
    Pet Shop Boys: "Suburbia"
    Pet Shop Boys: "Suburbia"

    Der Song nutzt urbane Soundeffekte und Anleihen aus Filmmusik, inspiriert von Berichten über Vorstadtunruhen. Musikalisch verbindet er Synthpop mit atmosphärischer, fast szenischer Produktionsästhetik.

  • Prince & The Revolution „Kiss“
    Prince & The Revolution - Kiss (Official Music Video)
    Prince & The Revolution - Kiss (Official Music Video)

    Seine minimalistische Funkphase, in der Reduktion das wesentliche Stilmittel ist. Die klare Rhythmik und extreme Produktionsökonomie machten den Song zu einem Modell moderner Funk-Pop-Integration.

  • Queen „A Kind of Magic“
    Queen - A Kind of Magic (Official Video Remastered)
    Queen - A Kind of Magic (Official Video Remastered)

    Der Titel fungiert als zentrales musikalisches Motiv des „Highlander“-Soundtracks. Die Synth-getriebene und chartorientierte Produktion steht exemplarisch für Queens späte Studioentwicklung.

  • The Human League „Human“
    The Human League - Human
    The Human League - Human

    Der Song wurde einer der wenigen globalen Rückkehrhits der Gruppe nach ihrem frühen Höhepunkt.

  • Wham! „The Edge of Heaven“
    Wham! - The Edge of Heaven
    Wham! - The Edge of Heaven

    Der Titel war als Abschluss ihres Projekts konzipiert und fasst die stilistischen Kernelemente ihrer Arbeit zusammen. Die Mischung aus Pop-, Soul- und Dance-Elementen deutete bereits die Ästhetik von George Michaels kommender Solokarriere an.

Peter Gabriel - Sledgehammer (HD version)
Peter Gabriel - Sledgehammer (HD version)

MTV, Fernsehen und das Gefühl, dass Musik jetzt bewegt werden muss

1986 versteht Musik den Begriff „international“ neu – nicht in den Charts, sondern auf den Bildschirmen. MTV schaltet den Turbo an und verwandelt Musik in eine globale Sprache. Jeder Musikclip wirkt plötzlich wie Diplomatie mit Synthesizer. Die Machthaber des Jahres laufen in den Nachrichtensendungen, aber im Wohnzimmer läuft Peter Gabriel, wie er sich in Obst verwandelt. Es ist eine Zeit, in der man alle Informationen in einer visuellen Mischmaschine serviert bekommt.

In der BRD bleibt das Fernsehen Leitmedium. Frank Elstner moderiert „Wetten, dass..?“ mit dem Wissen, dass ihm bald Thomas Gottschalk die Bühne übernimmt. Die Privatsender sind jung, laut und voller amerikanischer Serien, die aussehen, als wären sie direkt aus einer Pastellfarbfabrik entsprungen. In der DDR lebt das Fernsehen in einem eigenen Rhythmus. Die Nachrichten sind staatlich glattgebügelt, aber Musik schafft intime Fluchtlinien.

Im Jahr 1986 wird klar, dass Hits jetzt Bilder brauchen, um international bestehen zu können. Genesis verwandeln Politiker in groteske Puppen. A-ha schalten mit „I’ve Been Losing You“ auf erwachsen und verlassen die Comicwelt. Und Depeche Mode führen mit „A Question of Time“ den Synthpop endgültig in die Erwachsenenabteilung. So cool, so ikonisch.  Während man all das mit weit geöffneten Augen aufsaugt, läuft in unzähligen Wohnzimmern ein Videorekorder auf Hochbetrieb. Der VHS-Turm ist 1986 ein kulturelles Institut. Auf der anderen Seite erleben Karat mit „Der blaue Planet“ ein unerwartetes Comeback, weil Umweltpolitik plötzlich kein Randthema mehr ist. Silly packen mit „Bataillon d’Amour“ das Ostrockjahr bei den Schultern. Der Abschied von Phil Lynott liegt wie ein Schatten über dem Rock.

Punks in Ost-Berlin
IMAGO / Photo12
Punks in Ost-Berlin

Mode als Kommentar zum Weltzustand

1986 ist modisch zweigeteilt, aber auf beiden Seiten der Grenze bezeichnend. Die BRD trägt Schulterpolster. Neon wirkt, als wäre man permanent auf einer Messe für Zukunftstechnologien, selbst wenn man nur Milch holt. Dauerwellen stehen in voller Blüte, ausgerechnet in einem Jahr, in dem die Ozonloch-Debatte Fahrt aufnimmt.

Die DDR kämpft mit Materialknappheit und beeindruckt trotzdem mit Erfindungsgeist. Exquisit-Läden versuchen, ein wenig Luxus zu simulieren, während der Rest der Bevölkerung Kunstfasern in etwas verwandeln muss, das nach Mode aussieht.

Subkulturen spielen ohnehin nach eigenen Regeln. Ostpunks tragen Lederjacken, die Geschichten erzählen, selbst wenn sie offiziell nicht stattfinden sollen. Waver ziehen sich in Schwarz zurück, weil das damals die ehrlichste Farbe ist.

Commodore 64
IMAGO / K-P Wolf
Commodore 64

Technik, die plötzlich Zukunft spielen will

Der Walkman macht das Jahr mobil. Ein Mensch mit Kopfhörern ist nicht mehr Teil des Straßenbilds, sondern der Held im eigenen Musikvideo. Auto-Reverse verwandelt den Bandsalat in eine aussterbende Spezies.

Die CD schleicht sich währenddessen in die Wohnzimmer, glänzend wie ein Versprechen. Parallel dazu wachsen HiFi-Türme zu Wohnskulpturen. Der Heimcomputer wiederum zieht klammheimlich die Zukunft groß.

Der Commodore 64 liefert Stallgeruch für eine ganze Generation von Entwicklern. Der Atari ST vernetzt Musikerinnen und Musiker via MIDI. Der Amiga zeigt grafisch, wohin sich Unterhaltung entwickeln wird.

Und im Kinderzimmer klickt langsam ein grauer Nintendo-Controller, während „The Legend of Zelda“ neben Pop und Politik eine dritte Welt öffnet.

Sigourney Weaver & Carrie Henn in "Aliens" (1986)
IMAGO / Allstar
Sigourney Weaver & Carrie Henn in "Aliens" (1986)

Kino, das Jetpiloten, Aliens und Alltagshelden erfindet

In den Kinos laufen 1986 Filme, die später überall zitiert werden, egal ob man Pop, Action oder Kunst bevorzugt. Tom Cruise knallt in „Top Gun“ durch die Luft, als hätte er den Begriff Testosteron erfunden.

Sigourney Weaver zeigt in „Aliens“, wie Fortsetzungen reinknallen können. Und Matthew Broderick bricht in „Ferris macht blau“ so charmant die Regeln, dass Schulschwänzen kulturelle Aufwertung erfährt. Die Ostkinos zeigten „Der Name der Rose“ und „Amadeus“.

Wir Kinder Vom Bahnhof Zoo
  IMAGO / Allstar
Wir Kinder Vom Bahnhof Zoo

Drogenrealität, die sich nicht ausblenden lässt

In den USA eskaliert 1986 die Crack-Epidemie. Die Reagan-Regierung antwortet mit Härte, die wenig hilft. Diese Bilder aus New York, Los Angeles und Miami sickern auch in die europäische Wahrnehmung. Denn Crack verwandelt dort ganze Straßenzüge in Brennpunkte, weil der Stoff billig, sofort suchterzeugend und leicht zu verteilen ist – ein chemischer Shortcut, der Städte in einen Ausnahmezustand zwingt.

HipHop reagiert in dieser Phase noch vorsichtig, doch zwischen den Zeilen von Run-D.M.C., Kool Moe Dee oder der frühen West-Coast-Szene hört man bereits, dass hier ein Thema heranwächst, das das Genre wenige Jahre später definieren wird.

Gleichzeitig beginnt MDMA in Clubs zu zirkulieren – die spätere Rave-Kultur macht hier ihren ersten Atemzug. Die DDR kämpft mit Heroinproblemen in Großstädten, während die BRD eine Mischung aus Alkohol, Partydrogen und medialer Verunsicherung erlebt. Pop reflektiert das nie direkt, aber die Spannung ist spürbar.

Und was war 1986 im Underground los?

1986 bewegt sich im Underground viel schneller als der Mainstream, denn „House Nation“ von den Housemaster Boyz markiert einen frühen Moment, in dem House aus Chicago heraus eine eigene globale Sprache entwickelt, während 16 Bit mit „Where Are You?“ ihren Amiga-Computer an die Grenzen des Möglichen treiben.

Sigue Sigue Sputnik schieben mit „Love Missile F1-11“ eine hyperkulturelle Mischung aus Futurismus und Trash in die Clubs und zeigen, wie stark Pop und Cyberfantasien damals ineinandergreifen, während Radiorama mit „Vampires“ den späteren Italo-Revival-Katalog unbewusst mitschreibt.

Mit Off und „Electrica Salsa“ bereitet Sven Väth seinen Durchbruch vor, während Rio Reiser mit „König von Deutschland“ einen politisch aufgeladenen Underground-Hit liefert, der genauso gut in besetzten Häusern wie in studentischen WGs funktioniert.

A Split-Second verschieben mit „Flesh“ das Zentrum der elektronischen Subkulturen in Richtung EBM und prägen eine Klangästhetik, die später für Industrial und Rave gleichermaßen wichtig wird, und Cultural Vibe setzen mit „Ma Foom Bey“ einen New-Yorker Clubstandard, dessen Konzept den Weg für spätere Tribal-House-Varianten ebnet.

Auffällig bleibt, dass dieser komplette Jahrgang heute kaum Altersspuren zeigt. Viele der Songs und Produktionen klingen vier Jahrzehnte später erstaunlich stabil, als hätte 1986 technische und ästhetische Standards gesetzt, die bis heute problemlos funktionieren.

Und 2026 wird 80s80s diesen Sound weiter ganz selbstverständlich mitnehmen – einfach, weil diese Musik auch nach 40 Jahren noch problemlos im Jetzt funktioniert.