8 Vorboten der 80er
Der Jahreswechsel 1979/1980 war musikalisch eine Zeitenwende. Ein Sound zwischen Melancholie und Zukunftsrausch, getragen von Künstlern, die den Sprung wagten und damit eine neue Ära einleiteten.
Der Jahreswechsel 1979/1980 war musikalisch eine Zeitenwende. Ein Sound zwischen Melancholie und Zukunftsrausch, getragen von Künstlern, die den Sprung wagten und damit eine neue Ära einleiteten.
Das Podcast & Musikradio von 80s80s: die wichtigsten Hits der 80s und ihre Geschichten, erzählt von Peter Illmann.
Dekadenwechsel sind immer eine große Party, aber die 80er wurden wirklich herbeigesehnt. „Goodbye 70s - Hello 80s“ wurde das große Motto. Yazoo haben diese Stimmung dann auch in einen Song gegossen: „Goodbye 70s“.
"I'm glad that we don't hear you and more. I'm tired of fighting in your fashion war" (Gut, dass wir dich endlich nicht mehr hören – ich hab’s satt, ständig in deinem Modekrieg zu kämpfen)
Ja, die 80er wurden sehnsüchtig erwartet. In London tauchen die ersten New Romantics in Seide, Rüschen und Kajal aus den Clubs auf, als kämen sie aus einer anderen Dimension — sie wirken nicht betrunken, sondern perfekt inszeniert. Die Jugend beginnt, Coolness zu proben: Haltung statt Rausch, Stil statt Schweiß. New Wave bringt plötzlich Coolness, Präzision und Intellekt in die Popmusik und dazu eine Mode, die aussieht, als sei sie für ein Fotoshooting geboren. Und genau dieses Gefühl, die Befreiung durch den Abschied und das Knistern des Neubeginns, steckt in den Songs, die diesen Moment einfrieren. Acht Tracks, in denen man hören kann, wie aus der Dunkelheit der 70er das gleißende Licht der 80er bricht. Die 8 Vorboten der 80er:
Der Song atmet noch den Westcoast-Sound der 70er, blickt aber schon auf die kühle Eleganz der 80er. Er wirkt wie der Soundtrack einer letzten Fahrt durch die alten Zeiten mit einer gehörigen Portion New-Wave-Spirit. „Driver’s Seat“ markiert den Moment, in dem introspektive Texte und cooler Sound erstmals aufeinandertreffen. Sniff ’n’ the Tears gründeten sich 1977 in London rund um Sänger und Songwriter Paul Roberts, der bis heute das Gesicht der Band ist. Mit „Driver’s Seat“ gelang ihnen Ende 1979 ein Überraschungserfolg: Während die Single in Großbritannien kaum beachtet wurde, schoss sie in den USA Anfang 1980 in die Top 20.
Kaum ein Song symbolisiert den Aufbruch in die 80er so wie dieser futuristische Popsong. Er besingt den Medienwandel – und wurde 1981 ironisch zur ersten MTV-Ausstrahlung.
Die opulente Produktion von Synth-Meister Trevor Horn ist einer der radikalsten Brüche mit der 70er-Rockästhetik. Trevor Horn wurde später als Produzent von Frankie Goes To Hollywood, Grace Jones, Art of Noise zum Mr. 80er.
Ein Song mit 70er Produktionsweise, der die düstere Postpunk-Ära einläutet. Normalerweise wird Liebe im Pop als Kraft dargestellt, die Nähe schafft. Bei Joy Division-Sänger Ian Curtis jedoch kippt sie ins Gegenteil: Sie wird zum Motor der Distanz, zum Abgrund im eigenen Leben. „Love Will Tear Us Apart“ erschien im Frühjahr 1980 – nur wenige Wochen bevor Curtis mit 23 Jahren den Freitod wählte. Joy Division lösten sich auf, und aus der Asche entstand New Order, eine Band, die die existenzielle Kälte des Postpunk mit elektronischem Glanz verband – und damit den Sound der 80er prägte.
Musikalisch ist „Pop Muzik“ ein Hybrid: Disco-Basslines aus den späten 70ern treffen auf Synths und eine ironisch-kühle Haltung, die man sonst erst mit New Wave verbindet. Genau das macht ihn so spannend – er klingt wie ein Prototyp für das kommende Jahrzehnt, war aber ein paar Monate „zu früh“.
Kommerziell war der Song für M und den Gründer der Band, Robin Scott ein Riesenerfolg. Allerdings blieb „Pop Muzik“ eher ein One-Hit-Wunder zwischen den Jahrzehnten.
Mit „Cars“ hielt die kalte Maschinentonalität Einzug in die Charts. Synths statt Gitarren, Isolation statt Gefühl – eine komplett neue Klangwelt. Gary Numan inszenierte sich wie ein Androide, was die visuelle Ära der 80er vorwegnahm. So wurde er zum Vorbild einer ganzen Generation von Musikern. In „Cars“ klingen die „Claps“ kalt, metrisch und elektronisch verfremdet – weniger nach Menschen, mehr nach Maschine. Sie sind integraler Bestandteil des Beats, nicht Beiwerk. Das wurde schnell übernommen, von The Human League, Depeche Mode und Ultravox.
Dieser Song markiert den Moment, in dem sich die Rock-Attitüde der 70er in eine neue Form überführt: weg vom brüllenden Macho-Gestus, hin zu einer kühlen, fast beiläufigen Selbstbehauptung. Chrissie Hynde singt nicht laut oder aggressiv, sondern mit kontrollierter Zurückhaltung – und genau daraus zieht sie ihre Autorität. In den 70ern dominierten Männer den Rockdiskurs, Frauen wurden oft als Ausnahmefiguren oder „Frontfrauen“ inszeniert. Mit „Brass in Pocket“ kippt diese Perspektive: Chrissie Hynde ist weder Anhängsel noch Provokateurin, sondern schlicht Zentrum.
Disco war 1980 offiziell auf dem Rückzug. Und doch kam mit „Funky Town“ noch einmal eine Hymne, die all die Übertreibungen der 70er aufgreift und ins grelle Neonlicht hebt. Der Song wirkt wie der letzte große Triumph einer Ära, die längst angezählt war. Disco dreht die Lautstärke noch einmal voll auf, bis die Boxen glühen, und verabschiedet sich mit einem ironischen Lächeln in Richtung Zukunft. Dass der Song 1980 weltweit an die Spitze der Charts schoss, zeigt: Auch wenn Disco schon für tot erklärt wurde, war das Begehren nach Glitzer und Groove noch lange nicht erloschen. „Funky Town“ war der letzte Tanz auf der Discokugel – und der Schritt ins Laserlicht der 80er.
Am Beginn der 80er treffen zwei Welten frontal aufeinander: Blondies Punk-Wurzeln aus den New Yorker Clubs und Giorgio Moroders Italo-Disco-Hochglanz aus den Münchner Studios. „Call Me“ kanalisiert diese rohe 70er-Rebellion in einen perfekt geschliffenen Pop-Diamanten. Debbie Harry singt nicht sanft, sondern mit der wilden Entschlossenheit einer Rockfrontfrau – und doch steht dahinter die totale Studio-Kontrolle Giorgio Moroders. Das Ergebnis ist ein Aufbäumen der 70er im Moment ihres Verschwindens. So eröffnet Blondie das neue Jahrzehnt nicht leise oder vorsichtig, sondern mit einem Statement: Die Zukunft des Pop liegt im Glanz, nicht im Schmutz.
Eine erfolgreiche Band arbeitet mit einem erfolgreichen Produzenten, da kann doch nichts schiefgehen - oder? Auch Giorgio Moroder dachte das, bevor er mit der Band "Blondie" ins Studio ging. Aber dann kam alles ganz anders und Moroder stellte eine Regel auf, die er sogar noch bis heute einhält.