Happy Birthday, George Michael!
Heute wäre George Michael 63 Jahre alt geworden. Gleichzeitig bringt ihn ein neues Buch wieder ins Gespräch, als widersprüchlichen Popstar mit erstaunlich aktueller Wirkung.
Heute wäre George Michael 63 Jahre alt geworden. Gleichzeitig bringt ihn ein neues Buch wieder ins Gespräch, als widersprüchlichen Popstar mit erstaunlich aktueller Wirkung.
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George Michael wäre heute 63 Jahre alt geworden. George Michael war einer der größten Popstars der 80er, ein Songwriter mit massivem Kontrollbedürfnis, eine schwule Ikone wider Willen, ein genialer Sänger, ein schwieriger Interviewpartner, ein großzügiger Philanthrop und am Ende auch ein Mensch, der sichtbar und unsichtbar gegen sich selbst kämpfte. Der 25. Juni ist deshalb nicht nur ein Geburtstag für Fans von George Michael, sondern ein guter Moment, noch einmal genauer hinzusehen.
Hilfreich kann dabei ein neues Buch über George Michael sein. Sathnam Sangheras neues Buch "Tonight the Music Seems So Loud" beleuchtet den Ex-Wham!-Sänger neu. Sathnam Sanghera hat keine klassische Biografie über George Michael geschrieben, sondern eher eine persönliche, analytische und kulturgeschichtliche Annäherung. Der britische Autor Sathnam Sanghera, bekannt für Bücher über das British Empire, nimmt George Michael ernst – als Künstler, als Sohn einer Einwandererfamilie, als Popstar unter öffentlichem Druck und als Figur, an der sich sehr viel über die 80er, über Männlichkeit, Sexualität, Klasse und Ruhm erzählen lässt. Eine deutsche Ausgabe ist aktuell nicht angekündigt; der englische Import ist aber bereits bestellbar.
George Michael ist längst nicht mehr nur der Sänger von "Last Christmas", auch wenn dieser Song jedes Jahr so zuverlässig zurückkommt. Die neue Aufmerksamkeit hat einen anderen Grund: Sathnam Sanghera fragt in seinem Buch, warum George Michael kulturell so wichtig war und warum viele Debatten über ihn erst nach seinem Tod wirklich offen geführt wurden.
Der Guardian-Kritiker Alexis Petridis beschreibt "Tonight the Music Seems So Loud" als bewegende Erkundung eines "troubled genius", also eines problematischen, schwierigen Genies. Das ist keine Heiligsprechung. Es ist eher der Versuch, die Widersprüche von George Michael nicht wegzuschneiden. Diese Widersprüche beginnen früh.
George Michael, geboren als Georgios Panayiotou, wuchs in Nordlondon in einer griechisch-zypriotischen Familie auf. Gemeinsam mit Andrew Ridgeley wurde daraus Wham!, eine Band, die auf den ersten Blick nach kurzen Hosen, gebleichten Haaren und maximaler Pop-Leichtigkeit aussah.
Doch Sathnam Sanghera deutet dieses Image anders: Sathnam Sanghera sieht im Wham!-Glamour mehr als bunte 80er-Pose. Für ihn war es auch die Fantasie zweier Einwandererkinder von einem Leben, das größer, heller und luxuriöser war als ihre eigene Herkunftswelt.
George Michael und Andrew Ridgeley wurden mit Wham! zu Popstars, bevor viele Kritiker überhaupt begriffen hatten, was da eigentlich passierte. "Wake Me Up Before You Go-Go", "Club Tropicana", "Freedom" und "Last Christmas" wirkten federleicht, aber George Michael arbeitete dahinter mit einer Ernsthaftigkeit, die nicht besonders gut zum Image der Dauerparty passte.
Alexis Petridis erinnert im Guardian daran, dass Wham! 1984 bei einem Benefizkonzert für streikende Bergarbeiter auftraten – als einer der wenigen großen Mainstream-Popacts, die diese Sache unterstützten. Vom Publikum und von Teilen der Musikpresse wurden George Michael und Andrew Ridgeley dafür allerdings eher frostig behandelt.
Pop, der zu hübsch aussieht, darf offenbar nicht politisch sein. Alte Regel, immer noch nervig. Für George Michael blieb dieses Missverständnis lange ein Thema. Sathnam Sanghera beschreibt, wie sehr George Michael unter der Vorstellung litt, seine Musik werde nicht ernst genommen, weil sie populär war. Diese Kränkung ist nachvollziehbar.
Nach dem Tod von George Michael 2016 wurde sein Werk deutlich differenzierter bewertet. Heute spricht kaum noch jemand ernsthaft nur von einem gut aussehenden 80er-Star. Heute geht es um Stimme, Songwriting, Produktion, Identität und den enormen Druck, unter dem George Michael stand.
George Michael war Perfektionist, aber nicht immer produktiv. George Michael konnte alles kontrollieren wollen und sich dabei selbst sabotieren. Ein besonders schönes: Für das berühmte Saxofon-Solo in "Careless Whisper" soll George Michael zwölf verschiedene Saxofonisten ausprobiert haben, bis er zufrieden war.
Man kann das irre finden. Man kann aber auch sagen: Genau deshalb klingt dieses Solo bis heute so, als hätte es schon immer existiert. Das ist Popgeschichte mit Kontrollzwang, und bei George Michael lagen Genie und Nervenprobe oft ziemlich nah beieinander.
Nach dem gewaltigen Erfolg von "Faith" zeigte sich dieser Konflikt noch deutlicher. George Michael verkaufte mit seinem Solo-Debüt Millionen, aber der Ruhm machte ihn nicht freier, sondern enger. Beim Nachfolger "Listen Without Prejudice Vol. 1" verweigerte George Michael die übliche Popstar-Maschinerie: keine klassischen Videos, keine große Selbstvermarktung, keine Lust mehr, das Gesicht der eigenen Kampagne zu sein.
George Michael war nicht nur ein Popstar, der zufällig sehr gut singen konnte. George Michael war auch der Sohn eines Vaters, der in England hart gearbeitet hatte, um sich etwas aufzubauen.
Sathnam Sanghera verbindet diese Familiengeschichte mit Michaels Arbeitsethos und seinem Kontrollbedürfnis. So wird erzählt, dass George Michaels Vater sein Restaurant so streng führte, dass er seinen eigenen Sohn entließ, nachdem dieser Getränkebestellungen vermasselt hatte. Das ist als Familienanekdote ziemlich trocken. Als Erklärung für den späteren Perfektionismus von George Michael ist es allerdings kaum zu übersehen.
Aus diesem Hintergrund entstand bei George Michael eine fast brutale Arbeitsdisziplin. Er wollte als Sänger, Autor, Produzent und Musiker ernst genommen werden. Gleichzeitig redete George Michael seine eigenen Fähigkeiten immer wieder klein.
George Michael wurde 1998 nach einer Festnahme in einer öffentlichen Toilette in Los Angeles öffentlich geoutet beziehungsweise sah sich danach gezwungen, offen über seine Sexualität zu sprechen. Heute wird dieser Moment oft als Beginn einer neuen Offenheit erzählt. Für George Michael war er aber nicht einfach befreiend, sondern auch demütigend, medial ausgeschlachtet und extrem brutal. Sathnam Sanghera setzt diesen Moment in den Kontext der 80er und 90er, einer Zeit, in der Homophobie nicht nur in Boulevardmedien, sondern auch im Alltag und in der Popkultur massiv präsent war. Wer heute mit etwas Abstand darauf schaut, sollte nicht so tun, als sei ein Coming-out für einen globalen Popstar damals nur eine mutige PR-Entscheidung gewesen. George Michael war ein Meister darin, die eigene Geschichte zu kontrollieren. Er gab Interviews, blieb schlagfertig, sah gepflegt aus und lieferte auf der Bühne. Das Problem war: Professionalität kann Risse verdecken. Bei George Michael verdeckte sie offenbar sehr viele. Wenn ein Star noch funktioniert, wenn die Stimme noch trägt und der Witz noch sitzt, wirkt ein Absturz nicht zwingend wie ein Absturz. Man hält ihn dann eher für eine schwierige Phase, eine schlechte Woche, eine Boulevardgeschichte zu viel.
Sathnam Sanghera macht aus George Michael offenbar keinen makellosen Helden. Genau das scheint die Stärke von "Tonight the Music Seems So Loud" zu sein. Das Buch ist parteiisch, aber nicht unkritisch sei. Sathnam Sanghera liebt die künstlerischen Triumphe von George Michael, sehe aber auch die Schwächen: den schwierigen Umgang mit Andrew Ridgeley, die Selbstsabotage, die Steuervermeidung trotz politischer und sozialer Haltung, die Widersprüche zwischen Offenheit und Geheimhaltung. Für Fans ist das vielleicht unbequemer als ein reines Denkmal. Für einen echten Blick auf George Michael ist es besser. Interessant ist auch, dass Sathnam Sanghera George Michael nicht isoliert betrachtet. Es geht um Einwanderung, Klasse, britische Popkultur, schwules Leben, Boulevardgewalt und die Frage, warum manche Künstler erst dann ernst genommen werden, wenn sie nicht mehr da sind. George Michael passt perfekt in diese Debatte. Er war zu populär, um von allen Kritikern sofort respektiert zu werden, zu schön für die klassische Genie-Erzählung, zu kommerziell für manche Feuilletons und zu widersprüchlich für einfache Heldengeschichten. Genau darin liegt heute seine Aktualität. Deshalb ist Sathnam Sangheras Buch interessant. Es stellt George Michael nicht nur zurück ins Licht, sondern auch zurück in die Debatte. Und das ist am 63. Geburtstag von George Michael deutlich wertvoller als die nächste weichgezeichnete Rückblende. Für deutschsprachige Fans ist wichtig: Eine deutsche Ausgabe des Buches von Sathnam Sanghera ist bislang nicht angekündigt. Wer das Buch lesen möchte, muss aktuell zur englischen Ausgabe greifen.
George Michael starb 2016 mit 53 Jahren. Seitdem ist viel über ihn gesagt worden, aber längst nicht gut genug. Der Reiz von "Tonight the Music Seems So Loud" liegt offenbar darin, George Michael nicht erklären zu wollen. Sathnam Sanghera nähert sich ihm über gesellschaftlichen Kontext: Je genauer man hinsieht, desto interessanter wird George Michael. Die Hits sind unkaputtbar, aber die Brüche machen sie erst wirklich erwachsen. Und vielleicht ist das die beste Geburtstagsformel für George Michael: "Freedom, I won’t let you down". Ganz gelungen ist ihm das Leben damit nicht immer. Die Musik schon.
George Michael – da denken viele an Wham!, an das legendäre “Faith”-Album, das Video mit den Topmodels oder den Cruising-Skandal. Doch das ist nur ein kleiner Teil des Lebens dieses Ausnahmetalents. Der Podcast erzählt von seiner Karriere voller unglaublicher Höhen und dramatischen Tiefen – und von dem weitestgehend unbekannten Menschen hinter der glitzernden Pop-Fassade.
„The Story / George Michael” geht auch der Frage nach: Wie kann es sein, dass auch dieser 80er-Megastar, genauso wie Michael Jackson, Whitney Houston oder Prince viel zu früh sterben musste?
Und vor allem feiern wir in “The Story / George Michael” einen begnadeten Musiker, Sänger und Songwriter. Wie gut und wie außergewöhnlich talentiert dieser Mann wirklich wahr, haben viele immer noch nicht verstanden.
Wir haben für diesen Podcast mit Wegbegleitern von George Michael gesprochen, wie Steve Norman von Spandau Ballet, der George schon aus Jugendzeiten kennt. Der ehemalige Wham!-Manager Simon Napier-Bell hat uns ein Interview gegeben und auch der legendäre MTV-Moderator Ray Cokes, der George oft getroffen hat, ist mit dabei.
Die Geschichte von George Michael, wie ihr sie noch nie gehört habt: Wir wünschen viel Spaß!
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„I Want Your Sex“ war George Michaels erste Solo-Single nach dem Ende vom Wham! Der Songtext und vor allem das Video waren sehr freizügig. Doch dass der Aufschrei so groß werden würde, dass niemand das Original-Video zeigen wollte, war dann doch nicht geplant. Die ganze Geschichte hört ihr in dieser Folge.
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