Die 8 besten 80s Musikvideos der MTV Era
Die 8 besten 80s Musikvideos der MTV Era
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Die 8 besten 80s Musikvideos der MTV Era

Am 1. August vor 45 Jahren ging es los mit einer wahren Revolution im Fernsehen: MTV ging mit dem Spruch "Ladies and Gentlemen, Rock and Roll" auf Sendung. Hier sind unsere Top 8 Musikvideos.

Vor 45 Jahren ging MTV an den Start, ging wieder und bleibt doch für immer

MTV hat ein Vermächtnis hinterlassen, das Generationen überlebt. Die Musikvideos prägten die Popkultur und wurden untrennbares Begleitmedium zum Song. 45 Jahre nach dem Start ist MTV nun Geschichte – Musikgeschichte, Legende. Und nichts ist mehr so wie vorher, seit über 4 Jahrzehnten.

Der Fernsehsender MTV hat zum 1. Januar seine Musikkanäle eingestellt – eine Entscheidung, die Teil einer größeren ökonomischen Bereinigung ist. Der US-Medienkonzern Paramount Skydance, zu dem MTV gehört, steckt seit Jahren in finanziellen Schwierigkeiten. Sinkende Werbeeinnahmen, hohe Schulden und ein stockender Streaming-Markt beschleunigten diese Entwicklung: Was nicht rentabel ist, wird gestrichen. Neben MTV trifft es auch andere lineare Marken, deren Zielgruppen längst abgewandert sind. Damit schließt sich ein Kreis, der vor 45 Jahren erfolgsversprechend startete. 

Hier sind unsere Top 8 Musikvideos der MTV Era:

Genesis - Land Of Confusion (Official Music Video)
Genesis - Land Of Confusion (Official Music Video)

08) "Land Of Confusion" Genesis (1986)

Satire, plastisch sehr kreativ ausgestaltet – so kam das Video zum Genesis-Song daher und brachte politische Satire in den MTV-Mainstream. Die Puppen im Clip waren die damals sehr populären „Spitting Image“-Puppen.

US-Präsident Ronald Reagan, Großbritanniens Premierministerin Margaret Thatcher, Politfiguren und Popstars verwandeln einen klassischen Bandclip in eine groteske Nachrichten-Oper. Aber die Politik kam nicht ernst oder ermahnend ins Spiel sondern als schrilles Puppenkabinett.

In einer Art war dieses Video Wegbereiter einer Logik, die wir heute in der Meme- und Satirekultur erleben. Überzeichnung als Erzählmethode – das verhalf dem Song zu Weltruhm.

Regie: John Lloyd & Jim Yukich

Cyndi Lauper - Girls Just Want To Have Fun (Official Video)
Cyndi Lauper - Girls Just Want To Have Fun (Official Video)

07) "Girls Just Want to Have Fun" Cyndi Lauper (1983)

Der Clip ist bunt, chaotisch, straßenhaft und bewusst unperfekt — und gerade dadurch historisch. Die meisten jungen Konsumenten fühlten sich abgeholt von Cyndi Lauper. Der Song samt Video wurde zum weibliches Pop-Statement. Ein Befreiungsschlag einer jungen, scheinbar unangepassten schrillen Person umgeben von Familie, Freundinnen und einer  demonstrativ anderen Energie als die glatten Performanceclips der Früh-80er.

Der Humor ist zentral: Der Clip macht aus Rebellion keinen Pathos-, sondern einen Spaßmodus. Ernster Background mit Partypotential – das sind die 80s. Das war MTV-kompatibel und zugleich subversiv.  

Das Video gewann 1984 den ersten VMA für Best Female Video. Noch wichtiger: Der Clip half beim „Rock ’n’ Wrestling“-Crossover von MTV und WWF und schrieb die Bildformel für viele spätere Female-Pop-Durchbrüche vor. Heute steht der offizielle Clip bei über 1,7 Milliarden Aufrufen.

Regie: Edd Griles

Robert Palmer - "Addicted To Love"
Robert Palmer - "Addicted To Love"

06) "Addicted to Love" Cyndi Lauper (1986)

Robert Palmer im Maßanzug, dahinter fünf nahezu entindividualisierte Modelle mit Instrumenten: visueller kann Pop seine eigene Oberflächenlogik kaum kommentieren. Der coole Typ mit der idealisierten „Modell“-Band. Ein künstlich arrangiertes Bild wie eine Mischung aus Popvideo und Modefotografie.

Es wirkt fast wie eine Persiflage des Popbusiness und entbehrt nicht einer gewissen Ironie auf die eigene Wahrnehmung als Popstar. All das können bewegte Bilder zum Song möglich machen. Robert Palmer macht es lässig und wie aus dem Ei gepellt samt „Band“ vor.

Gesprächswert/Einfluss: 1986 gewann Robert Palmer den VMA für Best Male Video. Langfristig ist der Einfluss enorm: Shania Twains „Man! I Feel Like A Woman“ kehrte das Bildkonzept bewusst um. Die Reduktion der Bildsprache wurde zum Stilmittel. Weniger Story, mehr ikonische Pose, präzise Aussage.

Regie: Terence Donovan

Dire Straits - Money For Nothing (Official Music Video)
Dire Straits - Money For Nothing (Official Music Video)

05) "Money for Nothing" Dire Straits (1985)

Mit diesem Video/Song starte MTV-Europe 1987. Das Witzige: Der Song der Dire Straits selbst behandelt das Thema MTV und wird durch MTV selbst wiederum zum unsterblichen Videoclip und Hit. Aber dieser Dreh wird zum Nebeneffekt, wenn man sich das Video selbst anschaut. Visuell setzte der Clip auf frühe 3D-Computerfiguren — kantig, künstlich, heute gerade deshalb charaktervoll.

Die Technik war 1985 noch unausgereift, aber genau das macht den unvergleichlichen Charme aus. Gleichzeitig persifliert der Clip den Blick der „normalen“ Fernsehzuschauer auf Rockstars und Medienglamour, Huldigung, Spott, Satire – oder einfach nur ein großer Spaß.

Das Video gewann 1986 den VMA für Video of the Year; in UK erreichte die Single Platz 4, in den USA begann sie im September 1985 eine dreiwöchige Nummer-eins-Phase.

Regie: Steve Barron

Peter Gabriel - Sledgehammer (HD version)
Peter Gabriel - Sledgehammer (HD version)

04) "Sledgehammer" Peter Gabriel (1986)

„Sledgehammer“ ist das technische Wunder der Liste: Stop-Motion, Pixilation, Claymation, Objektanimation und eine Bildkette, die mit jedem Takt eine neue Idee liefert. Das Video bietet eine optische Erlebnisdichte ohne Gleichen. Und das mitten in den 80s.

Der Clip ist eine Mischung aus Animation und natürlichen Bildern. Das wirklich Besondere aber ist etwas anderes. Die schnelle Abfolge vom kaum wahrnehmbaren Bildern, das so reiche Bildmaterial mit seinen Wiederholungen wurde Teil des Konzepts. Genau deshalb wurde das Video auf MTV zum Dauerbrenner. 

Der Clip gewann neun VMAs — bis heute Rekord — und wurde von Peter Gabriels offizieller Seite als „most played video ever on MTV“ erinnert. Sein Einfluss reicht tief in Stop-Motion-, Werbe- und Designsprachen hinein; selbst heute wirkt der Clip eher erfinderisch als retro.

Regie: Stephen R. Johnson

Madonna - Like A Prayer (Official Video)
Madonna - Like A Prayer (Official Video)

03) "Like a Prayer" Madonna (1989)

Hier kam viel, eigentlich alles, zusammen. Kaum ein 80er-Video kombinierte Storytelling, Religion, Sexualität und Gesellschaft/Politik so offensiv. Madonna sieht einen Mord, sucht in einer Kirche Schutz, betet zu einer schwarzen Heiligenfigur, erlebt Stigmata- und Ekstasebilder, küsst den „Heiligen“ und tanzt vor brennenden Kreuzen.

Die Pointe: Das Video war eine reine Provokation gegen kirchliche und gesellschaftliche Ordnung. Mary Lambert hat Grenzen ausgelotet, sexuelle und religiöse Extase in Verbindung gebracht. Für strengreligiöse Katholiken war es Blasphemie. Ein wahrer Kulturkampf im Jahr 1989, der zum Gesprächsthema auf den Fluren, Schulen und Arbeitsplätzen wurde.

Der Madonna-Sponsor Pepsi zog seine Kampagne zum Song nach Protesten zurück, der Vatikan verurteilte den Clip, und genau dadurch gewann Madonna den Status der kompromisslosen Provokateurin. Hier die harmlose Werbekampagne von Pepsi.

In der Tat liegen Welten zwischen der Aussage im Pepsi-Spot und dem Madonna-Musikvideo zum Song. 2025 soll der Clip laut des Magazins „People“ bei rund 350 Millionen Views gelegen haben. Provokation als Marketingmethode, die im Falle Madonnas als authentisch wahrgenommen wurde. Das alles zementierte den Erfolg und das Image Madonnas im ausgehenden 80er-Jahrzehnt.

Regie: Mary Lambert

a-ha - Take On Me (Official Video) [Remastered in 4K]
a-ha - Take On Me (Official Video) [Remastered in 4K]

02) "Take On Me" a-ha (1985)

Auch hier wurde das Video zur Kunstform. Bleistift-Ästhetik, Comic-Attitude. Das Video verbindet Live-Action und Zeichenkunst zu einer Comicwelt. Gerade diese Mischung aus Pop-Song, Erzählkino und graphischer Verfremdung machte den Clip auf MTV einzigartig.

Die Band a-ha selbst nennt die 1985er Fassung den Durchbruch des Songs; sie sei durch ihren Mix aus Live-Action und Illustration „groundbreaking“ gewesen. 1986 gewann das Video sechs VMAs, und 2024 durchbrach der Clip als erstes Video der 80er die Marke von zwei Milliarden YouTube-Aufrufen.  

Langfristig prägte das Video Comic-Ästhetik. Es durchbrach Sehgewohnheiten, erlebte zahllose Parodien und Hommagen in TV, Werbung und Popclips. Der Song wurde zum Welthit, das Video zur Ikone.

Regie: Steve Barron

Michael Jackson - Thriller (Official Video)
Michael Jackson - Thriller (Official Video)

01) "Thriller" Michael Jackson (1983)

Mit fast 14 Minuten Länge verschob „Thriller“ die Erwartungen an ein Musikvideo grundlegend. Als Musikvideos fast schon keine Besonderheit mehr waren, setzte Michael Jackson noch eins drauf:

Das Musikvideo als Kurzfilm, als Horrorfilm. Kinoreif. Die Offstimme von Horrorfilm-Legende Vincent Price, Tanz als Massenbild und ein präzise gebauter Spannungsbogen statt bloßer Performance. Das Video funktioniert nicht als Illustration des Songs, sondern als eigenständiger Pop-Kurzfilm. 2009 wurde es als erstes Musikvideo überhaupt ins „National Film Registry“ aufgenommen; 2024 trat der Clip in den YouTube-Billion-Club ein. 

„Thriller“ wurde zur Speerspitze einer neuen Kategorie von „Event-Videos“, von ausführlich erzählten Geschichten, kompletten Erlebnissen. Der Film hatte quasi Popcorn-Länge und war kein reiner Clip mehr. Das Thriller-Video ist wieder bis heute DAS Symbol für Helloween und intensives Erleben von Musik als Film.

Regie: John Landis

Michael Jackson mit The Way You Make Me Feel

JACKSON

JACKSON

Ein eigenes Radio mit Michael Jackson Hits nonstop.


Es läuft:
Michael Jackson mit The Way You Make Me Feel

Am 1. August vor 45 Jahren ging es los mit einer wahren Revolution im Fernsehen.

Als MTV am 1. August 1981 mit dem Sprechakt „Ladies and gentlemen, rock and roll“ auf Sendung ging, war das Fernsehen plötzlich jünger und Jugendkultur massenmedial präsent. Das erste ausgestrahlte Video der Band The Buggles (Trevor Horn) „Video Killed the Radio Star“ – wirkt rückblickend programmatisch:

Popmusik wurde global, Musikvideos wurden vom Begleitmaterial zum eigenständigen kulturellen Ereignis. In den folgenden Jahren wuchs MTV rasant und entwickelte sich zum Leitmedium. Der Sender professionalisierte den Clip, setzte ihn ästhetisch als Standard und machte ihn zum wichtigsten Marketinginstrument der Musikindustrie.

Die großen Stars der 80er sind ohne diese visuelle Bühne kaum vorstellbar. MTV legte fest, wie Pop aussehen sollte und wie er sich anfühlen würde. Wer auffallen wollte musste nun auch visuell kreativ sein, oder das nötige Geld bzw. die unterstützende Plattenfirma im Background haben – am besten aber beides.

Man brauchte nun zwei Ideen: Die Songidee und eine Lösung für die Konservierung des Tracks in optischer Form.

MTV Top of The Hour Rocket Launch (1981)
MTV Top of The Hour Rocket Launch (1981)

Das Logo wurde zum Kult

Nicht nur das videobasierte Programm formte Identität, auch das Zeichen selbst. Das wandelbare MTV-Logo entwickelte sich früh zur Marke: auf T-Shirts, Jacken, Schulheften, Skateboards prangte es.

Das Signet war weniger reiner Fanartikel als kulturelles Statement und gehört zu den frühesten Beispielen dafür, wie Zugehörigkeit über Design vermittelt wird. Das blockhafte Logo avancierte zu einem frühen Vorbild für dynamisches Corporate Design und zu einem Symbol globalisierter Jugendkultur.

MTV Spring Break (1987)
IMAGO / Everett Collection
MTV Spring Break (1987)

MTV – die Ursuppe des Musikstreams?

Über Jahre liefen MTV-Sendungen nicht gezielt angewählt, sondern bildeten eine Art Hintergrundfluss. MTV lief – da wo es in den 80s empfangbar war – in Shops, Kneipen und Jugendzimmern scheinbar unbegrenzt mit sich immer wiederholenden Clips im Hintergrund. Musik wurde nicht aktiv gesucht, sondern gefunden. Das Programm funktionierte damals schon als kuratierter Strom. Geschmack entstand eher durch Nebeneinander als durch individuellen Abruf. Kunstvolle Bildergeschichten, die kurz zuvor noch absolute Rarität im TV waren, begannen Teil einer immer abrufbaren Dauerpräsenz zu werden - anfangs nur in den USA und für ein begrenztes Publikum, und in dieser Form der Dauerschleife nur bei MTV.

Auch in Deutschland wirkte MTV in dieser Richtung. Mit dem Start von MTV Europe 1987 und später MTV Germany im Jahr 2000 wurde der Sender zum kulturellen Fixpunkt einer Generation. In seiner Hochphase Anfang der 2000er-Jahre erreichte MTV Germany mehrere Millionen Musikfans pro Woche.

Wer wahrnehmbar(er) sein wollte kam um Videopräsenz nicht herum. Unzählige Videos wurden produziert, viele 80s-Clips waren erfolgreich und blieben bis heute in Erinnerung. Unsere Liste der relevantesten Clips der 80s hat selbstverständlich nicht annähernd Anspruch auf Vollständigkeit, aber zeigt doch acht der wohl einflussreichsten Videos, die Geschichte schrieben und in unseren Köpfen und Herzen blieben und bleiben. Die folgende Top-Acht vereint vier Kriterien: sofortige Wiedererkennbarkeit, damaligen Gesprächs- oder Skandalwert, formale Innovation und langfristige Wirkung auf Pop, Mode, Werbung, Film, Memes und Coverkultur. Ganz oben steht „Thriller“ als Moment, in dem das Musikvideo zum popkulturellen Kurzfilm wurde. Dahinter folgen „Take On Me“ und “Like A Prayer“ als Musterbeispiele dafür, wie ein Video entweder die visuelle Grammatik oder die öffentliche Debatte neu codieren kann. „Sledgehammer“ und „Money For Nothing“ stehen für technische Innovation der MTV-Ära, „Addicted To Love“, „Girls Just Want to Have Fun“ und „Land of Confusion“ lieferten Archetypen, die bis heute zitiert, persifliert und recycelt werden.

MTV startete am 1. August 1981; Nun jährt sich dieser Start zum 45. Mal. 

NEU: Peters Pop Stories - der Podcast!

Folge 32 | 14.11.2022 | 9:22

a-ha - Take On Me

“Take On Me” von A-ha? Ein echter Ohrwurm, der einem nach dem ersten Hören nicht mehr aus dem Kopf geht! Oder? Tatsächlich war das Lied ein Flop - und das gleich mehrfach hintereinander. Wie es doch noch zu einem der größten Hits der 80er wurde, erzähl ich Euch in dieser Folge.