Golden Axe Game
Golden Axe Game
12.09.2026

Golden Axe wird zur Serie

In wenigen Tagen startet „Golden Axe“ mit zehn Folgen. Der erste Trailer zeigt: Aus dem brachialen Arcade-Prügler wird keine bierernste Fantasy-Saga, sondern eine Action-Comedy.

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Wann startet „Golden Axe“ bei Paramount+ in Deutschland?

Ein schlecht gelaunter Zwerg, ein Barbar mit Schwert, eine Kampfmagierin und ein Bösewicht namens Death Adder, der offenbar einfach nicht tot bleiben will: „Golden Axe“ war schon 1989 nicht gerade für subtile Zwischentöne zuständig.

37 Jahre später treffen Gilius Thunderhead, Ax Battler und Tyris Flare wieder aufeinander. Diesmal müsst Ihr dafür allerdings keine Münze in einen Arcade-Automaten werfen. Denn am 16. September 2026 erscheinen alle zehn Folgen von „Golden Axe“ bei Paramount+ in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Die Serie wurde von Mike McMahan, bekannt durch das irrsinnig lustige „Star Trek: Lower Decks“ und „Solar Opposites“, sowie Joe Chandler, der unter anderem für „American Dad!“ gearbeitet hat, entwickelt. Auch SEGA sitzt dabei nicht einfach nur daneben und kassiert Lizenzgebühren. Haruki Satomi, Shuji Utsumi und Toru Nakahara sind als Executive Producer beteiligt.

Toru Nakahara kennt diese Art von Transfer längst: Er war auch an den „Sonic the Hedgehog“-Filmen beteiligt. Dass „Golden Axe“ nun bei Paramount+ landet, ist also keine zufällige Verwertung eines alten Namens, sondern Teil einer Zusammenarbeit, bei der SEGA seine Marke aktiv begleitet. Streng genommen produzieren SEGA und Paramount die Serie allerdings nicht allein gemeinsam: Hinter der eigentlichen Produktion stehen CBS Studios, Sony Pictures Television und Original Film.

Golden Axe (1989) - Arcade - ALL Magic
Golden Axe (1989) - Arcade - ALL Magic

Warum gerade „Golden Axe“?

Die Antwort beginnt im Mai 1989. Damals brachte SEGA „Golden Axe“ als Arcade-Spiel auf seiner System-16B-Hardware heraus. Das Prinzip war einfach: Ax Battler, Tyris Flare und Gilius Thunderhead laufen von links nach rechts, vermöbeln Gegner und kämpfen sich bis zum Tyrannen Death Adder durch. Drei Knöpfe genügten für Sprung, Angriff und Magie. Dazu kamen Reittiere wie Drachen und das seltsame Chicken-Leg-Wesen, das schon deshalb im Gedächtnis blieb, weil Computerspiele 1989 offenbar keine Angst vor merkwürdigen Namen hatten.

Der Mann hinter dem Spiel war Makoto Uchida. Makoto Uchida hatte zuvor für SEGA bereits „Altered Beast“ entwickelt und bekam anschließend den Auftrag, ein Actionspiel in der Tradition des erfolgreichen „Double Dragon“ zu bauen. Nur wollte Makoto Uchida eben keine Kopie. Sein Entwicklungsansatz sei „a Double Dragon that was not a Double Dragon“ gewesen, erklärte Makoto Uchida später gegenüber. Dazu kombinierte Makoto Uchida die Prügelspielmechanik mit Schwertern, Magie und einer westlich geprägten Fantasywelt.

Als Inspiration schaute Makoto Uchida nicht nur auf andere Spiele. Gegenüber Retro Gamer erzählte Makoto Uchida, dass er während der Entwicklung „Conan the Barbarian“ immer wieder auf Video angesehen und sich außerdem an Illustrationen zu „The Lord of the Rings“ orientiert habe. Das erklärt den Look ziemlich schnell: Muskel-Barbar, Amazonenkriegerin, Zwerg, Schwerter, Skelette, Drachen und Landschaften, die sich wenig um mittelalterlichen Realismus kümmern.

Golden Axe Longplay (Arcade) [60 FPS]
Golden Axe Longplay (Arcade) [60 FPS]

Ein Prügelspiel mit Fantasy-Plan

Die eigentliche Stärke von Makoto Uchidas Idee lag weniger in der Geschichte als darin, wie „Golden Axe“ bekannte Arcade-Regeln veränderte. Während viele Beat-’em-ups ihre Figuren mit Fäusten und herumliegenden Waffen kämpfen ließen, waren Ax Battler, Tyris Flare und Gilius Thunderhead permanent bewaffnet.

Gleichzeitig unterschieden sich Reichweite, Bewegungen und Magiefähigkeiten. Blaue Diebe ließen nach Treffern Zaubertränke fallen, aus denen je nach Figur unterschiedlich starke Spezialattacken entstanden. Makoto Uchida gab dem simplen Vorwärtsprügeln damit zumindest eine kleine taktische Ebene.

Noch auffälliger waren die Reittiere. Gegner konnten von Drachen oder anderen Kreaturen heruntergeschlagen werden, anschließend durften Ax Battler, Tyris Flare oder Gilius Thunderhead selbst aufspringen. Makoto Uchida erklärte später, die Idee sei aus einer Illustration eines Kollegen entstanden, auf der eine Figur im Sattel eines Monsters saß. Aus einem Bilddetail wurde eine der Mechaniken, an die sich viele Spieler bis heute erinnern.

Noch 1989 brachte SEGA das Spiel auch auf das Mega Drive; die japanische Version erschien am 23. Dezember. Damit wanderte das Spielhallenkonzept ins Wohnzimmer, inklusive Zwei-Spieler-Modus. Später folgten zahlreiche weitere Umsetzungen und Fortsetzungen. SEGA selbst sprach bei der Ankündigung der Animationsserie 2024 von acht bis dahin veröffentlichten Spielen der Reihe. „Golden Axe“ war also nie nur dieser eine Automat von 1989 – trotzdem blieb genau das Original der entscheidende Bezugspunkt.

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Golden Axe: The Revenge of Death Adder Longplay (Arcade) [QHD]
Golden Axe: The Revenge of Death Adder Longplay (Arcade) [QHD]

Wie groß war „Golden Axe“ wirklich?

Bei aller Retro-Begeisterung lohnt sich eine kleine Größenkontrolle: „Golden Axe“ ist nicht Pac-Man. Makoto Uchida hat eine wichtige Arcade-Marke geschaffen, aber keine Figur, deren Silhouette auch Menschen erkennen, die noch nie einen Controller angefasst haben. „Golden Axe“ gehört eher in die zweite Reihe der großen Gaming-Erinnerungen: für Arcade-Spieler und frühe Mega-Drive-Fans enorm präsent, für den Rest der Welt erklärungsbedürftiger als Pac-Man, Mario oder später Sonic.

Das macht Makoto Uchidas Spiel für eine Neuauflage allerdings nicht automatisch schwächer. Im Gegenteil: Eine Marke mit erkennbarem Namen, klarer Bildsprache und bestehender Fanbasis bietet mehr Freiraum als ein popkulturelles Heiligtum, bei dem jede Veränderung sofort Grundsatzdebatten auslöst. SEGA bezeichnet „Golden Axe“ selbst als weltweit populäre Spieleserie und hält die Marke seit Jahrzehnten über Neuveröffentlichungen, Sammlungen und Fortsetzungen sichtbar. Kultstatus ja – Weltherrschaft eher nicht. Dass sich „Golden Axe“ bis heute erklären lässt, ohne eine halbe Stunde Vorgeschichte zu benötigen, dürfte ebenfalls helfen. Makoto Uchida erfand drei Helden, einen klaren Gegner und eine Welt, in der Magie, Schwerter und Monster sofort verständlich sind. Für eine Serie muss niemand erst lernen, wie Yurias Steuerpolitik funktioniert. Death Adder ist böse, Tyris Flare, Ax Battler und Gilius Thunderhead wollen ihn stoppen. Der Rest kann mit Figuren und Humor gefüllt werden.

GOLDEN AXE Official Trailer (2026)
GOLDEN AXE Official Trailer (2026)

Die Serie macht aus Kampf eine Comedy

Das ursprüngliche „Golden Axe“ meinte seine Rachegeschichte trotz aller Überzeichnung weitgehend ernst. Die neue Serie kommentiert dagegen offen die Logik eines Videospiels. Joe Chandler und Mike McMahan bauen keine klassische Sword-and-Sorcery-Verfilmung (Schwertkampf, Magie, Monster). Schon der neue Hampton Squib funktioniert als Gegenfigur zu den erfahrenen Helden: Hampton Squib möchte unbedingt auf Abenteuerreise gehen, ist dafür aber denkbar schlecht vorbereitet. Gilius Thunderhead wird zum mürrischen Zwerg mit eher fragwürdiger Körperpflege, während Ax Battler von Paramount als Barbar mit striktem Ehrenkodex und „Golden-Retriever“-Gemüt beschrieben wird. Gleichzeitig greifen Joe Chandler und Mike McMahan tief in die Spielvorlage. Im Trailer und den ersten Bildern tauchen bekannte Skelette, Reittiere und Death Armor auf.

Genau darin steckt aber auch das Risiko. Wer „Golden Axe“ wegen seiner düsteren Fantasyästhetik, der wuchtigen Magie und der leicht schmuddeligen „Conan“-Atmosphäre mochte, bekommt nun eine Serie, die deutlich stärker auf Selbstironie setzt. Erste Reaktionen auf den Trailer zeigen bereits diese Sollbruchstelle: Während einige Gaming-Medien die vielen Anspielungen hervorheben, kritisieren andere ausdrücklich, dass es nun eine Comedy geworden ist.

Das Problem: Eine alte Marke soll wiedererkennbar bleiben, darf aber nicht wie konservierte Software aus dem Jahr 1989 wirken. Kopiert man das Original zu genau, stellt sich die Frage, warum daraus überhaupt eine zehnteilige Serie werden muss. Entfernt man sich zu weit, bleibt irgendwann nur noch der bekannte Name auf der Verpackung. Für Shuji Utsumi ist „Golden Axe“ Teil eines wesentlich größeren Plans. Schon Ende 2023 kündigte SEGA neue Spiele zu „Crazy Taxi“, „Jet Set Radio“, „Shinobi“, „Streets of Rage“ und „Golden Axe“ an. Shuji Utsumi erklärte damals, das Unternehmen sei „digging into our legacy“ und wolle mehrere alte Marken für ein neues Publikum neu interpretieren.

Der Ausgangspunkt dafür war ausdrücklich der Erfolg, den SEGA mit Sonic außerhalb klassischer Videospiele erlebt hatte. Im April 2026 hat SEGA diese Richtung noch einmal sichtbarer gemacht. Unter dem Namen „SEGA Universe“ startete das Unternehmen ein Projekt, das ältere Marken bewusst über klassische Spiele hinaus weiterentwickeln soll. „Golden Axe“ ist dafür fast ein Testfall mit überschaubarem Risiko. Die Marke ist bekannt genug, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, aber nicht so allgegenwärtig, dass jede neue Frisur eines Charakters zum Internet-Notfall wird. Gleichzeitig besitzt die Welt genug wiedererkennbare Elemente für mehr als ein Produkt. Deshalb ist die Animationsserie auch interessanter, wenn man sie nicht isoliert betrachtet: SEGA versucht gerade, aus einem alten Arcade-Namen wieder eine aktive Entertainment-Marke zu machen.

Kommt nach der Serie das neue Spiel?

Parallel zur Serie existiert tatsächlich noch das von SEGA angekündigte neue „Golden Axe“-Spiel. Nachdem der Konzern 2026 sein wesentlich größeres „Super Game“-Projekt gestrichen hatte, bestätigte SEGA nach Angaben von Video Games Chronicle im Mai ausdrücklich, dass die bereits angekündigten Neuauflagen alter Marken weiterentwickelt werden. Dazu zählt auch „Golden Axe“. Einen endgültigen Titel oder Veröffentlichungstermin gibt es weiterhin nicht. Das Spiel soll nicht nur noch einmal erzählt, sondern als Marke gleichzeitig in mehreren Medien neu etabliert werden. Die Animationsserie hat inzwischen einen festen Starttermin, das neue Spiel noch nicht. Ob daraus tatsächlich ein zweites großes SEGA-Standbein neben Sonic entsteht, wäre deutlich zu früh behauptet. Aber nach Jahrzehnten, in denen „Golden Axe“ vor allem als Erinnerung an Arcades und Mega Drive funktionierte, wird wieder aktiv Geld, Personal und Aufmerksamkeit in die Marke gesteckt. „Golden Axe“ ist genau die Sorte 80er-Comeback, die interessanter ist als ein weiterer unveränderter Retro-Aufguss. Die Marke ist bekannt, aber nicht heilig.

Golden Axe | Official Trailer | Paramount+

Golden Axe | Official Trailer | Paramount+
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