The Police: Frieden, solange es nicht um Musik geht
Stewart Copeland über Sting: „Wir verstehen uns gut, solange es nicht um Musik geht“. Bei The Police wird es offenbar kompliziert, sobald Songs, Geld und alte Rollen ins Spiel kommen.
Stewart Copeland über Sting: „Wir verstehen uns gut, solange es nicht um Musik geht“. Bei The Police wird es offenbar kompliziert, sobald Songs, Geld und alte Rollen ins Spiel kommen.
Stewart Copeland hat wieder öffentlich über Sting gesprochen und dabei ziemlich genau erklärt, warum The Police bis heute so faszinierend kompliziert sind: Man verstehe sich gut, solange es nicht um Musik gehe. Stewart Copeland klingt damit nicht wie jemand, der einen alten Kollegen öffentlich zerlegen will. Eher wie jemand, der nach Jahrzehnten weiß: Privat kann man miteinander lachen. Sobald aber Songs, Studioentscheidungen, Credits oder Geld auf dem Tisch liegen, kommt bei The Police offenbar sehr schnell wieder der alte Puls hoch. Stewart Copeland hat laut NME erklärt, er und Sting kämen „great“ miteinander aus, solange sie nicht versuchten, gemeinsam Musik zu machen.
Der aktuelle Hintergrund ist ein Rechtsstreit um Tantiemen. Stewart Copeland und Andy Summers haben Sting und dessen Publishing-Firma vor Gericht gebracht, weil sie nach Berichten von NME und der BBC der Ansicht sind, dass ihnen weitere Zahlungen aus dem Katalog von The Police zustehen.
Es geht dabei nicht darum, ob Sting bei vielen großen Police-Songs offiziell als Autor geführt wird. Das ist bekannt. Es geht vielmehr um alte Absprachen, Arranger-Anteile und die Frage, wie Einnahmen aus Downloads und Streaming heute bewertet werden müssen.
Genau da wird aus Bandgeschichte plötzlich Gegenwart. Denn die Songs aus den späten 70ern und frühen 80ern laufen nicht nur im Radio, sondern verdienen auch im digitalen Musikmarkt weiter Geld. Sting soll bereits mehr als 800.000 Dollar an Stewart Copeland und Andy Summers gezahlt haben.
Der Streit ist damit aber offenbar nicht erledigt. Die Seite von Stewart Copeland und Andy Summers argumentiert, dass historische Unterzahlungen nicht vollständig ausgeglichen seien und dass mögliche Zinsen sowie weitere Ansprüche hinzukommen könnten. Sting wiederum bestreitet nach den Berichten, dass seine früheren Bandkollegen Anspruch auf bestimmte Einnahmen aus Streaming und Downloads hätten.
Schon diese juristische Frage zeigt, warum alte Bandverträge heute noch einmal explodieren können. Was Ende der 70er auf Papier stand, musste damals keine Welt erklären, in der Klassiker jahrzehntelang auf Spotify, Apple Music oder YouTube weiterlaufen.
Bei The Police ist die Sache besonders empfindlich, weil viele Fans die Songs nicht nur über die Melodie oder den Text erkennen. Sting schrieb zentrale Stücke, aber Stewart Copeland und Andy Summers prägten den Sound so stark, dass die alte Frage wieder aufpoppt: Wem gehört eigentlich ein Hit?
Dem, der die Akkorde, den Text und die Grundidee liefert? Oder auch denen, die daraus diesen einen Klang machen, der sofort wieder erkennbar ist? Bei "Every Breath You Take" ist diese Frage fast schon ein eigener Popkultur-Fall. Sting ist als Autor eng mit dem Song verbunden. Gleichzeitig ist das Gitarrenmotiv von Andy Summers so ikonisch, dass viele Hörerinnen und Hörer den Song schon nach wenigen Sekunden erkennen, bevor Sting überhaupt richtig im Bild ist. Und Stewart Copeland gab The Police ohnehin diesen nervösen, federnden Rhythmus, der nie wie Standardrock klang.
Stewart Copeland hat immer wieder betont, dass The Police musikalisch eine sehr spezielle Mischung waren. Sting brachte Songs und Pop-Instinkt mit, Andy Summers brachte eine untypische, oft fast flirrende Gitarrensprache in die Band, und Stewart Copeland spielte Schlagzeug, als würde er gleichzeitig antreiben, kommentieren und widersprechen.
Gerade deshalb wirkt der aktuelle Streit nicht wie ein isolierter Geldkonflikt. Er berührt die Grundspannung jeder großen Band: Wer wird wie sichtbar? Wer wird wie bezahlt? Und wer darf später erzählen, wie ein Song wirklich entstanden ist? Bei The Police kommt hinzu, dass die Gruppe zwar riesig erfolgreich war, aber menschlich nie wie eine Kuschel-WG ausgesehen hat. Man hört es der Musik nicht unbedingt als Streit an, aber man hört die Energie.
Genau deshalb ist die neue Aussage von Stewart Copeland so spannend. Stewart Copeland trennt das Private offenbar ziemlich klar vom Geschäftlichen. Stewart Copeland sagt, die Anwälte und Zahlenmenschen würden sich um die finanziellen Fragen kümmern, während er und Sting persönlich miteinander auskämen: Man muss sich nicht hassen, um sich vor Gericht zu streiten.
Man kann auch gemeinsam Geschichte geschrieben haben, sich heute respektieren und trotzdem sagen: Moment, diese Abrechnung klären wir bitte sauber. Sting hat das Thema The Police in der Vergangenheit selbst eher nüchtern betrachtet. Sting sagte 2021, er habe die Reunion von The Police 2007 im Rückblick bereut und als eine Art Nostalgieübung empfunden.
Auch das passt zum aktuellen Bild. Sting scheint musikalische Freiheit als Solokünstler höher zu bewerten als das alte Dreieck mit Stewart Copeland und Andy Summers. Für Fans kann das enttäuschend sein, weil The Police als Trio eine einzigartige Spannung hatten. Für Sting war genau diese Spannung aber offenbar irgendwann eher Begrenzung als Antrieb.
Der kleine Seitenarm dieser Geschichte führt ausgerechnet in die Welt von "Spyro". Stewart Copeland hat nicht nur mit The Police Musikgeschichte geschrieben, sondern später auch Musik für Videospiele komponiert. Besonders seine Soundtracks für die frühen "Spyro"-Spiele wurden für eine ganz andere Generation wichtig. Nach dem Ende der großen Police-Zeit war Stewart Copeland nicht einfach nur der Drummer von Stings alter Band, sondern ein Komponist, der Film, Fernsehen, Orchester und Gaming ernst nahm. Stewart Copeland hat nun bestätigt, dass er nicht für den Soundtrack des neuen Spiels "Spyro: A Realm Beyond" zurückkehren wird. Gegenüber The Independend sagte Stewart Copeland, so etwas passiere eben: Eine neue Generation wolle einen neuen Sound, man müsse modernisieren.
Stewart Copeland, Sting und Andy Summers zeigen, wie lebendig der Katalog von The Police geblieben ist. Die Musik arbeitet weiter. Und wo Musik weiter arbeitet, fließt Geld. Genau deshalb landen Verträge aus einer anderen Zeit plötzlich wieder vor Gericht.
Der 80er-Hit ist nicht einfach ein Erinnerungsstück, sondern ein wirtschaftlicher Gegenstand, der im Digitalmarkt neu bewertet wird. Stewart Copeland liefert mit seinem Satz über Sting also die perfekte Überschrift zu einem größeren Thema.
The Police waren eine Band, deren Magie aus Spannung entstand. Heute ist diese Spannung nicht mehr im Studio zu hören, sondern in Aussagen, Anwaltsschreiben und Tantiemenmodellen.
Das ist aber die Wahrheit hinter vielen Klassikern. Musikgeschichte endet nicht, wenn die letzte Tour vorbei ist. Manchmal beginnt dann erst der lange Teil mit Verträgen, Katalogwerten und der Frage, wer rückblickend wie viel beigetragen hat.
Ihr habt schon mal zu "Every breath you take" auf dem Sofa gekuschelt? Oder lief der Klassiker von The Police vielleicht auf Eurer Hochzeit? Alle, für die dieses Lied einfach nur herrlich romantisch ist, müssen jetzt ganz stark sein. Warum? Das verrate ich Euch in dieser Folge.
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