Reinhold Heil öffnet die Schubladen
Reinhold Heil veröffentlicht ein englischsprachiges Soloalbum, das rund 30 Jahre lang unveröffentlicht blieb. Ein verspäteter Release, der mehr erzählt als nur eine alte Studiogeschichte.
Reinhold Heil veröffentlicht ein englischsprachiges Soloalbum, das rund 30 Jahre lang unveröffentlicht blieb. Ein verspäteter Release, der mehr erzählt als nur eine alte Studiogeschichte.
Reinhold Heil veröffentlicht am 3. Juli 2026 „The Electric Heidiland“, sein erstes englischsprachiges Soloalbum. Das rund 30 Jahre alte Album macht eine bislang unveröffentlichte Phase zwischen Popgeschichte und Filmmusik hörbar. Es gibt wohl eine Schublade von Reinhold Heil: Darin lag offenbar ein komplettes englischsprachiges Soloalbum. Rund 30 Jahre später wird „The Electric Heidiland“ nun veröffentlicht. Für einen Musiker, der mit Spliff, der Nina Hagen Band und Produzent für Nena ohnehin schon mehrere Kapitel deutscher Popgeschichte mitgeschrieben hat, ist das keine kleine Fußnote.
Reinhold Heil veröffentlicht „The Electric Heidiland“ am 3. Juli 2026. Das ist sein erstes englischsprachiges Soloalbum, das bereits vor rund 30 Jahren entstanden ist. Damit kommt ein Werk ans Licht, das zeitlich irgendwo zwischen dem deutschen Pop- und Rock-Erbe von Reinhold Heil und seiner späteren internationalen Karriere als Film- und Fernsehmusikkomponist steht.
In den 80ern prägte Reinhold Heil den Sound von Spliff, arbeitete an Songs wie „Carbonara“ und „Das Blech“ mit und war Teil einer Band, die zwar oft in die Nähe der Neuen Deutschen Welle geschoben wurde, sich dort aber nie besonders gemütlich eingerichtet hat. Seine Meinung zur NDW hat er uns im Interview beschrieben, das könnt Ihr hier anhören.
Reinhold Heil hatte diese englischsprachige Soloarbeit offenbar schon in den Neunzigern fertig, doch das Projekt blieb unveröffentlicht. Reinhold Heil wollte Mitte der Neunziger als Solokünstler starten, hatte ein englischsprachiges Album fertig, stieß damit aber bei der Plattenfirma auf Desinteresse. Genau dieser Punkt macht „The Electric Heidiland“ jetzt spannend. Das Album erzählt nicht nur von Songs, die lange niemand hören konnte. Es erzählt auch von einem Musikbetrieb, der manchmal hart abwiegelt. Rückblickend schwer zu verstehen, denn die Songs sind modern, experimentell und vollkommen von den 80ern gelöst.
Und wenn man zum Beispiel den Song „Bad Girl Bad“ hört, erkennt man auch ein kommerzielles Potential. Reinhold Heil wechselte nach dieser Phase immer stärker in die Filmwelt. Gemeinsam mit anderen Komponisten schrieb Reinhold Heil Musik für viele Arbeiten von Tom Tykwer, darunter „Lola rennt“ und „Das Parfüm“. Trotzdem bleibt bei „The Electric Heidiland“ die Frage hängen, was aus Reinhold Heil als englischsprachigem Solokünstler geworden wäre, wenn dieses Album damals nicht in der Schublade verschwunden wäre.
Reinhold Heil veröffentlicht „The Electric Heidiland“ im Jahr 2026, aber das Album ist kein neues Album im klassischen Sinne. Genau daraus entsteht der Konflikt. Wie bewertet man Musik, die vor 30 Jahren entstanden ist, aber erst jetzt regulär in die Welt kommt? Als Archivfund? Als Debüt? Als Zeitkapsel? Als verspätete Korrektur? Bei Reinhold Heil ist wahrscheinlich alles ein bisschen richtig. „The Electric Heidiland“ dürfte weniger wie ein Blick zurück aus reiner Sentimentalität funktionieren, sondern eher wie ein fehlendes Puzzleteil in einer Karriere, die ohnehin nie sauber linear war.
Reinhold Heil hat erst 2025 mit „Freiheit Geilheit Männlichkeit“ sein erstes umfassendes deutschsprachiges Soloalbum veröffentlicht. „The Electric Heidiland“ wirkt nun wie die andere Seite dieser Geschichte. Zusammen ergeben beide Veröffentlichungen ein ungewöhnliches Doppelbild von Reinhold Heil: einmal Gegenwart mit Rückblick, einmal Vergangenheit mit Gegenwartsdatum.
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