Spliff (1983)
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Spliff (1983)
27.06.2026

Als die NDW ihren Tiefgang verlor

Happy Birthday, „Déjà Vu“: Im Sommer 1982 liefern Spliff noch einmal einen düsteren, nachdenklichen Moment in der NDW, bevor es danach mit voller Wucht in den Mainstream geht.

Fehlfarben mit Ein Jahr (Es geht voran)

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Der Moment, in dem Spliff zeigen, dass sie mehr können als NDW-Ohrwürmer

Im Juli 1982 erscheint mit „Déjà Vu“ ein Song, der heute fast ein bisschen im Schatten der großen Spliff-Hits steht. Während „Carbonara“ und später „Das Blech“ die Charts stürmen, bleibt „Déjà Vu“ vergleichsweise zurückhaltend unterwegs. Und genau das macht ihn rückblickend so spannend: Es ist der Moment, in dem Spliff zeigen, dass sie mehr können als NDW-Ohrwürmer.

Nina Hagen Band:Manfred Praeker, Herwig Mitteregger, Nina Hagen, Bernhard Potschka & Reinhold Heil (1979)
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Nina Hagen Band:Manfred Praeker, Herwig Mitteregger, Nina Hagen, Bernhard Potschka & Reinhold Heil (1979)

Von der Nina Hagen Band zu Spliff

Die Entstehungsgeschichte führt direkt zurück zur Nina Hagen Band. Bevor Spliff überhaupt unter eigenem Namen durchstarten, sind die Musiker – Reinhold Heil, Manfred „Manne“ Praeker, Bernhard Potschka und Herwig Mitteregger – die kreative Basis hinter Nina Hagen. Und diese Phase ist entscheidend: musikalisch wie politisch.

Nina Hagen selbst kommt aus der DDR und verlässt das Land 1976 nach der Ausbürgerung ihres Stiefvaters Wolf Biermann. In Westberlin entsteht dann die Nina Hagen Band – ein explosiver Mix aus Punk, Rock, Theater und musikalischer Virtuosität. Zwei Alben, „Nina Hagen Band“ (1978) und „Unbehagen“ (1979), prägen die Szene nachhaltig. Doch es kracht: künstlerische Differenzen führen zur Trennung. Die Band macht ohne Nina Hagen weiter – und wird zu Spliff.

Schnell wird klar, dass der eigentliche Durchbruch im Windschatten der Neuen Deutschen Welle kommen soll. Mit dem Album „85555“ (1982) gelingt genau das – und „Déjà Vu“ entsteht mitten in dieser kreativen Hochphase. Der Song zeigt, wie sehr Spliff von ihrer Vergangenheit profitieren.

Anders als viele NDW-Acts sind sie keine Amateurbewegung, sondern ausgebildete, erfahrene Musiker. „Déjà Vu“ klingt deshalb internationaler, komplexer, fast schon elegant. Statt einfacher Hooks setzt der Track auf Atmosphäre, auf dieses schwebende Gefühl von Wiederholung und Erinnerung, das schon im Titel steckt.

„Déjà Vu“ wird von Herwig Mitteregger gesungen. Er war bei Spliff nicht nur Drummer, sondern auch einer der markanten Sänger der Band – mit dieser leicht kühlen, distanzierten Stimme, die perfekt zu dem Song passt, singt er: „Wir war'n so hungrig, wir war'n so kalt - Wir wollten nie zurück - Und jetzt treiben wir rum auf dem toten Schiff - Und warten bis die Zeit vergeht“.

Spliff: Bernhard Potschka, Reinhold Heil, Herwig Mitteregger & Manfred Praeker (1984)
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Spliff: Bernhard Potschka, Reinhold Heil, Herwig Mitteregger & Manfred Praeker (1984)

Weit weg vom NDW-Klamauk

Textzeilen, die sich im Kopf festsetzen. So dystopisch, fast verängstigend. Produktion und Arrangement sind präzise gebaut, fast kühl – ein klarer Unterschied zu den oft bewusst simplen NDW-Nummern der Zeit. Man hört Einflüsse von Art-Pop und New Wave, eher Roxy Music als reiner NDW-Klamauk. Überhaupt ist es bemerkenswert, wie es Spliff gelingt, in einem klassischen Band-Setup einen derart modernen Sound zu erzeugen. Die sparsam eingesetzte E-Gitarre und die dominanten Synth-Flächen wirken erstaunlich futuristisch. Trotzdem: Der große Hit bleibt aus. Während „Carbonara“ die Top 5 erreicht und später „Das Blech“ nachlegt, landet „Déjà Vu“ nur im unteren Chartbereich. Für Spliff ist das kein Rückschritt, sondern eher ein Nebenstrang ihres Könnens – einer, der heute oft neu entdeckt wird.

Schon vor „Déjà Vu“ hatte die NDW ihre nachdenkliche Seite: Songs wie „Blaue Augen“ von Ideal (1980), „Ein Jahr (Es geht voran)“ von Fehlfarben (1980) oder „Eisbär“ von Grauzone (1981) stehen für eine kühle, oft distanzierte Grundstimmung, geprägt von Großstadtgefühl, Leere und unterschwelliger Melancholie. Auch Joachim Witt bringt mit „Goldener Reiter“ (1981) eine ernste, fast beklemmende Perspektive in die Bewegung. Diese Stücke zeigen, dass die NDW anfangs mehr war als schräge Pop-Spielerei – und bilden den Boden, auf dem Spliff mit „Déjà Vu“ (1982) ihre elegantere, internationalere Variante dieses Sounds entwickeln konnten.

„Déjà Vu“ kommt genau im richtigen Moment – oder vielleicht im falschen. Als die NDW sich gerade in Richtung Massentauglichkeit bewegt, setzen Spliff noch einmal auf Tiefe statt Gag, auf Atmosphäre statt schnellen Hit. Der große Chart-Erfolg bleibt aus, doch genau darin liegt heute seine Stärke: „Déjà Vu“ wirkt weniger wie ein Produkt seiner Zeit, sondern wie ein Song, der sich ihr bewusst entzieht. Vielleicht ist er deshalb nicht der größte Hit der Band – aber einer ihrer nachhaltigsten.

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Spliff - Carbonara (live 1982)

Spliff - Carbonara (live 1982)
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