David Bowie (1983)
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David Bowie (1983)
10.01.2026

10. Todestag von Bowie: Ein Künstler, der nie stehen blieb

Zehn Jahre nach seinem Tod begleitet uns David Bowie noch immer im Alltag. Seine Songs tauchen wieder auf, verändern ihren Kontext und funktionieren weiter, weil sie nie aus der Zeit gefallen sind.

David Bowie mit New Killer Star

BOWIE

BOWIE

David Bowie gehört bei 80s80s zum festen Programm. Jeden Tag. Und wir haben sogar ein Radio, wo den ganzen Tag die Musik von Bowie läuft. Jetzt hier einschalten!


Es läuft:
David Bowie mit New Killer Star
David Bowie - "Lazarus"
David Bowie - "Lazarus"

Bowie hat seinen Abschied musikalisch geregelt. Ohne große Gesten.

Am 8. Januar 2016 erschien „Blackstar“, zwei Tage später starb David Bowie im Alter von 69 Jahren an Krebs. Trotz dieser zeitlichen Nähe hört sich das Album nicht nach Rückblick oder Abschied an. Es wirkt vielmehr wie ein Momentbild. Musik aus genau dieser Phase. Keine letzten Worte, keine Zusammenfassung. Einfach Bowie im Jahr 2016.

Die Songs bleiben bewusst offen. Jazz schiebt sich kurz nach vorn, macht wieder Platz, Rhythmen geraten ins Wanken, Melodien tauchen auf und verschwinden, bevor man sich an ihnen festhalten kann. Große Popgesten gab es auf "Blackstar" kaum noch. Bowies Stimme steht ruhig im Zentrum, kontrolliert, klar, ohne Drama. Er erklärt nichts. Er kommentiert nichts.

Für viele, die David Bowie aus den 80s kennen, ist das weniger überraschend, als es auf den ersten Blick wirkt. Bowie hatte Pop längst verstanden. Er wusste, wie Zugänglichkeit funktioniert. „Blackstar“ nutzt dieses Wissen, ohne es noch einmal vorzuführen. Das Album ist kein Bruch mit früheren Erfolgen, sondern das, was danach möglich wurde.

David Bowie - Let's Dance (Official Video)
David Bowie - Let's Dance (Official Video)

Die großen Bowie Hits der 80s waren Teil eines größeren Plans

David Bowies 80er-Jahre werden oft auf Schlagworte reduziert: große Hits, glatter Sound, MTV. Tatsächlich hat Bowie diese Phase sehr bewusst gestaltet. „Let’s Dance“ war kein Ausrutscher, sondern ein klarer Schnitt. Mit Nile Rodgers holte er sich jemanden ins Studio, der Funk, Pop und Clubkultur verstand und Songs bauen konnte, die weltweit funktionieren. Das Ergebnis war kein Kompromiss, sondern ein präzise gemachtes Popalbum, das Bowie zurück ins Zentrum der Popmusik brachte.

Gleichzeitig dachte er Musik, Bild und Öffentlichkeit zusammen. Die Videos zu „Let’s Dance“ oder „China Girl“ liefen in Dauerschleife auf MTV, Bowie nutzte Mode, Styling und Performance gezielt mit. Er wurde sichtbarer als je zuvor, ohne dabei die Zügel aus der Hand zu geben. Auch spätere 80er-Alben wie „Tonight“ oder „Never Let Me Down“ zeigen diesen Zugriff: David Bowie wollte wissen, wie Pop in dieser Zeit klingt, aussieht und verbreitet wird.

Dieses Wissen war entscheidend für alles, was danach kam. Als Bowie in den 90ern mit „Outside“ bewusst wieder in sperrigere Räume ging, tat er das mit dem Erfahrungsschatz eines Künstlers, der das Pop-Mainstream-Spiel von innen kannte. Auch „The Next Day“ und „Blackstar“ profitieren davon: reduzierte Öffentlichkeitsarbeit, kontrollierte Bilder, klare Entscheidungen, was gesagt wird und was nicht. Die Freiheit der späten Jahre fällt nicht vom Himmel. Sie ist das Ergebnis dessen, was David Bowie sich in den 80ern erarbeitet hat.

Heute schon für den 80s80s Countdown abgestimmt?

David Bowie - Ashes To Ashes (Official Video)
David Bowie - Ashes To Ashes (Official Video)

Bowie bleibt präsent, weil seine Songs weiterwandern.

Zehn Jahre nach seinem Tod ist David Bowie nicht deshalb sichtbar, weil man ihn zurückholt, sondern weil seine Musik immer wieder neue Orte findet. Seine Songs funktionieren nicht nur im Originalkontext. Sie tauchen in Filmen, Serien, Playlists oder im Radio auf und wirken dort nicht fremd.

Bowie hat seine Musik nie auf eine feste Rolle festgelegt. Wechsel, Brüche und neue Lesarten waren von Anfang an Teil des Konzepts.

Das zeigt sich besonders bei Songs aus den 70ern und 80ern. „Heroes“ ist längst mehr als ein Song über Berlin. Er funktioniert als Soundtrack für sehr unterschiedliche Situationen, ohne seine Spannung zu verlieren.

„Ashes to Ashes“ bleibt rätselhaft genug, um nicht festgenagelt zu werden. Und selbst ein Welthit wie „Let’s Dance“ trägt mehr in sich als reinen Popmoment: Rhythmus, Haltung & Ironie.

Songs von David Bowie sind einfach niemals schlecht gealtert.

David Bowie - "Heroes" (Official Video) [HD]
David Bowie - "Heroes" (Official Video) [HD]

Bowie wurde nie bequem und genau das hält ihn präsent.

David Bowie war nie dafür gedacht, als Wohlfühlfigur zu funktionieren. Auch nicht für die Fans, die mit seiner Musik in den 80ern aufgewachsen sind. Selbst die zugänglichsten Songs tragen immer eine leichte Unruhe in sich. Etwas, das stört, kippt oder offen bleibt. Bowie hat es seinen Hörern nie zu einfach gemacht und genau das sorgt dafür, dass seine Musik nicht stehen bleibt.

Der 10. Todestag ist deshalb kein Schlussstrich, sondern eher eine weitere Einladung, noch einmal genauer hinzuhören. Die 80er spielen dabei keine Nebenrolle, sondern stehen im Zentrum. Dort lernte David Bowie, wie Pop groß wird und wie man sich später wieder davon löst. „Blackstar“ markiert am Ende keinen Abgesang, sondern den letzten Stand dieser Bewegung. Bowie ist nicht mehr da. Die Musik allerdings wird ziemlich sicher auch in 100 Jahren noch gehört.

Rest in Peace, Legend! 🖤

Folge 190 | 08.12.2025 | 7:07

David Bowie - Let’s Dance

Ein schlafender Produzent, ein Superstar und eine Idee, die zunächst völlig verpufft. Wie David Bowie und Nile Rodgers Anfang ’82 am Genfer See doch noch zufällig den Sound finden, der beide aus ihren Sackgassen holt, hört ihr in dieser Folge.

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