Das Erbe von Prince lebt doppelt weiter
The Legacy – Im Vault von Prince Rogers Nelson liegen Songs und Projekte, die erst nach seinem Tod erscheinen. Zugleich zeigen aktuelle Künstler, wie stark er Musik, Haltung und Anspruch prägt.
The Legacy – Im Vault von Prince Rogers Nelson liegen Songs und Projekte, die erst nach seinem Tod erscheinen. Zugleich zeigen aktuelle Künstler, wie stark er Musik, Haltung und Anspruch prägt.
Zum 10. Todestag von Prince feiert 80s80s den Ausnahmekünstler, der die 80er prägte wie kaum ein anderer: Multitalent, Chartstürmer und Rebell. Von „Purple Rain“ bis "Sign o’ the Times". Jetzt hier 80s80s PRINCE einschalten!
Prince Rogers Nelson hinterließ tausende unveröffentlichte Songs im legendären Vault in Paisley Park. Dieses Archiv ermöglicht bis heute neue Releases – und macht den Künstler wirtschaftlich präsent, während gleichzeitig sein künstlerischer Anspruch neu interpretiert wird. Es ist eine dieser Geschichten, die zu gut klingt, um wahr zu sein: Ein Tresor voller Songs, tausende Aufnahmen, fertige Tracks, Skizzen, Ideen. Und mittendrin das Werk von Prince, das nach seinem Tod plötzlich wieder wächst. Kein Comeback, kein künstlicher Hype – sondern Material, das einfach schon da war. Der Vault ist kein Mythos, sondern Realität. Und er sorgt dafür, dass Prince auch 2026 nicht wie ein Künstler aus der Vergangenheit wirkt, sondern wie jemand, der gerade erst wieder auftaucht. Das fühlt sich manchmal fast unheimlich an.
Wer sich mit Prince Rogers Nelson beschäftigt, merkt schnell: Dieser Konflikt ist nicht neu. Schon in den 80ern und 90ern war Prince jemand, der permanent mehr Musik produzierte, als er veröffentlichte. Ganze Alben verschwanden wieder, Songs wurden zurückgehalten, Projekte gestoppt. Gleichzeitig stand er unter enormem Druck, regelmäßig Hits zu liefern. Das Spannende daran: Prince hat diesen Widerspruch selbst gelebt. Er wollte maximale Kontrolle, aber auch maximale Präsenz. Er wollte entscheiden, was rausgeht – und was nicht. Der Vault war damals kein Marketinginstrument, sondern ein Schutzraum für Ideen, die entweder noch nicht fertig waren oder nie veröffentlicht werden sollten. Heute ist genau dieser Ort zum Zentrum seines Nachruhms geworden.
Nach dem Tod von Prince Rogers Nelson im Jahr 2016 dauerte es nicht lange, bis erste Archivelemente veröffentlicht wurden. Mit der Compilation "4Ever" tauchte erstmals ein echter Vault-Track auf: "Moonbeam Levels". Ein vorsichtiger Anfang, fast wie ein Test. Kurz darauf folgte mit "Piano & A Microphone 1983" eine Veröffentlichung, die näher kaum sein konnte. Nur Stimme, nur Klavier, keine Produktionstricks. Prince so roh wie selten.
Das war kein klassisches Album, sondern eher ein Blick hinter den Vorhang. Parallel zeigte sich aber auch schnell, dass der Umgang mit dem Erbe kompliziert werden würde. Die EP "Deliverance" wurde nach kurzer Zeit wieder gestoppt – ein Rechtsstreit machte klar, dass nicht nur Musik im Vault lag, sondern auch Konfliktpotenzial. Spätestens ab 2019 änderte sich die Strategie rund um Prince deutlich.
Mit "1999 Super Deluxe Edition" und später "Sign o’ the Times Super Deluxe Edition" wurde der Vault zum zentralen Bestandteil großer Reissues. Hier ging es nicht mehr nur um einzelne Songs, sondern um ganze Archive. Dutzende unveröffentlichte Tracks, alternative Versionen, Live-Material. Für Fans ein Schatz. Für das Estate auch ein klarer wirtschaftlicher Hebel.
Prince wird dadurch zu einem Künstler, der posthum neue Releases hat – ein Modell, das in der Musikindustrie immer wichtiger wird. Und genau hier wird es spannend: Der Vault ist nicht mehr nur Archiv, sondern Produkt.
Der vielleicht deutlichste Moment in dieser Entwicklung kam 2021 mit "Welcome 2 America". Ein komplettes, fertiges Album von Prince, aufgenommen 2010 – aber nie veröffentlicht. Warum? Diese Frage bleibt offen. Und genau darin liegt die Brisanz.
Wenn ein Künstler wie Prince ein fertiges Album nicht veröffentlicht, dann ist das eine bewusste Entscheidung. Diese Entscheidung wurde nach seinem Tod revidiert. Damit verschiebt sich die Perspektive. Der Vault zeigt nicht nur, was Prince geschaffen hat – sondern auch, was er bewusst zurückgehalten hat. Der Vault umfasst längst nicht nur Musik.
Mit Veröffentlichungen wie "Prince and The Revolution: Live" wird klar, dass auch visuelles und performatives Material Teil dieses Archivs ist. Konzerte, Mitschnitte, Filmaufnahmen – das Gesamtbild von Prince wird erweitert. Genau hier liegt der Kern des ganzen Themas. Früher war es einfach: Prince Rogers Nelson hat entschieden. Heute übernehmen das Nachlassverwalter, Produzenten, Labels. Sie müssen einschätzen, was veröffentlicht wird – und was nicht.
Das Problem: Es gibt keine klare Antwort darauf, was Prince gewollt hätte. Jede Veröffentlichung ist zwangsläufig eine Interpretation. Und damit auch ein Risiko.
Der Moment, in dem alles begann. Als Prince 2016 stirbt, stellt sich sofort die Frage: Was passiert mit all der Musik, die nie veröffentlicht wurde? Die Antwort kommt schnell – mit dem Best-of-Album „4Ever“. Darauf findet sich mit „Moonbeam Levels“ der erste Song aus dem legendären Vault. Für Fans ist das mehr als nur ein Bonus-Track. Es ist das Signal: Der Tresor wird geöffnet.
Der erste Streit Ein Jahr später wird es direkt kompliziert. Mit „Deliverance“ erscheint eine EP mit sechs unveröffentlichten Songs von Prince. Doch die Veröffentlichung verschwindet fast so schnell wieder, wie sie gekommen ist. Der Grund: ein Rechtsstreit. Das zeigt früh, dass es beim Erbe von Prince nicht nur um Musik geht, sondern auch um Kontrolle.
Prince ganz pur. Hier wird es plötzlich sehr intim. Diese Veröffentlichung zeigt Prince nur mit Klavier und Stimme – aufgenommen 1983. Das ist weniger ein fertiges Album – und mehr ein Blick hinter die Kulissen.
Die Hits, bevor sie Hits wurden. Viele wissen: Prince hat nicht nur eigene Songs geschrieben, sondern auch Hits für andere. „Originals“ zeigt genau das. Hier gibt es seine Versionen von Songs, die später durch andere Künstler berühmt wurden – etwa bei Sinéad O’Connor oder The Bangles. Der Effekt ist faszinierend: Plötzlich erkennt man bekannte Songs wieder – nur eben in ihrer ursprünglichen Form.
Mit dieser Veröffentlichung wird klar, wie viel Material wirklich existiert. Die erweiterte Version von „1999“ enthält gleich 35 unveröffentlichte Songs. Der Vault ist nicht mehr nur Ergänzung – sondern das eigentliche Highlight. Für viele Fans fühlt sich das fast wie ein neues Album aus den 80ern an.
Ein Jahr später wird es noch größer. Die Deluxe-Version von „Sign o’ the Times“ geht noch tiefer ins Archiv von Prince. Neben Songs gibt es alternative Versionen, Proben und Live-Material. Das ist fast wie eine Zeitreise zurück ins Studio.
Diese Veröffentlichung ist besonders spannend. „Welcome 2 America“ ist ein komplett fertiges Album aus dem Jahr 2010 – das Prince nie veröffentlicht hat. Eine bewusste Entscheidung, es zurückzuhalten… Warum? Das weiß heute niemand mehr. Aber genau hier wird der Konflikt rund um den Vault besonders deutlich.
Der Vault enthält nicht nur Songs, sondern auch Konzertmitschnitte. Mit „Prince and The Revolution: Live“ wird ein Auftritt aus dem Jahr 1985 veröffentlicht – inklusive Bild und Ton.
Inzwischen läuft das Ganze fast routiniert. Neue Deluxe-Versionen, neue Archiv-Veröffentlichungen, immer wieder neues Material. Zum Beispiel mit erweiterten Versionen von „Diamonds and Pearls“. Der Vault ist kein einmaliges Ereignis mehr – sondern ein dauerhafter Teil des Prince-Kosmos.
Als aktuelle Ergänzung zum Thema Vault passt der Streit um Patricia „Apollonia“ Kotero ziemlich gut, weil er zeigt, dass das Erbe von Prince eben nicht nur aus Songs, Boxsets und Archivfunden besteht, sondern auch aus handfesten Machtfragen. Patricia „Apollonia“ Kotero ist eine US-Sängerin, Schauspielerin und Model, die Mitte der 80er durch Prince bekannt wurde. Ihren größten Durchbruch hatte Apollonia 1984 im Film "Purple Rain", in dem Patricia „Apollonia“ Kotero die weibliche Hauptrolle spielte.
Der Name „Apollonia“ stammt direkt aus diesem Prince-Kosmos und wurde danach auch zum Künstlernamen von Patricia „Apollonia“ Kotero. Parallel zum Film war Patricia „Apollonia“ Kotero Mitglied der von Prince aufgebauten Gruppe Apollonia 6. Prince schrieb und produzierte die Musik für Apollonia 6 und machte Apollonia damit zu einem festen Teil seiner 80er-Welt. Für viele Fans steht Apollonia bis heute eng für die große "Purple Rain"-Ära von Prince.
Das Estate von Prince hatte 2025 versucht, Markenrechte rund um den Namen „Apollonia“ zu sichern, dagegen ging Patricia „Apollonia“ Kotero vor Gericht, und Anfang 2026 legte Apollonia noch einmal nach. In neuen Unterlagen erklärt Apollonia, Prince habe kurz vor seinem Tod ausdrücklich gewollt, dass sie den Namen weiter nutzt, während das Estate den eigenen Kurs als Schutz von Vermögen und Vermächtnis darstellt. Die zentrale Frage bleibt: Wer bewahrt hier eigentlich nur das Erbe von Prince – und wer bestimmt längst neu darüber?
Genau an dieser Stelle endet das Erbe von Prince aber nicht – sie verschiebt sich nur. Denn während im Vault entschieden wird, welche Songs heute noch ans Licht kommen, passiert parallel etwas ganz anderes: Künstler auf der ganzen Welt erklären selbst, warum Prince für sie bis heute Maßstab ist. Nicht als nostalgische Referenz, sondern als konkrete Orientierung für das eigene Arbeiten.
Und plötzlich geht es nicht mehr um das, was im Archiv liegt, sondern um das, was draußen längst weiterlebt. Denn wenn Musiker wie Bruno Mars, Alicia Keys oder André Benjamin über Prince sprechen, dann reden sie nicht über Vergangenheit. Sie reden über Einfluss, über Haltung – und darüber, warum Prince auch ohne neue Songs immer noch präsent ist. Prince beeinflusst bis heute Künstler weltweit, von Pop bis Hip-Hop. Acht belegbare Stimmen zeigen, wie stark dieser Einfluss wirkt – und warum Prince nicht nur Sound, sondern künstlerische Haltung geprägt hat.
Wenn Ihr heute neue Songs hört, taucht der Name Prince oft indirekt auf. Nicht als Sample, nicht als Cover – sondern als Haltung. Der Sound lebt weiter, klar. Aber spannender ist, was andere Künstler selbst sagen. Schon zu Lebzeiten war Prince kein typischer Popstar. Multiinstrumentalist, Produzent, Performer, Kontrollfreak – alles gleichzeitig. Und genau das taucht in den Aussagen anderer Künstler wieder auf. Prince war nicht nur erfolgreich, sondern schwer einzuordnen. Genau deshalb eignet er sich heute perfekt als Referenzpunkt für Künstler, die mehr wollen als Charts.
Für Bruno Mars ist die Sache eindeutig. Bei den Grammys 2017 sagt Bruno Mars: „Prince is the reason why I do music.“ Ein klares Bekenntnis. Bruno Mars übernimmt nicht nur Elemente wie Funk oder Performance, sondern die komplette Idee von Bühne und Präsenz. Wer sich Auftritte von Bruno Mars anschaut, erkennt schnell, dass hier jemand bewusst in der Tradition von Prince arbeitet. Zwei Dinge sind dabei entscheidend: die Energie auf der Bühne und die Kontrolle über das eigene Produkt. Für Bruno Mars ist Prince kein Einfluss – sondern Ausgangspunkt.
Für Alicia Keys ist genau das der Fall. Bei den BET Awards 2016 beschreibt Alicia Keys den Einfluss von Prince so: „Prince was a true original… he changed the world.“ Damit meint Alicia Keys nicht nur Songs oder Alben wie „Purple Rain“, sondern eine komplette künstlerische Haltung. Alicia Keys sieht in Prince einen Künstler, der sich nie angepasst hat. Für viele Musiker ist genau das entscheidend: nicht der Sound, sondern die Konsequenz.
Abel Tesfaye, bekannt als The Weeknd, formuliert den Einfluss von Prince persönlicher. Bei den Billboard Awards sagt Abel Tesfaye: „He was very close to me, and he will always be an inspiration.“ Abel Tesfaye positioniert Prince nicht als unerreichbares Idol, sondern als Bezugspunkt. Gerade in seinem Sound – tauchen immer wieder Elemente auf, die an Prince erinnern. Entscheidend ist hier weniger das Zitat als die Haltung dahinter: Nähe statt Nostalgie.
Ahmir Thompson, besser bekannt als Questlove von The Roots, bringt eine andere Perspektive ein. Er sagt über Prince: „Prince was the last of the greats.“
Einer der letzten Großen, schön gesagt. Questlove gilt als einer der wichtigsten Musikkenner der Gegenwart. Für Ahmir Thompson steht Prince am Ende einer Generation, in der Künstler noch alles selbst gemacht haben – schreiben, produzieren, performen. Diese Art von Komplettkünstler wird heute seltener. Und genau deshalb wirkt Prince rückblickend fast wie ein Ausreißer.
Justin Timberlake hat Prince nicht nur zitiert, sondern inszeniert. Beim Super Bowl 2018 tritt Justin Timberlake in Minneapolis auf und performt „I Would Die 4 U“ gemeinsam mit einer Projektion von Prince. Ein direktes Zitat braucht es hier nicht. Die Handlung spricht für sich. Justin Timberlake stellt sich bewusst in die Tradition von Prince – auf der größten Bühne der Welt. Gleichzeitig wird der Auftritt kritisch diskutiert, weil Prince solche digitalen Inszenierungen zu Lebzeiten abgelehnt hatte. Genau hier zeigt sich: Das Erbe von Prince ist nicht nur Inspiration, sondern auch Konflikt.
Auch in Deutschland ist der Einfluss von Prince spürbar. Das zeigt auch Dirk Darmstaedter, Sänger der Hamburger Popband The Jeremy Days, die Ende der 80er mit Songs wie "Brand New Toy" bekannt wurde und damals zu den markanten deutschen Gitarrenpop-Bands gehörte. In Interviews mit 80s80s beschreibt Dirk Darmstaedter Prince als einen Künstler, der gezeigt habe, dass Pop nicht nur eingängig, sondern auch eigenständig und kompromisslos sein kann: „Prince hat immer nur das gemacht, was bei ihm so gerade reinlief“. Gerade für Musiker wie Dirk Darmstaedter, die in den späten 80ern zwischen Melodie, Haltung und internationalem Anspruch ihren eigenen Stil suchten, war Prince damit mehr als nur ein Star aus den USA. Dirk Darmstaedter hebt besonders hervor, dass Prince nie einfach Trends hinterherlief, sondern konsequent seine eigene künstlerische Linie durchzog: „Für mich war Prince immer einer der Größten.“
Für Katharina Franck von Rainbirds ist Prince der wichtige Star ihrer 80er. In Gesprächen mit 80s80s betont Katharina Franck: „Ich war ein riesiger Prince-Fan.“ Katharina Franck war bei zwei Konzerten: „ich hatte das Gefühl, er singt nur für mich. Der sieht mich, obwohl ich da in der Masse stehe – und die gesamte Performance ist tatsächlich für mich.“ Die Rainbirds haben später auch mit Musikern aus dem Prince and The Revolution-Umfeld im Studio gearbeitet.
Auch im HipHop taucht Prince als Referenz auf. André Benjamin, bekannt als André 3000 von OutKast, sagt: „Prince was one of my heroes.“ Ein kurzer Satz, aber mit viel Bedeutung. André Benjamin steht selbst für Genre-Mischung, visuelle Konzepte und künstlerische Freiheit. Genau diese Elemente finden sich auch bei Prince. Der Einfluss geht also weit über Pop oder Funk hinaus. André Benjamin zeigt, dass Prince auch im HipHop als Vorbild funktioniert – nicht wegen einzelner Songs, sondern wegen der gesamten Haltung.
Wenn man diese acht Perspektiven zusammenlegt, ergibt sich ein klares Bild. Prince wird nicht nur als Musiker erinnert, sondern als Maßstab. Acht Stimmen, acht Perspektiven – aber ein gemeinsamer Nenner: Prince Rogers Nelson ist kein abgeschlossenes Kapitel. Sein Erbe lebt weiter.