80s80s Prince Week | Prince (1988)
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80s80s Prince Week | Prince (1988)
80s80s Prince Week

Prince the Producer: Kontrolle statt Kompromiss.

So einzigartig Prince als Künstler on stage war, so besonders war er auch als Producer für sich und zahlreiche weitere Artists.

Prince mit Darling Nikki

PRINCE

PRINCE

Zum 10. Todestag von Prince feiert 80s80s den Ausnahmekünstler, der die 80er prägte wie kaum ein anderer: Multitalent, Chartstürmer und Rebell. Von „Purple Rain“ bis "Sign o’ the Times". Jetzt hier 80s80s PRINCE einschalten!


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Prince mit Darling Nikki

Hinter den Kulissen agierte Prince als Produzent mit einer Konsequenz und Eigenständigkeit, die bis heute herausragt

Während viele Produzenten als Vermittler zwischen Künstler, Label und Studio fungieren, verstand Prince Produktion als eigenständigen kreativen Akt – als eine Form von Autorschaft. Er lebte, er besaß förmlich was er produzierte, machte es zum Teil seiner selbst. Wer mit ihm arbeitete, bekam selten nur Unterstützung im Studio. Stattdessen traf man auf jemanden, der Songs schrieb, Arrangements entwickelte und klangliche Entscheidungen traf – oft lange bevor andere überhaupt beteiligt waren. Ein zentrales Merkmal von Prince’ Arbeit: Er war fast nie nur Produzent. In den meisten Fällen übernahm er gleichzeitig mehrere Rollen:

  • Songwriter (Komposition und Text)
  • Arrangeur
  • Multiinstrumentalist
  • Produzent im klassischen Sinne

Das bedeutet: Er entwickelte nicht einfach den Sound für bestehende Songs, sondern lieferte das komplette musikalische Fundament. Produktion begann bei ihm nicht im Studio – sondern bereits beim Schreiben. Diese enge Verzahnung von Komposition und Produktion ist entscheidend, um seinen Einfluss zu verstehen. Prince war in den 1980er Jahren dabei auch unter Pseudonymen aktiv wie "Jamie Starr" oder "Joey Coco". Er prägte den sogenannten "Minneapolis Sound" für mehrere Nebenprojekte und Protegés.

Vor allem in den 1980er-Jahren baute Prince ein Netzwerk von Künstlern und Projekten auf, die eng mit seiner eigenen musikalischen Vision verbunden waren. Einige Acts wurden nahezu vollständig von ihm geprägt. Prince schrieb große Teile des Materials und spielte viele Instrumente selbst ein:

Vanity 6 - Nasty Girl (1982) • TopPop
Vanity 6 - Nasty Girl (1982) • TopPop

Apollonia 6 / Vanity 6

Apollonia 6 war eine, aber keine typische Girlgroup, die von Prince gegründet wurde. Sie bestand aus den Sängerinnen Apollonia Kotero, Brenda Bennett und Susan Moonsie. Bennett und Moonsie waren vorher Mitglieder der von ebenfalls Prince gegründeten Girlgroup Vanity 6, die im Jahr 1982 mit dem Song „Nasty Girl“ einen Hit hatten. Die damalige Frontsängerin Vanity wurde aber von Prince durch Apollonia Kotero ersetzt, anschließend erfolgte die Namensänderung. Der Erfolg kam kurz nach dem Filmstart von Purple Rain. Die Band trat bei dem Konzert „Prince and the Revolution: Live“ als Gastband auf, und man sah sofort, dass es sich um eine Prince-Band handelte. Apollonia 6 war für damalige Verhältnisse sehr freizügig, da die drei Frauen vorwiegend in Unterwäsche auftraten. Der präzise trockene Funksound bestätigte die Verwandtschaft auch musikalisch.

„Zuerst wollte Prince mich Vagina nennen“, sagte Vanity, die als Denise Matthews geboren wurde, 1985 in einem Interview mit Bam. „Auch wenn er es Va-jeana aussprach, wäre das zu seltsam gewesen. Seine nächste Wahl war Vanity. Das mochte ich.“

Hier zeigt sich besonders deutlich: Prince nutzte Produktion, um komplette Projekte zu erschaffen, nicht nur einzelne Songs. Er erschuf quasi Bands für seine künstlerische Vision von Sound, Auftreten und Attitude. Kaum angezogener als wie eben beschrieben traten die Ladies z.B. bei TopPop (TV in Niederlande) 1982 auf.

The Time - Jungle Love (Official Vinyl Video)
The Time - Jungle Love (Official Vinyl Video)

The Time

In der von Prince zusammengestellten Gruppe gab es nicht nur lobende Worte für den Meister. Der erste Hit der Band war „Jungle Love“ (1984). Der Song schlug international auf den Dancefloors ein. Der harte Funk-Groove, das Tarzan-artige Motiv und der einprägsame Refrain hatten die ganze Schlagkraft eines Prince-Songs. Prince ist als Co-Autor und Produzent des Tracks genannt, doch Gitarrist Jesse Johnson hat das ganze später anders dargestellt und sagte 1986 gegenüber NME:

„Prince ist so ein Arschloch. Ich habe Sachen wie ‘Jungle Love’ geschrieben, gespielt und produziert – das ist mein Sound.“

Man muss einräumen: bei „Jungle Love“ waren tatsächlich auch Bandmitglieder beteiligt, aber wohl nicht so prägend, dass die harsche Kritik fundiert wäre. Morris Day und Jesse Johnson übernahmen den Gesang und die Programmierung der Linn LM-1-Drum Machine. Johnson spielte Gitarre, während Prince jedoch alle anderen Instrumente spielte und im Studio das Sagen hatte.

Bei anderen Künstlern war die Zusammenarbeit offener, weniger invasiv. Prince‘ Einfluss aber weiterhin zentral:

Sheila E. Prince produzierte ihre Musik, schrieb unter anderem „The Glamorous Life“ und prägte ihre Karriere maßgeblich. Sheila E. dazu: „Es war sehr perkussiv und hatte eine eingängige Melodie, die alle schwarzen Tasten des Klaviers einbezog, sodass es fast wie ein Kinderlied klang.“

Der Song „A Love Bizarre“ war der einzige Track auf Sheila E.s Album „Romance 1600“ mit Prince als Co-Autor und bestand aus einem Duett zwischen Prince und seiner Partnerin, das mit Anspielungen auf „ungeheuerliche Sünde“ und „es wird hinten in der Limousine etwas rau“ kokettiert. Prince und Sheila E. hatten in den 1980er Jahren eine intensive musikalische und persönliche Beziehung. Zudem war sie Schlagzeugerin in seiner Band, sie waren zeitweise verlobt (1987–1988).

Chaka Khan. „I Feel for You“ basiert auf einem Prince-Song und wurde in ihrer Version ein internationaler Hit. In diesen Fällen fungierte er sowohl als Produzent als auch als kreativer Partner – allerdings mit klarer Handschrift. Prince‘ Fable für dancelastige Musik führte hier zu einem der beliebtesten Songs in Breakdancekreisen der 80er.

The Bangles – „Manic Monday“. Der Song wurde von Prince geschrieben und gezielt an die Band gegeben. Er schrieb den Hit "Manic Monday" unter dem Pseudonym "Christopher". Sängerin Susanna Hoffs erinnerte sich bei „Songfacts“: „Ich wusste, es war ein Prince-Song, und ich wollte es gut machen. Er war wirklich glücklich, wie es herauskam.“

Sinéad O'Connor – „Nothing Compares 2 U“. Der Track wurde ursprünglich von Prince komponiert und entwickelte sich zu einem weltweiten Nummer-1-Hit. 1990, fünf Jahre nachdem „Nothing Compares 2 U“ von Prince’ Nebenprojekt The Family ohne großen Effekt veröffentlicht worden war, wurde Sinéad O’Connor mit ihrer ergreifenden Coverversion zum Star.

Sheena Easton – „Sugar Walls“. Songwriting und Produktion klar von ihm geprägt. Hier wird seine Rolle besonders deutlich: Prince war häufig der unsichtbare Autor hinter erfolgreichen Produktionen.

Stevie Nicks: Prince produzierte zwar kein ganzes Album für sie, aber er war maßgeblich an ihrem Hit "Stand Back" (1983) beteiligt, indem er Synthesizer einspielte, nachdem sie ihm am Telefon von dem Song erzählt hatte. Stevie Nicks:

"Ich rief Prince an und sagte: 'Ich weiß nicht warum, aber das Lied erinnert mich an deinen Song 'Little Red Corvette'. Komm vorbei und hör es dir an.' Er kam, spielte etwa 30 Minuten lang Synthesizer und verschwand wieder wie ein musikalischer Geist. 'Er stand einfach auf und ging, als ob das ganze Ereignis ein Traum gewesen wäre.' Dieser Synthesizer-Track ist auf dem offiziellen Song.".

Hier eine Auswahl der weiteren wichtigsten Künstler für die Prince produzierte:

  • The Family (1985)

    Eine kurzlebige Band, für die er das Album produzierte, inklusive der Originalversion von "Nothing Compares 2 U".

  • Jill Jones (1987)

    Er produzierte ihr selbstbetiteltes Debütalbum auf Paisley Park Records.

  • Mazarati (1986)

    Er half bei der Produktion und überließ ihnen den Song "100 MPH".

  • Madonna (1989)

    Er produzierte und sang im Duett auf dem Song "Love Song" für ihr Album Like a Prayer.

  • Mavis Staples

    Für sie produzierte er Ende der 80er Jahre Songs (z.B. für das Album "Time Waits For No One", 1989).

  • Taja Sevelle

    Für sie produzierte er Songs auf ihrem Debütalbum (1987), das auf seinem Label Paisley Park erschien.

Prince and the Revolution - When Doves Cry (Official Music Video)
Prince and the Revolution - When Doves Cry (Official Music Video)

Arbeitsweise: Produktion als kontrollierter Prozess.

Prince’ Methode im Studio unterschied sich deutlich von klassischen Produktionsansätzen. Das größte Merkmal war eindeutig: Produktion aus einer Hand. Prince übernahm häufig große Teile der Instrumentierung selbst. Drums, Bass, Gitarre, Keyboards – vieles entstand direkt durch ihn. Das führte zu einer außergewöhnlichen Geschlossenheit im Klangbild. Diese Manie im positivsten  Sinne war bereits früh zu erkennen.

Prince‘ Debüt-Album komplett selbst produziert und eingespielt

Prince‘ erstes Album trägt den Titel "For You", wurde am 7. April 1978 veröffentlicht und wurde komplett von ihm selbst eingespielt. Prince hat bei "For You" tatsächlich alle Instrumente selbst bearbeitet – es wird berichtet, dass er 27 verschiedene Instrumente auf dem Album spielte. Neben dem Einspielen der Instrumente hat Prince das Album auch selbst produziert, arrangiert und komponiert. Mit diesem Debüt bewies der damals 19-Jährige sein außergewöhnliches Talent und sicherte sich kreative Kontrolle, was für einen Debütanten sehr ungewöhnlich war.

Einer der erfolgreichsten Prince-Songs der 80s ist ebenfalls komplett vom Meister selbst eingespielt: "When Doves Cry" (1984).

Der Song gilt als Paradebeispiel für Prince' musikalische Autonomie und sein Genie, fast alle Aspekte seiner Musikproduktion selbst zu kontrollieren. Der Song wurde als letzte Nummer für das Album „Purple Rain“ aufgenommen und war ein Nummer-1-Hit. Auf neun Songs erschuf Prince mit „Purple Rain“ ein unglaublich dichtes Werk, das unter dem dicken Popmantel allerlei Extreme auslotet. Das beginnt beim Sound. Das Besondere: Die letzten drei Songs der Platte ("I Would Die 4 U", "Baby I'm A Star", "Purple Rain") sind alle live bei einem Konzert im "First Avenue" Club in Minneapolis aufgenommen, später lediglich mit Overdubs bearbeitet. Kein üblicher Weg Songs zu veröffentlichen.

Prince
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Prince

Prince: Der Produzent als Autor

Zusammenarbeit bedeutete bei Prince selten Gleichberechtigung. Musiker arbeiteten innerhalb eines Rahmens, den er vorgab; Entscheidungen wurden nicht lange ausgehandelt, sondern gesetzt. Diese klaren Hierarchien schufen die Grundlage für eine Arbeitsweise, die vor allem durch Konsequenz und Zielstrebigkeit geprägt war.

Prince war bekannt für seine außergewöhnliche Produktivität. Songs entstanden oft in kurzer Zeit – nicht aus Improvisation, sondern aus einer klaren inneren Vorstellung heraus. Das Studio war für ihn kein Ort der Suche, sondern der Umsetzung. Oft arbeitete er nächtelang, bis alles exakt so klang, wie er es sich vorgestellt hatte. Diese Schnelligkeit war kein Zufall, sondern das Resultat absoluter Klarheit im kreativen Prozess.

Auch seine markante Klangästhetik ergibt sich direkt aus dieser Arbeitsweise. Reduktion, Präzision und ein konsequenter Fokus auf das Wesentliche sind weniger bewusst eingesetzte Stilmittel als vielmehr logische Folgen seiner Produktionslogik. Der Sound ist bei Prince kein Selbstzweck, sondern das Ergebnis einer stringenten Reihe von Entscheidungen.

Prince hat damit die Rolle des Produzenten entscheidend erweitert. Er war nicht nur jemand, der Musik begleitet oder veredelt, sondern jemand, der sie von Grund auf erschafft. Seine Arbeit zeigt, dass Produktion mehr sein kann als Technik oder Organisation – sie kann Autorschaft sein. Genau darin liegt seine Besonderheit: Viele Produzenten formen Songs, Prince hat sie geschrieben, gebaut – und dann anderen überlassen. Wie hätte er sie auch alle selbst performen können – das hätte selbst er nicht geschafft. Rest in peace.

Folge 81 | 06.11.2023 | 7:45

Prince - Purple Rain

„Purple Rain“ sollte ursprünglich ganz anders klingen und ein Duett werden. Mit wem Prince zusammen singen wollte und wieso ein Auftritt in strömenden Regen, bei dem er das Lied spielte, in die Musikgeschichte eingegangen ist, hört ihr in dieser Folge.