80s80s Prince Week | Prince (1986)
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80s80s Prince Week | Prince (1986)
80s80s Prince Week

Prince: Der ungreifbare Star

Prince war Weltstar, Stil-Ikone & musikalisches Genie, als Mensch blieb er schwer zu fassen. Ein Blick auf die acht wichtigsten Bezugspersonen der 80er zeigt, wie nah man ihm überhaupt kommen konnte.

Tevin Campbell mit Round and Round

PRINCE

PRINCE

Zum 10. Todestag von Prince feiert 80s80s den Ausnahmekünstler, der die 80er prägte wie kaum ein anderer: Multitalent, Chartstürmer und Rebell. Von „Purple Rain“ bis "Sign o’ the Times". Jetzt hier 80s80s PRINCE einschalten!


Es läuft:
Tevin Campbell mit Round and Round
Hinter der Kunstfigur:

Wer war Prince wirklich?

Frühe 80er. Prince taucht unangekündigt auf. Eine Party, die Musik laut, die Stimmung aufgeheizt, mittendrin Rick James – Funk-Superstar, Exzess in Person. Prince passt da eigentlich nicht rein. Zu kontrolliert, zu kühl, zu sehr bei sich. Und genau das provoziert. Jahre später wird Rick James diese Szene in seiner Autobiografie „Glow“ so erzählen: Prince sei nicht eingeladen gewesen. Er habe Prince am Hals gepackt – und ihm Schnaps in den Mund gekippt. Eine Machtdemonstration, fast schon eine Demütigung. Die beiden konnten nicht miteinander.

Und trotzdem beginnt genau aus dieser Spannung ein entscheidendes Kapitel in der Karriere von Prince. 1980 holt Rick James den jungen Musiker als Support-Act auf seine „Fire It Up“-Tour. Für Prince ist das die erste große Bühne – und gleichzeitig ein Kulturschock. Während Rick James das Publikum mit roher Energie und Party-Attitüde abholt, wirkt Prince wie aus einer anderen Welt: minimalistisch und tief musikalisch – aber auch distanziert, weil streng inszeniert. Die Zuschauer sind schnell von der Vorgruppe begeistert. Rick James erkennt, dass er da seine eigene Konkurrenz aufbaut. Am Ende fliegt Prince von der Tour. Aber da ist der Aufstieg von Price nicht mehr aufzuhalten.

Prince Rogers Nelson & Rick James
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Prince Rogers Nelson & Rick James

Der Anfang in Minneapolis

Bevor Prince zu dieser kontrollierten, ja inszenierten Figur wird, beginnt seine Geschichte ganz anders – in Minneapolis, weit weg vom Glamour der Küsten. Geboren 1958 als Prince Rogers Nelson wächst er in einem musikalischen Umfeld auf. Sein Vater ist Jazzmusiker, seine Mutter Sängerin.

Musik ist früh da, aber Stabilität weniger. Die Ehe der Eltern zerbricht, Prince pendelt zwischen beiden, fühlt sich oft fehl am Platz. Schon als Kind zieht Prince sich zurück – Selbstschutz. Er bringt sich Instrumente selbst bei, spielt alles, was er in die Finger bekommt. Musik wird für ihn kein Hobby, sondern ein Raum, in dem er Struktur findet. Während andere draußen sind, sitzt er im Zimmer und baut sich seine eigene Welt – Note für Note.

Kaum ist er volljährig, unterschreibt Prince 1977 seinen ersten Plattenvertrag – unter der Bedingung, dass er weitgehend selbst schreibt, produziert und arrangiert. Ein Maß an Kontrolle, das damals völlig unüblich ist. Die ersten beiden Alben zeigen schon, wohin es geht – aber noch nicht, wie radikal er es später durchziehen wird.

Prince
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Prince

Die Kunstfigur der 80er

Als die Achtziger beginnen, ist Prince längst mehr als nur ein Musiker. Er wird zur Konstruktion – bewusst gebaut, präzise gesteuert. Androgyn, geheimnisvoll, sexuell aufgeladen und gleichzeitig distanziert. Interviews gibt er kaum, Antworten bleiben kryptisch. Frühe Interviews wirken aus heutiger Sicht richtiggehend peinlich. Hinter dieser Kunstfigur arbeitet Prince obsessiv. Er schreibt, produziert und arrangiert nahezu alles selbst, spielt einen Großteil der Instrumente eigenhändig ein.

Privat bleibt er schwer greifbar. Beziehungen gibt es, aber sie folgen selten klassischen Mustern. Frauen wie Vanity oder später Sheila E. sind Teil seines engsten Umfelds, künstlerisch wie persönlich – und doch bleibt immer eine Distanz. Nähe scheint möglich, aber nie vollständig. Prince hält die Kontrolle, auch über sein eigenes Leben. Gefühle werden kanalisiert, selten offen gezeigt, dafür umso stärker in Musik übersetzt. Zweifel sind dabei kein Widerspruch, sondern Teil des Systems.

Gerade weil Prince alles selbst bestimmt, liegt auch jede Unsicherheit bei ihm. Der Druck, sich ständig neu zu erfinden, wächst mit jedem Erfolg. Und der Erfolg kommt schnell. 1984 erreicht dieses Konstrukt mit Purple Rain seinen Höhepunkt. Album, Film, Image – alles greift ineinander. Prince ist plötzlich globaler Superstar, aber gleichzeitig wirkt er noch entrückter. Millionen sehen ihn – aber kaum jemand kennt ihn.

In der zweiten Hälfte der Achtziger wird die Musik komplexer, experimenteller, teilweise auch widersprüchlicher. Alben wie Sign o’ the Times zeigen einen Künstler, der sich nicht wiederholen will – aber vielleicht auch einen, der rastlos sucht. Themen wie Einsamkeit, innere Konflikte und Identität treten stärker in den Vordergrund.

U.S.A. For Africa - We Are the World
U.S.A. For Africa - We Are the World

Warum wollte Prince nie an Michael Jacksons Seite stehen?

Auch der Umgang mit Michael Jackson sagt viel über Prince aus. Die beiden größten schwarzen Popstars der Achtziger standen für völlig unterschiedliche Modelle. Ein offener Streit ist daraus nie geworden, aber eine spürbare Rivalität schon. Prince sagte sowohl bei We Are The World als auch später bei einer geplanten Beteiligung an „Bad“ ab – nicht aus Laune, sondern weil er sich selbst dem größten Pop-Konsens der Zeit nicht unterordnen wollte. Gerade darin zeigt sich sein Wesen: Selbst auf dem Höhepunkt der Achtziger wollte Prince nicht Teil einer fremden Inszenierung sein, nicht einmal an der Seite von Michael Jackson.

Prince
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Prince

Was wir wirklich über Prince wissen

Was also bleibt vom Menschen hinter dieser Figur? Die ehrliche Antwort ist: erstaunlich wenig – und genau das ist Teil der Wahrheit. Belegbar ist vor allem seine Disziplin. Weggefährten beschreiben Prince übereinstimmend als jemanden, der nahezu ununterbrochen arbeitet. Studio-Sessions, die bis in den Morgen gehen, spontane Aufnahmen mitten in der Nacht, ein kreativer Output, der extrem ist. Ebenso gut dokumentiert ist seine Zurückhaltung im Persönlichen. Prince gibt kaum Interviews, und wenn, dann selten klare Einblicke. Viele Aussagen bleiben bewusst vage oder widersprüchlich. Menschen aus seinem Umfeld berichten, dass Prince charmant, humorvoll und sogar verspielt sein konnte – aber meist nur in Momenten, die Prince selbst kontrolliert. Öffentlichkeit und Privatperson bleiben strikt getrennt. Was wir auch wissen: Prince war sensibel für Machtverhältnisse im Musikgeschäft – schon früh. Der Wunsch, alles selbst zu kontrollieren, ist nicht nur künstlerisch motiviert, sondern auch strategisch. Rechte, Produktion, Darstellung – Prince will nicht abhängig sein. Diese Haltung zieht sich durch die gesamten Achtziger, lange bevor sie in den Neunzigern offen eskaliert.

Seine Beziehungen: dokumentiert sind sie – verstanden sind sie kaum. Dass Prince enge, teils intensive Verbindungen zu Frauen aus seinem kreativen Umfeld hatte, gilt als gesichert. Wie nah diese Beziehungen wirklich waren, bleibt oft unklar. Viele Erzählungen stammen aus zweiter Hand, gefärbt von persönlichen Erfahrungen oder späteren Deutungen. Prince selbst hat diese Ebenen selten eingeordnet. Ähnlich verhält es sich mit seiner Persönlichkeit. War Prince schüchtern? Berechnend? Oder einfach nur konsequent? Am Ende entsteht das Bild eines Menschen, der sich konsequent entzieht, ohne unsichtbar zu werden. Der sich zeigt – aber nie vollständig.

Auffällig ist, dass Prince in den Achtzigern kaum erkennbare Bezugspunkte außerhalb seiner Musik hatte. Während andere Stars sich über Freundeskreise oder Szenen definieren, scheint sich bei ihm fast alles um ein Zentrum zu drehen: das eigene Werk. Beziehungen existieren – beruflich wie privat –, aber sie stehen selten für sich. Sie sind eingebettet in Studiosessions, Tourneen, Projekte. Wer Prince verstehen will, sollte auf die wenigen Menschen schauen, die ihm wirklich nahekommen.

Die wichtigsten Menschen in der Welt von Prince

  • Rick James
    Rick James - Super Freak
    Rick James - Super Freak

    (1. Februar 1948 – 6. August 2004)

    Der erste große Gegenpol in Karriere von Prince. Funk-Superstar, Exzess in Person und gleichzeitig der Mann, der Prince 1980 auf seine erste große Tour holt – und ihn ebenso schnell wieder fallen lässt. An Rick James wird sichtbar, wogegen Prince sich definiert: gegen das laute, unkontrollierte Rockstar-Leben, gegen Fremdbestimmung, gegen Erwartungen eines Publikums. Für Prince wird dieser frühe Clash vermutlich zum Katalysator seiner Eigenständigkeit.

  • Vanity
    Vanity 6 - Nasty Girl (1982) • TopPop
    Vanity 6 - Nasty Girl (1982) • TopPop

    (Denise Katrina Matthews, 4. Januar 1959 – 15. Februar 2016)

    Muse, Partnerin, Projektionsfläche – und eine der prägendsten Figuren der frühen 80er. Als Frontfrau von Vanity 6 verkörpert sie seine Mischung aus Erotik, Provokation und Kontrolle. Ihre Beziehung zeigt, wie nah Prince Menschen an sich heranlässt – und wie schnell sich diese Nähe wieder entziehen kann.

  • Lisa Coleman
    Lisa Coleman Interview | Prince & The Revolution - Keyboard Chronicles Podcast Episode 39
    Lisa Coleman Interview | Prince & The Revolution - Keyboard Chronicles Podcast Episode 39

    (geboren am 17. August 1960)

    Als Keyboarderin von The Revolution prägt sie den Sound der 80er entscheidend mit. Zusammen mit Wendy Melvoin bildet sie ein kreatives Gegengewicht zu Prince. Ihre Stärke liegt weniger in Dominanz als in Tiefe und Atmosphäre.

  • Wendy Melvoin
    Prince Hires Wendy Melvoin To Join The Revolution // VOLUME
    Prince Hires Wendy Melvoin To Join The Revolution // VOLUME

    (geboren am 26. Januar 1964)

    Gitarristin bei The Revolution und zentral für die Purple Rain-Phase. Sie bringt mehr Offenheit und Bandgefühl in die Musik von Prince. Die Dynamik zwischen ihr, Lisa Coleman und Prince gehört zu den produktivsten Phasen seiner Karriere.

  • Sheila E.
    Sheila E. - The Glamorous Life (Official Music Video)
    Sheila E. - The Glamorous Life (Official Music Video)

    (Sheila Escovedo, geboren am 12. Dezember 1957)

    Eine der wenigen, die Prince wohl auf Augenhöhe begegnen. Als Musikerin und Performerin bringt sie Energie und Stabilität in sein Umfeld. Ihre Beziehung zu Prince ist persönlich wie künstlerisch eng, aber weniger fragil als viele andere.

  • Morris Day
    The Time - Jungle Love (Official Vinyl Video)
    The Time - Jungle Love (Official Vinyl Video)

    (geboren am 13. Dezember 1957)

    Frontmann von The Time und Spiegelbild für Prince. Extrovertiert, humorvoll, showorientiert. In ihrer Dynamik – besonders rund um Purple Rain – wird sichtbar, wie bewusst Prince mit Gegensätzen arbeitet.

  • Susan Moonsie
    Unverkennbar Prince: Apollonia 6 - "Sex Shooter"
    Unverkennbar Prince: Apollonia 6 - "Sex Shooter"

    (geboren am 31. Januar 1965)

    Teil von Apollonia 6 und eine frühe Bezugsperson aus dem Minneapolis-Umfeld. Sie gehört zur sogenannten „Minneapolis Family“ und steht für die Phase, in der sich Prince ein Netzwerk aufbaut. Ihre Bedeutung liegt weniger im Rampenlicht als in ihrer Rolle innerhalb dieses frühen sozialen Gefüges.

  • Cat Glover
    Cat Glover - Why I Left Prince | Prince Didn't Allow Drugs on Tour
    Cat Glover - Why I Left Prince | Prince Didn't Allow Drugs on Tour

    (Catherine Vernice Glover, geboren am 23. Juli 1962)

    Die Energie der späten Achtziger. Tänzerin, Sängerin und prägende Bühnenpartnerin der Sign o’ the Times-Ära. Mit ihr wirkt Prince zugänglicher, spontaner. Gleichzeitig zeigt ihre Zeit mit ihm, wie schwierig dauerhafte Nähe bleibt.

Prince (1987)
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Prince (1987)

Ein Mensch, der sich entzieht

Man kommt dem Menschen Prince nicht wirklich nah. Nicht, weil es nichts zu entdecken gäbe – sondern weil er selbst entschieden hat, wie viel davon sichtbar wird. Die Achtziger zeigen ihn in Beziehungen, in Reibung, in Momenten von Nähe. Aber sie zeigen ihn nie vollständig. Jeder Versuch, ihn zu greifen, läuft ins Leere oder endet in Fragmenten. Vielleicht ist genau das der ehrlichste Zugang zu ihm: dass ein Teil von Prince immer verborgen bleibt – nicht aus Zufall, sondern aus Prinzip.

In den Neunzigern wird dieser Wunsch nach Kontrolle noch deutlicher. Songs wie „Cream“ tragen weiterhin dieses Spiel aus Sexualität und Selbstinszenierung, aber dahinter verschiebt sich etwas. Der Konflikt mit seiner Plattenfirma, der Wechsel zum Symbol statt eines Namens – all das sind keine reinen PR-Gesten, sondern Ausdruck eines Künstlers, der sich konsequent gegen Vereinnahmung wehrt. Prince entzieht sich nicht nur dem Publikum, sondern auch der Industrie, die ihn groß gemacht hat.

Und selbst am Ende bleibt dieses Muster bestehen. Ein Leben voller Musik, voller Produktivität, voller Einfluss – aber mit einer Person im Zentrum, die nie ganz greifbar wird. Vielleicht liegt genau darin seine besondere Größe: nicht nur in dem, was Prince geschaffen hat, sondern in dem, was Prince bewusst für sich behalten hat.

Folge 81 | 06.11.2023 | 7:45

Prince - Purple Rain

„Purple Rain“ sollte ursprünglich ganz anders klingen und ein Duett werden. Mit wem Prince zusammen singen wollte und wieso ein Auftritt in strömenden Regen, bei dem er das Lied spielte, in die Musikgeschichte eingegangen ist, hört ihr in dieser Folge.