Boy George & Marilyn (2019)
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Boy George & Marilyn (2019)
21.03.2026

Der Streit zwischen Boy George und Marilyn eskaliert

Die frühere Blitz-Kids-Freundschaft wird zur öffentlichen Fehde. Boy George und Marilyn liefern sich einen öffentlichen Schlagabtausch über Transrechte – und stehen sich so deutlich gegenüber wie nie.

The Cult mit She Sells Sanctuary

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Boy George und Marilyn prägten den Sound und Stil der New-Romantic-Ära. 80s80s Wave spielt exakt diese Songs, die diese Szene groß gemacht haben, den ganzen Tag. Jetzt einschalten! 🎧


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Warum streiten sich Boy George und Marilyn öffentlich über Transrechte?

Boy George kritisiert öffentlich Marilyn für transkritische Posts auf X und wirft ihm Nähe zu transfeindlichen Positionen vor. Der Streit markiert eine klare Bruchlinie innerhalb der 80er-Ikonen-Generation, mitten in einer aktuellen gesellschaftlichen Debatte.

Boy George & Marilyn (1985)
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Boy George & Marilyn (1985)

Marilyn und Boy George - Vom Blitz Club ins Heute

Es ist einer dieser Momente, bei denen Ihr kurz denkt: Moment mal, waren die nicht mal beste Freunde? Boy George und Marilyn – zwei Gesichter der Londoner New-Romantic-Szene, zwei Ikonen der frühen 80er, zwei Künstler, die mit MakeUp, Stil und Haltung die Grenzen von Geschlecht auf der Popbühne verschoben haben.

Und jetzt? Öffentliches Kopfschütteln, harte Worte. Auslöser ist ein Post von Marilyn, bürgerlich Peter Robinson, der auf X ein Video kommentierte, das sich über eine trans Influencerin lustig machte.

Die Wortwahl von Marilyn wurde in queeren Kreisen als respektlos und transfeindlich gewertet. Boy George, reagierte direkt – und deutlich.

Auf X schrieb Boy George: „Oh Marilyn, warum stellst du dich auf die Seite abscheulicher Transphober? Das ist auf jede erdenkliche Weise traurig und enttäuschend.“

Dazu bezeichnete Boy George seinen früheren Weggefährten als jemanden, der sich auf die Seite rechter Stimmen stelle.

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MARILYN · Calling Your Name (1983)
MARILYN · Calling Your Name (1983)

Was genau hat Marilyn gesagt?

Marilyn hatte sich in mehreren Posts auf kritisch zur aktuellen Trans-Debatte geäußert. Dabei ging es um Fragen von Geschlechtsidentität, Aktivismus und öffentlicher Sprache. Kritiker werfen Marilyn vor, wiederholt trans Personen misgendert zu haben und Narrative zu bedienen, die in konservativen Kreisen kursieren.

Marilyn selbst sieht sich nach eigenen Aussagen nicht als transfeindlich, sondern als jemand, der „Realitäten“ anspreche, die aus seiner Sicht diskutiert werden müssten. Schon in früheren Interviews hatte Marilyn betont, dass er sich als androgyner Mann verstehe, nicht als trans Frau.

Diese biografische Selbstverortung zieht sich durch seine öffentlichen Statements. Marilyn betont regelmäßig, dass sein Stil und seine Identität aus der New-Romantic-Zeit stammen – aus einer Subkultur, in der Geschlechterrollen performativ gebrochen wurden, ohne dass zwingend eine medizinische oder soziale Transition im heutigen Sinn dahinterstand.

Genau hier liegt die Reibung. Während jüngere queere Stimmen Geschlechtsidentität stärker als individuelles, selbstdefiniertes Spektrum begreifen, argumentiert Marilyn eher aus einer Perspektive der 80er: Provokation als Stilmittel, Androgynität als ästhetisches Statement, nicht zwingend als politische Identität.

Culture Club - Karma Chameleon (Official Video)
Culture Club - Karma Chameleon (Official Video)

Boy George positioniert sich klar

Boy George hat in den vergangenen Jahren mehrfach betont, dass er Transmenschen unterstützt und sich gegen Transfeindlichkeit stellt. Für Boy George ist Sprache kein Detail, sondern Haltung.

Als Frontmann von Culture Club wurde Boy George in den 80ern selbst Zielscheibe von Spott, Boulevard-Schlagzeilen und homophoben Angriffen. Diese Erfahrung prägt seine heutige Haltung.

Dass Boy George nun öffentlich gegen Marilyn schießt, ist deshalb mehr als persönlicher Ärger. Es ist ein Statement. Boy George macht deutlich, dass er Solidarität innerhalb der LGBTQ+-Community nicht als optional betrachtet.

Auf X legte Boy George nach und kritisierte, dass Menschen verspottet würden, nur weil sie nicht den erwarteten „femininen Look“ erfüllten. Damit positioniert sich Boy George klar auf der Seite einer inklusiven Auslegung von Geschlecht und Identität.

Zwei Biografien, zwei Perspektiven

In den frühen 80ern waren Boy George und Marilyn Teil derselben Szene. Beide tauchten im Blitz Club auf, beide bewegten sich im Umfeld von Steve Strange und der Band Visage. Die Londoner Subkultur war ein Experimentierfeld. Geschlecht wurde dort nicht diskutiert, es wurde inszeniert. Lippenstift war kein politisches Manifest, sondern Teil des Looks. Mit Culture Club gelang Boy George 1982 der weltweite Durchbruch. Songs wie „Do You Really Want to Hurt Me“ und „Karma Chameleon“ machten Boy George zur globalen Figur. Marilyn landete 1983 mit „Calling Your Name“ einen internationalen Hit, blieb kommerziell aber hinter Boy George zurück. Diese unterschiedlichen Karrieren prägen bis heute die öffentliche Wahrnehmung. Boy George ist die dauerhaft präsente Figur.

Boy George & Marilyn (2015)
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Boy George & Marilyn (2015)

Generationenkonflikt innerhalb der Community?

Der Streit zwischen Boy George und Marilyn wird in queeren Medien als Symptom eines größeren Generationenkonflikts gelesen. Während jüngere Aktivistinnen und Aktivisten auf Plattformen wie Instagram oder TikTok klare Sprachregeln und Sensibilität einfordern, fühlen sich manche Vertreter der 80er-Generation von dieser Dynamik überrollt.

Marilyn argumentiert aus einer Zeit, in der Sichtbarkeit selbst schon Provokation war. Boy George argumentiert aus einer Gegenwart, in der Sichtbarkeit nicht reicht, sondern Verantwortung mitgedacht wird. Beide beziehen sich auf queere Geschichte – aber sie ziehen unterschiedliche Schlüsse daraus.

Für Fans von Culture Club und Marilyn ist das eine irritierende Entwicklung. Zwei Künstler, die einst gemeinsam Grenzen verschoben haben, diskutieren nun darüber, wo diese Grenzen heute verlaufen.

Ob Boy George und Marilyn ihren Streit privat klären, ist offen. Öffentlich jedenfalls ist die Front klar. Boy George steht für eine deutliche Pro-Trans-Position, Marilyn für eine skeptische Haltung gegenüber Teilen der aktuellen Transbewegung.

Beide berufen sich auf ihre Lebensrealität, beide beanspruchen Authentizität. Denn Queere Ikonen sind keine Museumsstücke. Sie sind Menschen mit Meinungen – und manchmal mit sehr unterschiedlichen.

Folge 24 | 12.09.2022 | 9:22

Culture Club - Do You Really Want To Hurt Me

„Do You Really Want To Hurt Me“ von Culture Club war für Culture Club ein Schicksal-Lied. Wieso die Band ausgerechnet Shakin Stevens auf ewig dankbar sein muss und wieso ausgerechnet Boy George nicht wollte, dass der Song als Single veröffentlicht wird, erfahrt ihr in dieser Folge.

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