The Escape Club spielen wieder live
Trevor Steel ist weiterhin der entscheidende Name bei The Escape Club. Seine Stimme macht ihren alten Nummer-eins-Hit bis heute erkennbar und erstaunlich modern.
Trevor Steel ist weiterhin der entscheidende Name bei The Escape Club. Seine Stimme macht ihren alten Nummer-eins-Hit bis heute erkennbar und erstaunlich modern.
The Escape Club haben letzte Woche beim "Totally Tubular Festival" gespielt. Der Auftritt war für Fans eine Riesenüberraschung, weil Trevor Steel den 80er-Crossover-Hit "Wild, Wild West" endlich wieder zurück auf die Bühne brachte. Schon in den Wochen davor gab es ausverkaufte Auftritte in Phoenix, St. Petersburg in Florida und Louisville. The Escape Club klingen dabei mit ihrem Hit "Wild, Wild West" bis heute so, als hätte jemand eine Rockband, einen Dancefloor, ein paar Pop-Hooks und einen dominanten Frontman in denselben Raum gesperrt. Der Song ist kantig, grell und ein bisschen überdreht. Genau deshalb funktioniert er noch. Trevor Steel singt die Strophen nicht einfach aus, sondern stößt sie rhythmisch nach vorne, fast wie ein Rapper, der sich aber noch nicht ganz traut, das Wort Rap auf die Visitenkarte zu schreiben. Das Ergebnis ist ein Track, der 1988 in den Charts stand, aber schon Richtung 1990er winkte.
The Escape Club werden oft in die One-Hit-Wonder-Schublade gelegt, und aus deutscher Perspektive ist das nachvollziehbar. Bei Trevor Steel, John Holliday, Johnnie Christo und Milan Zekavica fällt den meisten sofort "Wild, Wild West" ein, danach wird es deutlich stiller im kollektiven Gedächtnis. Streng genommen stimmt das One-Hit-Wonder-Etikett aber nicht. The Escape Club hatten in den USA nach "Wild, Wild West" weitere Chartplatzierungen, darunter "Shake for the Sheik" und später die Ballade "I’ll Be There". In den amerikanischen Billboard Hot 100 erreichte "Wild, Wild West" Platz eins, "Shake for the Sheik" kam in die Top 30, "I’ll Be There" sogar in die Top 10.
Die Band kam aus London, aber der Durchbruch passierte vor allem in den USA. Das ist ein interessanter Bruch in der Geschichte von The Escape Club: britische Band, amerikanischer Nummer-eins-Hit, aber in der Heimat blieb der große Chart-Moment aus. So etwas ist nicht nur kurios, sondern erklärt auch, warum Trevor Steel und John Holliday bis heute vor allem mit einem sehr amerikanisch wahrgenommenen 80er-Sound verbunden werden.
The Escape Club entstanden 1983 in London. Trevor Steel und John Holliday kamen aus dem Umfeld der Band Mad Shadows, Johnnie Christo und Milan Zekavica hatten vorher bei den Expressos gespielt. Die vier Musiker brachten also nicht nur Studioambitionen mit, sondern echte Live-Erfahrung. Das hört man "Wild, Wild West" an: Der Song ist zwar klar ein Studioprodukt der späten 80er, aber darunter steckt eine Band, die weiß, wie ein Groove auf der Bühne ziehen muss. Trevor Steel steht vorne, John Holliday schiebt die Gitarrenfarben hinein, Johnnie Christo hält das Fundament beweglich, Milan Zekavica liefert den Punch.
The Escape Club veröffentlichten zunächst "White Fields", bevor sie mit "Wild Wild West" den deutlich tanzbareren Kurs einschlugen. Genau an diesem Punkt beginnt der Konflikt, der den Song spannender macht als viele andere 80er-Hits: Trevor Steel und die Band wollten nicht nur Rockband (link: /streams/80s80s-rock sein, aber auch nicht einfach Synthpop. Sie wollten offenbar alles zugleich. Das war riskant, denn Ende der 80er waren Genre-Grenzen im Radio noch stärker spürbar als später. "Wild, Wild West" klingt deshalb wie ein Track, der sich nicht entscheiden möchte und gerade dadurch seine Identität findet.
Trevor Steel arbeitet in "Wild, Wild West" mit einem stakkatoartigen Vortrag, der viel näher am Sprechgesang liegt als am klassischen Rockgesang. Die Strophen laufen nicht über große Melodiebögen, sondern über rhythmische Phrasen, kurze Akzente und eine fast perkussive Stimme. The Escape Club bauen dazu einen Groove, der zwischen Dance-Rock, Funk und Pop pendelt. Genau darin liegt die Verbindung zu den 90ern: Nicht die Gitarre allein trägt den Song, sondern der Beat.
The Escape Club haben Rap-Rock natürlich nicht erfunden. Diese Krone gehört ihnen nicht. Vor "Wild, Wild West" hatten Run-D.M.C. und Aerosmith mit "Walk This Way" den Brückenschlag zwischen Rockriff und Rap-Attitüde schon wesentlich direkter in den Mainstream gedrückt. Auch Beastie Boys hatten längst gezeigt, wie Rock-Energie, HipHop-Rhythmus und Pop-Provokation zusammengehen können. Trotzdem ist "Wild, Wild West" ein wichtiger Baustein: The Escape Club machen diesen Mix nicht als HipHop-Statement, sondern als Pop-Rock-Single für ein Massenpublikum.
Trevor Steel steht damit an einer interessanten Schwelle. In den 90ern werden Genre-Hybride selbstverständlich: Red Hot Chili Peppers, Faith No More, später Beck und viele andere bauen ihre Musik aus Rock, Funk, Rap, Dance und Sample-Ästhetik. The Escape Club machen 1988 noch keine 90er-Musik im engeren Sinn, aber "Wild, Wild West" zeigt schon die Richtung. Der Song ist wie ein Vorab-Trailer für eine Popwelt, in der Schubladen nicht verschwinden, aber immerhin ständig klemmen.
The Escape Club starteten mit Trevor Steel, John Holliday, Johnnie Christo und Milan Zekavica. Diese vier Musiker prägten die Erfolgsphase um "Wild, Wild West". Nach der Auflösung Anfang der 90er gingen die Wege auseinander. Trevor Steel und John Holliday arbeiteten danach weiter als Songwriter und Produzenten, während The Escape Club als Band zunächst nicht mehr dieselbe Rolle spielten. 2009 kamen Trevor Steel und John Holliday wieder zusammen, später mit Red Broad am Schlagzeug. 2019 kehrte Johnnie Christo noch einmal zurück, wodurch die Band wieder stärker an ihre alte Besetzung anknüpfte. Red Broad starb im Januar 2024, Johnnie Christo im Juli 2024 nach langer Krebserkrankung. Diese Veränderungen machen aus The Escape Club zwangsläufig eine andere Band als 1988.
The Escape Club waren keine Revolutionäre, aber ziemlich gute Frühmelder. "Wild, Wild West" ist ein lauter, cleverer, manchmal schräger Pop-Hybrid, der heute noch mehr erzählt, als sein Refrain vermuten lässt. Trevor Steel macht den Unterschied. Und 80er-Fans können froh sein, dass die Band wieder aktiv ist. Was fehlt, sind Auftritte in Deutschland.
Stimme für Deine 5 Favoriten und schicke so Deine Lieblingssongs zurück ins Radio.
Das Ergebnis aller Votings hörst Du ab sofort jeden Sonntag von 12 bis 15 Uhr im 80s80s Countdown – auf 80s80s Real 80s Radio.