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Talk Talk feiern 30 Jahre "Spirit Of Eden"

Eine der großen Platten der 80er hat Geburtstag.

Eurythmics mit Sweet Dreams (Are Made of This)

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Talk Talk feiern 30 Jahre "Spirit Of Eden"

Als Talk Talk vor 30 Jahren das Album "Spirit Of Eden" herausbrachten, erfanden sie sich so radikal neu, dass es einer Revolution gleichkam. Unter der Leitung von Mark Hollis und Tim Friese-Greene begannen sie eine der radikalsten Neuerfindungen, die es jemals in alternativer Musik gegeben hat.

Für Talk Talk war diese Platte eine krasse Veränderung. Nach den kommerziellen Erfolgen von "It's My Life" und "Such A Shame" hatte die Plattenfirma die Kontrolle über die Band faktisch verloren. Sie mussten praktisch nehmen, was sie von Mark Hollis und seinen Bandkollegen angeboten bekamen. In der Popgeschichte gibt es alle möglichen krassen Transformationen von Musikern. Bands, die relativ klar begannen und dann in die Stratosphäre abflogen und dabei einen neuen Klang entdeckten. Neben dem Beatles und Radiohead werden als Beispiel dafür meist auch Talk Talk genannt.

Die frühen Talk Talk-Alben, "The Party's Over" (1982) und "It's My Life (1984) waren New Wave. Also typisch für die frühen 80er. Schon "The Color Of Spring" war 1986 ein Ausflug in eine andere Musik. Aber das Album umfasste auch klassische Pop-Songs und konnte als Pop-Album mit Anspruch gut vermarktet werden.

Schaut man sich das Jahr 1986 an, dann zeigt sich, dass viele der Talk Talk-Zeitgenossen wie Tears For Fears, Simple Minds und U2 ihre Post-Punk oder New Wave Wurzeln verlassen hatten. Nur gingen Talk Talk in eine ganz andere Richtung, während zum Beispiel die Simple Minds ins Triviale abdrifteten und viel Geld verdienten, war Mark Hollis nicht mehr bereit die Massen zu bedienen, in einem der wenigen Interviews nach 1986 mit dem The Guardian zeigt er sich geradezu angeekelt von der Musikindustrie.

Wir reagieren auch auf die Musik, die derzeit produziert wird, denn das meiste ist Scheiße. "Spirit Of Eden" erscheint nur im modernen Kontext radikal, grade weil die Musik heute so weichgewaschen ist. Es ist nicht radikal im Vergleich zu dem, was vor 20 Jahren geschah. Wenn wir dieses Album vor 20 Jahren an die Plattenfirma geschickt hätten, die hätten nicht mit der Wimper gezuckt.

Für jeden TalkTalk-Fan, der 1988 "Spirit Of Eden" kaufte, war sein kolossaler Opener "The Rainbow" eine sofortige Ankündigung, dass dies nicht der alte Talk Talk-Sound war. Beginnend mit gedämpfter Trompete und Streichern wird der Song ein- und ausgeblendet, bis nach zweieinhalb Minuten eine träge Gitarre auftaucht. Mark Hollis singt erst nach dreieinhalb Minuten. Pop war für Talk Talk von jetzt an Geschichte.

Es wird nach 30 Jahren also wieder mal Zeit diese Platte anzuhören, die in den späten 80ern Intellektuelle, Abiturienten und Studenten verzauberte. Die Plattenfirma versucht nochmal Kasse zu machen und feiert "Spirit Of Eden" mit Sonderausgaben und Pressemitteilungen, während die Band wohl kaum mitfeiern wird. Mark Hollis hat sich völlig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Aber, wie ging damals die Geschichte weiter? Das Major-Plattenlabel hatte ein Album mit todsicheren Singles erwartet, um die Dynamik von "The Color Of Spring" zu nutzen. Das Label EMI war angeblich wenig begeistert. Wie könnte so eine Platte auch effektiv vermarktet werden? EMI wollte Talk Talk dennoch halten - vielleicht in falschen Hoffnungen, dass die Band nach "Spirit Of Eden" wieder zur Besinnung kommen und ein weiteres Pop-orientiertes Album produzieren würde. Aber Talk Talk ging auf Konfrontation, um zu Polydor zu wechseln und dort "Laughing Stock" zu veröffentlichen. Aber das war in den 90ern.

Talk Talk "Living In Another World" (Live 1986)