Fehlfarben & DAF-Bassist Michael Kemner ist tot
Michael Kemner ist am 3. Januar im Alter von 72 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. Als Bassist von DAF und Fehlfarben prägte er Punk, Postpunk und die frühe Neue Deutsche Welle.
Michael Kemner ist am 3. Januar im Alter von 72 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. Als Bassist von DAF und Fehlfarben prägte er Punk, Postpunk und die frühe Neue Deutsche Welle.
Ende der siebziger Jahre lebte Michael Kemner mit Kurt „Pyrolator“ Dahlke, Robert Görl und Wolfgang Spelmans in einer WG im „Grün Inn“ in Gevelsberg-Silschede. Aus der Jazzrock-Band You entwickelte sich dort ein neues Projekt, das bald DAF heißen sollte. Punk wurde nicht kopiert, sondern neu gedacht. Reduziert, kantig, körperlich. Michael Kemner war daran maßgeblich beteiligt.
Ein Schlüsselmoment war der Wire-Auftritt im Düsseldorfer Ratinger Hof im November 1978. Kurz darauf stieß Gabi Delgado López zur Band. 1979 gingen DAF nach London und nahmen dort „Kebabträume“ für das Label Mute auf, mitkomponiert von Michael Kemner und Kurt Dahlke. Der Song beschreibt Kontrolle und Paranoia im Westberliner Alltag. Getragen wird er von einem trockenen, funkigen Basslauf, der bis heute als Referenz gilt.
London wurde für Michael Kemner dennoch zu viel. Zahnschmerzen, Heimweh und private Gründe führten dazu, dass er DAF über Nacht verließ und ins Ruhrgebiet zurückkehrte. Kein programmatischer Bruch, sondern eine persönliche Entscheidung. Sie öffnete den Weg für das nächste Kapitel.
Kurz darauf gründete Michael Kemner mit Peter Hein, Thomas Schwebel, Uwe Bauer, Markus Oehlen, Kurt Dahlke und Frank Fenstermacher Fehlfarben. Was zunächst als lockeres Projekt begann, wurde mit „Monarchie und Alltag“ zu einem der prägenden Alben der frühen achtziger Jahre. Michael Kemners Basslinien in Stücken wie „Militürk“, „Paul ist tot“ oder „Ein Jahr (Es geht voran)“ gaben den Songs Struktur und Spannung. Präzise gespielt, beweglich im Ton, nie ornamental.
Der Erfolg brachte Konflikte. Der Druck des Majorlabels EMI traf auf interne Differenzen und Vorwürfe aus der Punkszene. Peter Hein stieg aus, 1981 verließ auch Michael Kemner Fehlfarben. Gemeinsam mit Wolfgang Spelmans gründete er Mau Mau. Die Band veröffentlichte mehrere Singles und zwei Alben und gilt heute als unterschätzter Beitrag zwischen Postpunk und Neuer Deutscher Welle: sperrig, konsequent, eigenständig.
In den neunziger Jahren kehrte Michael Kemner zu Fehlfarben zurück. Ohne großes Comeback, ohne Inszenierung. Er war wieder Teil der Band und blieb es bis zuletzt. Michael Kemner war keine laute Figur dieser Szene. Kollegen beschrieben ihn als ruhig, verbindlich und präsent. Sein Bassspiel spiegelt das wider. Reduziert, konzentriert, wirkungsvoll. Rockgeschichte, ohne Umwege gemacht.
Rest in Peace, Michael Kemner!