No More: Noch lange nicht vorbei
„Suicide Commando“ klingt nach belgischem Industrial-Mythos, stammt aber von der deutschen Band No More aus Kiel – und dieser kantige 80er-Undergroundtrack lebt bis heute weiter.
„Suicide Commando“ klingt nach belgischem Industrial-Mythos, stammt aber von der deutschen Band No More aus Kiel – und dieser kantige 80er-Undergroundtrack lebt bis heute weiter.
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No More wurden im Sommer 1979 in Kiel gegründet, also nicht gerade in der Pop-Metropole. Zur frühen Besetzung gehörten Andy A. Schwarz, Tina Sanudakura, Christian Darc und Thomas Welz. Die ersten Aufnahmen entstanden nicht in einem luxuriösen Studio, sondern in einer Waschküche und einem Proberaum im Keller.
Genau das hört man „Suicide Commando“ bis heute an: Der Song hat nichts Glattes. Allein der Break nach wenigen Sekunden lässt selbst hartgesottene EBM-Fans noch heute irritiert aufhorchen. 1981 veröffentlichten No More „Suicide Commando“ als Single. Aus heutiger Perspektive ist das interessant, weil der Song weder das typische Bild von deutscher Popmusik der frühen 80er bestätigt noch sauber in eine der Schubladen passt, die später für die Dekade erfunden wurden.
Andy A. Schwarz und Tina Sanudakura arbeiteten mit Post-Punk, Minimalismus, Wave und einer Kälte, die dennoch in die Beine geht. Das Stück ist rhythmisch stoisch, elektronisch reduziert und gesanglich eher Befehl als Melodie. No More hätten den Song schon länger im Programm gehabt, aber keine klare Vorstellung davon, wie er produziert werden sollte. Dann sei die Entscheidung gefallen, ihn „so minimalistisch wie möglich“ anzulegen, erklärte Andy A. Schwarz.
Das klingt fast zu einfach für einen Song, der danach so lange weiterlebt. Aber genau darin liegt vermutlich ein Teil der Erklärung: „Suicide Commando“ ist nicht totproduziert. Der Song kommt aus dem Underground.
No More hatten zu „Suicide Commando“ selbst offenbar ein ambivalentes Verhältnis. Andy A. Schwarz erklärte, die Band habe den Song zeitweise nicht live gespielt, auch weil sie nicht auf dieses eine Stück reduziert werden wollte. Das ist ein ziemlich klassischer Indie-Konflikt: Man schreibt den Song, der Menschen erreicht, und ärgert sich anschließend darüber, dass genau dieser Song immer wieder vor der Tür steht. Bei No More kommt hinzu, dass „Suicide Commando“ in der Studioversion eine Atmosphäre besitzt, die sich nicht einfach auf eine Bühne tragen lässt. No More veröffentlichten „Suicide Commando“ 1981, aber die eigentliche Bewegung des Songs begann nicht als sauberer Chartlauf. Andy A. Schwarz erinnerte sich, dass die Single zunächst nur einige hundert Exemplare verkauft habe und später plötzlich Fahrt aufnahm. Der Song verbreitete sich nicht über die klassische Hitmaschine,
No More stehen 2026 wieder auf kleinen und szenenahen Bühnen, etwa im Berliner Schokoladen und beim Dark Decay Festival im polnischen Poznań. No More existieren nicht nur als Sammlerobjekt. Die Musik bewegt sich weiter durch reale Räume, durch Clubs, durch Festivals. Der Berliner Schokoladen ist dabei als Ort besonders passend für No More. Am 25.Juni gibt es dort ein konzentriertes Stück Underground-Energie. Beim Dark Decay Festival in Poznań steht No More dann ein paar Tage später wieder in einem Umfeld aus Dark Wave, Post-Punk, Goth-Punk, Industrial und verwandten Spielarten dunkler Popkultur. „Suicide Commando“ ist heute 45 Jahre von seiner Veröffentlichung entfernt und wirkt trotzdem nicht wie ein freundlicher Gruß aus dem Archiv. Der Song hat bis heute seine raue Energie bewahrt. Da fliegen auch heute noch die Dr. Martens und Pogo lässt grüßen.
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