Paul McCartney
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Paul McCartney
16.07.2026

Paul McCartney, die Beatles und die 80er

Von Wings über den Mord an John Lennon bis zu „Say Say Say“ mit Michael Jackson: Paul McCartney blieb nach The Beatles nicht stehen. Aber jetzt besinnt er sich zurück.

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Warum nennt Paul McCartney The Beatles jetzt die größte Band aller Zeiten?

Paul McCartney sagte in einem TikTok-Livestream, The Beatles seien „the greatest band ever“. Der Satz ist mehr als Eigenlob: Er zeigt, wie Paul McCartney heute auf den Mythos blickt, den er selbst lange nicht so groß aussprechen wollte: „I think The Beatles were the greatest band ever… I’m a fan.“ (Ich glaube, The Beatles waren die größte Band aller Zeiten … ich bin ein Fan.)

Paul McCartney hat The Beatles damit nicht neu definiert, aber er hat etwas ausgesprochen, das von außen seit Jahrzehnten eigentlich klar ist. Paul McCartney sagte im Gespräch mit Fans auf TikTok, er sei selbst ein Fan der Beatles und halte die Band für die größte aller Zeiten.

Spannend ist, dass Paul McCartney diesen Satz so selbst sagt. Denn Paul McCartney hatte lange gute Gründe, nicht ständig mit Superlativen zu wedeln. Wer als Musiker The Beatles mitgegründet hat, braucht eigentlich keinen Pokal mehr ins Regal zu stellen.

Trotzdem war Paul McCartney nach dem Ende der Band immer auch in einer komplizierten Rolle: Einerseits war Paul McCartney einer der zentralen Songwriter der Popgeschichte, andererseits musste Paul McCartney beweisen, dass er mehr war als der freundliche Beatle. Genau in diesem Spannungsfeld wird der aktuelle Satz interessant.

Paul McCartney - Coming Up (Official Music Video)
Paul McCartney - Coming Up (Official Music Video)

Warum sagt Paul McCartney das erst jetzt?

Paul McCartney spricht heute aus einer Distanz, die früher kaum möglich war. In den Jahren nach der Trennung der Beatles war jede Aussage von Paul McCartney automatisch Teil einer Dauerverhandlung: Wer war schuld am Ende? Wer hatte den größeren Anteil an den Songs? Wer konnte solo bestehen? Wer brauchte wen? Paul McCartney musste damals nicht nur Musik machen, sondern gegen eine Erzählung antreten, in der jede neue Platte mit dem alten Maßstab vermessen wurde.

Paul McCartney sagte laut NME außerdem, dass The Beatles damals selbst nicht damit rechneten, dass der Erfolg so lange halten würde. Paul McCartney und seine Bandkollegen hätten gedacht, das Ganze könne vielleicht ein paar Jahre funktionieren. Aus heutiger Sicht wirkt das fast absurd, aber genau darin steckt der Punkt: The Beatles waren für Paul McCartney zunächst eine arbeitende Band. Eine Band mit Termindruck, Studiozeit, Streit, Ideen, Müdigkeit und dem ganz normalen Wunsch, den nächsten Song besser zu machen als den letzten.

Paul McCartney kann den Satz heute vermutlich deshalb sagen, weil der Kampf um die Deutung längst nicht mehr so laut ist wie in den 1970ern. John Lennon ist seit Jahrzehnten tot, George Harrison starb 2001, Ringo Starr und Paul McCartney sind die letzten lebenden Beatles. Aus Rivalität wurde Geschichte, aus Geschichte wurde Pop-DNA. Wenn Paul McCartney heute sagt, er sei Fan der Beatles, dann klingt das wie ein Musiker, der sich die eigenen Songs nicht mehr vom biografischen Lärm verdecken lässt.

Wings waren Paul McCartneys Neustart

Paul McCartney blieb nach The Beatles nicht einfach sitzen. Paul McCartney gründete 1971 mit Linda McCartney und Denny Laine die Band Wings. Nach The Beatles eine neue Band zu gründen, war ungefähr so, als würde man nach der Mondlandung sagen: Jetzt bauen wir mal ein ordentliches Fahrrad. Aber Paul McCartney setzte mit Wings auf ein Prinzip, das fast trotzig wirkte. Paul McCartney wollte wieder Bandgefühl, wieder unterwegs sein, wieder Songs im Verbund testen. Linda McCartney stand dabei nicht nur als Ehefrau neben ihm, sondern wurde Teil des Projekts. Denny Laine, zuvor bei The Moody Blues, wurde musikalisch wichtig für den Sound und die Stabilität von Wings. Trotzdem blieb das Grundproblem bestehen: Egal, was Paul McCartney mit Wings machte, irgendwo im Hintergrund stand immer die Frage, ob das jetzt so gut sei wie The Beatles.

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Paul McCartney & John Lennon (1978)
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Paul McCartney & John Lennon (1978)

John Lennons Tod veränderte alles

Paul McCartney wurde am 8. Dezember 1980 mit einer Realität konfrontiert, die jede Spekulation über The Beatles brutal beendete. John Lennon wurde vor dem Dakota Building in New York von Mark David Chapman erschossen. Für Paul McCartney war damit nicht nur ein früherer Bandkollege tot, sondern ein Mensch, mit dem Paul McCartney eine der prägendsten kreativen Partnerschaften des 20. Jahrhunderts geteilt hatte.

Paul McCartney und John Lennon waren Freunde, Konkurrenten, Schreibpartner, Gegenspieler und gegenseitige Antreiber. Genau daraus entstand ein großer Teil der Energie von The Beatles. Paul McCartney und John Lennon konnten einander nerven, korrigieren, herausfordern und gleichzeitig auf Ideen bringen, die allein vielleicht nie passiert wären. Paul McCartney musste nach dem Tod von John Lennon nicht mehr nur mit der Vergangenheit leben, sondern mit einer endgültig abgeschlossenen Vergangenheit. Eine Reunion der Beatles war unmöglich.

Was bedeutete John Lennons Tod für Paul McCartney?

Paul McCartney hatte Anfang der 1980er eine doppelte Aufgabe. Paul McCartney musste weiterarbeiten, während die Welt John Lennon betrauerte und The Beatles endgültig zur abgeschlossenen Legende wurden. Gerade deshalb ist die Zeit nach 1980 so interessant. Paul McCartney hätte sich in den sicheren Hafen der Vergangenheit zurückziehen können. Stattdessen veröffentlichte Paul McCartney weiter neue Musik und suchte neue Formen von Zusammenarbeit.

Paul McCartney veröffentlichte 1982 „Tug of War“, ein Album, das häufig als eine seiner stärkeren Soloarbeiten nach The Beatles gilt. Paul McCartney arbeitete dabei erneut mit George Martin, dem früheren Produzenten der Beatles, zusammen. Diese Verbindung war mehr als Nostalgie. George Martin kannte die musikalische Sprache von Paul McCartney so gut wie kaum jemand, aber die frühen 1980er waren nicht mehr die 1960er. Paul McCartney musste mit neuen Produktionsweisen, neuen Popstars und einem veränderten Publikum umgehen. Die Frage war nicht mehr: Kann Paul McCartney die Beatles fortsetzen.

Paul McCartney: From the Archive – Ebony and Ivory
Paul McCartney: From the Archive – Ebony and Ivory

Die Frage war: Kann Paul McCartney in den 80ern noch relevant sein?

Paul McCartney beantwortete diese Frage mit Pop. Paul McCartney arbeitete mit Stevie Wonder an „Ebony and Ivory“ und später mit Michael Jackson an „Say Say Say“. Diese Kollaborationen zeigen, wie bewusst Paul McCartney die Gegenwart suchte. Michael Jackson war Anfang der 1980er nicht einfach ein weiterer Duettpartner, sondern der Popstar des Jahrzehnts. Paul McCartney und Michael Jackson veröffentlichten „Say Say Say“ 1983 als Single aus dem Album „Pipes of Peace“. Der Song wurde von Paul McCartney und Michael Jackson geschrieben und von George Martin produziert. In Großbritannien erreichte „Say Say Say“ Platz 2, in den USA wurde der Song ein Nummer-1-Hit und stand sechs Wochen an der Spitze der Billboard Hot 100.

Paul McCartney war damit nicht bloß der Mann aus der Beatles-Vergangenheit, sondern wieder ein aktueller Chartfaktor. Paul McCartney profitierte bei „Say Say Say“ nicht nur vom Momentum von Michael Jackson, sondern auch von der eigenen Offenheit. Paul McCartney war Anfang der 1980er bereit, nicht nur auf seine Vergangenheit zu setzen. Der Song ist kein Beatles-Nachhall, sondern ein 80er-Popprodukt mit Funk, Glanz und Video-Ästhetik. Michael Jackson stand kurz nach „Thriller“ auf einem globalen Höhepunkt, und Paul McCartney zeigte, dass er nicht beleidigt danebenstand, sondern mitspielte.

Paul McCartney steht deshalb in dieser Geschichte an einer Schnittstelle. Hinter Paul McCartney liegt The Beatles, neben Paul McCartney stehen Wings, vor Paul McCartney steht die 80er-Popmoderne mit Michael Jackson. Der aktuelle Satz aus dem TikTok-Livestream wirkt deshalb wie ein spätes Sortieren der eigenen Biografie. Paul McCartney kann The Beatles heute feiern, ohne damit Wings kleinzumachen. Paul McCartney kann John Lennon als Teil eines verlorenen kreativen Zentrums würdigen, ohne im Stillstand zu landen. Und Paul McCartney kann „Say Say Say“ als Beleg dafür stehen lassen, dass Popgeschichte nicht an einem Jahrzehnt endet.

Paul McCartney nennt The Beatles „the greatest band ever“, und natürlich kann man darüber streiten. Fans der Rolling Stones, Queen, ABBA, Fleetwood Mac oder sogar U2 werden wahrscheinlich nicht sofort ihre Plattensammlungen abgeben. Aber Paul McCartney spricht über ein kulturelles Gewicht. The Beatles veränderten, wie Popbands schreiben, aufnehmen, auftreten und über sich selbst nachdenken konnten. Paul McCartney war nicht nur Zeuge davon, sondern einer der Hauptakteure.

Was bleibt von Paul McCartneys Satz?

Paul McCartney muss niemandem mehr beweisen, dass The Beatles groß waren, Wings ernst gemeint waren oder „Say Say Say“ ein echter 80er-Moment war. Gerade deshalb funktioniert dieser Satz so gut: Paul McCartney klingt nicht wie jemand, der sich selbst krönt, sondern wie jemand, der fast etwas erstaunt darüber ist, dass seine Band so groß werden konnte. Und das macht ihn verdammt sympathisch.

Michael Jackson & Paul McCartney - Say Say Say (Official Video)

Michael Jackson ft. Paul McCartney - Say Say Say (Official Video) [4K Remastered]
Michael Jackson ft. Paul McCartney - Say Say Say (Official Video) [4K Remastered]
Folge 220 | 06.07.2026 | 7:30

Paul McCartney und Michael Jackson - Say Say Say

Als bei Paul McCartney Weihnachten 1980 das Telefon klingelt, glaubt der Ex-Beatle zuerst an einen Fan. Doch der Anrufer will nicht einfach nur plaudern – er will mit McCartney Hits schreiben. Wenig später entsteht daraus „Say Say Say“, einer der größten Pop-Hits der 80er. Warum ausgerechnet dieser Song Jahre später eine ganz andere Bedeutung bekommt, hört ihr in meinem Podcast.

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