Ivan Doroschuk: wir waren immer gegen Konformität!
Men Without Hats sind derzeit in den USA auf Tour. Sie waren nie für Nostalgie. Frontmann Ivan Doroschuk erklärt, warum ihr bekanntester Song immer noch funktioniert.
Men Without Hats sind derzeit in den USA auf Tour. Sie waren nie für Nostalgie. Frontmann Ivan Doroschuk erklärt, warum ihr bekanntester Song immer noch funktioniert.
Manchmal reicht eine Zeile, um einen Song aus der Vergangenheit brutal ins Jetzt zu holen. „we can act like we come from out of this world - Leave the real one far behind“ ist so ein Satz. Kein Kalenderspruch, sondern eine erstaunlich nüchterne Beschreibung dessen, was vielen heute fehlt. Ivan Doroschuk, Sänger von Men Without Hats, sang das nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit einem Schulterzucken, das mehr sagt als jede Analyse. Du kannst tanzen, wenn du willst. Punkt. „We can dance if we want to“. Das ist weniger Partyparole als leise Kampfansage.
Ivan Doroschuk gründete Men Without Hats 1977 in Montreal, bevor irgendjemand wusste, was New Wave einmal sein würde. Die Band startete roh, kantig, klar im Punk verortet.
Doch Ivan Doroschuk hatte ein feines Gespür für neue Technologien. Synthesizer, frühe Computer, elektronische Sounds – all das wurde nicht als Spielzeug verstanden, sondern als Werkzeug.
Als 1982 das Album „Rhythm of Youth“ erschien, war klar: Men Without Hats waren keine Modeerscheinung. „The Safety Dance“ klang fröhlich, war aber inhaltlich erstaunlich störrisch. Wer nicht mittanzt, fliegt raus? Dann tanzen wir eben anders.
Die Geschichte hinter dem Song wurde sogar schon in der Serie South Park besprochen: Sänger Ivan Doroschuk schrieb den Song, nachdem er wegen Pogotanzen aus einer Disko geflogen war (übrigens passierte das nicht selten in den 80s).
Jedenfalls schrieb Ivan Doroschuk einen Text über Sicherheit auf Tanzflächen, und er hatte die Lacher auf seiner Seite.
Wenn Ivan Doroschuk heute über „The Safety Dance“ spricht, klingt da kein Besitzdenken mehr mit. Der Song gehört längst nicht mehr der Band, sondern den Leuten, die ihn hören.
Ivan Doroschuk beschreibt sich nun, gegenüber dem Rockmagazin Aquarian, selbst augenzwinkernd „als eine Art musikalischen Museumskurator, der ein Artefakt präsentiert, das immer noch funktioniert“.
Das ist keine Koketterie, sondern Realismus: „Der Song ist längst größer als die Band, er gehört uns irgendwie schon nicht mehr, sondern den Leuten da draußen.“ Tatsächlich; Kaum ein Song der frühen 80er wird generationenübergreifend so selbstverständlich verstanden.
In Clubs, auf Hochzeiten, in Filmen, auf YouTube – der Track ist allgegenwärtig, ohne sich abzunutzen. Er sagt nur: Mach dein Ding. Ivan Doroschuk: „wir waren schon immer gegen Konformität.“
Was Ivan Doroschuk heute umtreibt, hat erstaunlich wenig mit Synthesizern zu tun. Es geht um Anpassung. Um den subtilen Zwang, nicht aufzufallen. Um Algorithmen, die Belohnung versprechen, wenn man sich richtig verhält.
In diesem Umfeld wirkt die Botschaft von Men Without Hats fast unbeabsichtigt modern. Wer „The Safety Dance“ heute hört, hört keinen Retro-Hit, sondern eine Einladung, sich nicht dauernd selbst zu überprüfen. Oder um es mit einer Textzeile zu sagen: „You can dance if you want to - You can leave your friends behind.“ Ivan Doroschuk: „Die Aussage kommt bei den Leuten heute noch gut an.“
Nun sind Men Without Hats wieder auf US-Tour. Und sie wissen, warum die Leute zu ihren Konzerten kommen. Ivan Doroschuk macht daraus keinen Hehl. Songs wie „The Safety Dance“ oder „Pop Goes the World“ sind Fixpunkte, auf die niemand verzichten will.
Live fügen sich neue Songs fügen sich erstaunlich unauffällig ein. Das jüngste Album „Men Without Hats on the Moon“, erschienen im November 2025, klingt nicht wie der verzweifelte Versuch, relevant zu bleiben. Es klingt wie eine Band, die verstanden hat, dass ihr Sound nicht an ein Jahrzehnt gebunden ist.
Die neue Single „I Love the ’80s“ ist dabei der passende Sound für heute: „Die 80er bringen einfach eine Menge toller Erinnerungen zurück, genau davon handelt der Song“, sagt Ivan Doroschuk.
Er wollte eine „neue Hymne für eine Generation schreiben“, die ihre Erinnerungen kennt – und trotzdem weitergeht. Die 80er werden hier nicht verklärt, sondern zitiert.
Weit über 40 Jahre nach der Gründung denkt Ivan Doroschuk nicht ans Aufhören. Die Fans wollen neue Musik, die Band hat Lust darauf, und live funktionieren die Songs ohnehin.
Ivan Doroschuk wirkt dabei nicht wie ein Mann, der der Vergangenheit hinterherläuft, sondern wie jemand, der weiß, warum ein alter Song heute noch passt. Jetzt müssen die Men Without Hats nur noch eine Europatour planen!
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