Peter Byrne, Naked Eyes (2024)
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Peter Byrne, Naked Eyes (2024)
28.09.2026

Naked Eyes-Sänger Peter Byrne ist tot

Mit „Always Something There to Remind Me“ landeten Naked Eyes einen der großen Synthpop-Hits der 80er. Nach dem Tod von Sänger Peter Byrne lebt nun keiner der beiden Bandgründer mehr.

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* 9. Juni 1952; † 14. September 2026

Rest in Peace, Peter Byrne! 🕊️

Es ist einer dieser Refrains, der den Synthiepop der 80er geprägt hat: „Always Something There to Remind Me“. Peter Byrne hat diesen Song mit Naked Eyes 1983 zu einem internationalen Hit gemacht. Nun ist der Sänger und Songwriter tot. Peter Byrne starb bereits am 14. September 2026 in Los Angeles nach kurzer Krankheit. Erst zwei Wochen später wurde das nun vom Management der Naked Eyes offiziell bekannt gegeben. Er wurde 74 Jahre alt.

Peter Byrne wurde im Londoner Stadtteil Islington geboren und fand musikalisch vor allem im südwestenglischen Bath seine Heimat. Dort spielte Peter Byrne in den späten 70ern zunächst in kleineren Projekten, bevor er gemeinsam mit Keyboarder Rob Fisher in der Band Neon landete.

Diese kurze Episode wirkt aus heutiger Sicht fast wie ein besonders gut besetzter Musikschul-Kurs: Zu Neon gehörten zeitweise auch Curt Smith, Roland Orzabal, Manny Elias und Neil Taylor. Curt Smith und Roland Orzabal gründeten wenig später Tears for Fears, während Peter Byrne und Rob Fisher ihren eigenen Weg suchten.

1982 gründeten Peter Byrne und Rob Fisher schließlich Naked Eyes und unterschrieben noch im selben Jahr bei EMI. Ihr Debüt entstand mit Produzent Tony Mansfield in den Abbey Road Studios in London – also ausgerechnet an jenem Ort, an dem Popgeschichte schon damals praktisch zum Inventar gehörte. In Großbritannien erschien das Album als „Burning Bridges“, in den USA wurde es schlicht „Naked Eyes“ genannt. Peter Byrne und Rob Fisher kombinierten darauf eigenes Songwriting mit einer Coverversion, die ihre gesamte Karriere überstrahlen sollte.

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Naked Eyes - What In The Name Of Love (Official Music Video)
Naked Eyes - What In The Name Of Love (Official Music Video)

Warum war Peter Byrne in Amerika größer als zu Hause?

Mit „Always Something There to Remind Me“ schnappten sich Peter Byrne und Rob Fisher keinen unbekannten Song. Burt Bacharach und Hal David hatten das Stück bereits Anfang der 60er geschrieben, und Sandie Shaw machte daraus 1964 in Großbritannien einen Nummer-eins-Hit. Die Leistung von Peter Byrne und Rob Fisher bestand also nicht darin, einen vergessenen Schatz auszugraben. Sie nahmen vielmehr einen bekannten Popsong auseinander und bauten ihn für eine völlig andere technische und ästhetische Epoche neu zusammen.

Die Version von Peter Byrne und Rob Fisher beginnt mit synthetischen Signalen, Samples und einer Produktion, die ihre Herkunft aus dem frühen Digitalzeitalter kaum versteckt. Der Fairlight CMI, damals eine sündhaft teure Mischung aus Sampler, Synthesizer und Computer, wurde zu einem wichtigen Bestandteil des Sounds von Naked Eyes. Peter Byrne erinnerte sich 2009 im Gespräch mit dem Miami New Times, dass die Band praktisch alles an Synthesizer-Technik eingesetzt habe, was damals verfügbar war – vieles davon zunächst gemietet. Als der Fairlight auftauchte, sei es für Peter Byrne und Rob Fisher nur die logische Konsequenz gewesen, dafür ebenfalls ihr Geld auszugeben.

Für Peter Byrne zahlte sich dieser technische Aufwand vor allem in Nordamerika aus. „Always Something There to Remind Me“ erreichte 1983 Platz acht der Billboard Hot 100 und blieb dort 22 Wochen in der Hitparade. Der selbst geschriebene Nachfolger „Promises, Promises“ kam bis auf Platz elf, „When the Lights Go Out“ erreichte Platz 37, „(What) In the Name of Love“ ein Jahr später Platz 39. Das Debütalbum von Peter Byrne und Rob Fisher stieg in den USA bis auf Platz 32. Vier Top-40-Singles in zwei Jahren: Naked Eyes waren dort alles andere als ein One-Hit-Wonder.

In Großbritannien sah das Bild für Peter Byrne erstaunlich anders aus. „Always Something There to Remind Me“ kam dort lediglich auf Platz 59, „Promises, Promises“ sogar nur auf Platz 95. Die offiziellen britischen Charts führen für Naked Eyes keinen einzigen Top-40-Hit. Und in Deutschland schafften es Peter Byrne und Naked Eyes überhaupt nicht in die offiziellen Singlecharts. Dass der Song heute auch hier so vertraut klingt, sollte deshalb nicht mit einem damaligen deutschen Chart-Erfolg verwechselt werden.

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Naked Eyes - Promises, Promises (Official Music Video)
Naked Eyes - Promises, Promises (Official Music Video)

Peter Byrne wollte keine Popfigur vom Reißbrett sein

Dass Peter Byrne ausgerechnet in der Heimat von Naked Eyes weniger erfolgreich war, erklärte der Sänger später auch mit der britischen Popkultur jener Jahre. Im Interview mit dem Miami New Times sagte Peter Byrne, in Großbritannien seien Anfang der 80er ständig neue Bands aufgetaucht, während Image und Styling eine immer größere Rolle gespielt hätten. Peter Byrne und Rob Fisher hätten sich dagegen vor allem als Songwriter verstanden, die eben Synthesizer benutzten – nicht als Produkt einer modischen Szene.

Ganz ohne die neuen Bilderwelten funktionierte der Erfolg von Peter Byrne allerdings ebenfalls nicht. Gerade in den USA passte Naked Eyes perfekt in jene Phase, die später als zweite „British Invasion“ beschrieben wurde: britische New Wave- und Synthpop-Acts trafen auf ein amerikanisches Publikum, das über das junge Musikfernsehen plötzlich nicht nur Songs, sondern ganze Looks und Ästhetiken aus Großbritannien serviert bekam. Peter Byrne stand damit neben Bands wie Duran Duran oder A Flock of Seagulls für einen Sound, der im amerikanischen Radio deutlich erfolgreicher war als teilweise im eigenen Land.

Der erste Lauf von Naked Eyes dauerte erstaunlich kurz. Nach „Burning Bridges“ beziehungsweise „Naked Eyes“ veröffentlichten Peter Byrne und Rob Fisher 1984 das zweite Album „Fuel for the Fire“. Doch obwohl daraus „(What) In the Name of Love“ noch einmal die amerikanischen Top 40 erreichte, blieben die Verkäufe hinter dem Debüt zurück. Noch im selben Jahr endete die ursprüngliche Phase der Band.

Nach dem Ende von Naked Eyes arbeitete Peter Byrne weiter als Sänger und Songwriter. 1985 ist Peter Byrne unter anderem als Backgroundsänger auf „Part Time Lover“ von Stevie Wonder zu hören. Rob Fisher wiederum fand mit Simon Climie im Duo Climie Fisher erneut großen Erfolg; „Love Changes (Everything)“ wurde Ende der 80er zu einem der bekanntesten Songs des Projekts. Die gemeinsame Geschichte von Peter Byrne und Rob Fisher war damit zunächst beendet, aber nicht vergessen.

Ende der 90er arbeiteten Peter Byrne und Rob Fisher tatsächlich wieder an neuer Musik für Naked Eyes. Dazu kam es nicht mehr. Rob Fisher starb am 25. August 1999 im Alter von nur 42 Jahren nach einer Krebsoperation. Für Peter Byrne bedeutete das nicht nur den Verlust eines früheren Bandpartners, sondern des Mannes, mit dem er den charakteristischen Kern von Naked Eyes entwickelt hatte: die Verbindung aus Peter Byrnes Gesang und Rob Fishers elektronischen Arrangements. Peter Byrne machte anschließend allein weiter. 2001 erschien sein Soloalbum „The Real Illusion“, später nahm Peter Byrne auch den Namen Naked Eyes wieder auf. 2007 veröffentlichte er „Fumbling with the Covers“, 2021 folgte „Disguise the Limit“. Anders als in der ersten Phase wurde Peter Byrne mit Naked Eyes nun auch regelmäßig zu einem Live-Act, vor allem in den USA, wo die Hits aus den frühen 80ern über Jahrzehnte ihren festen Platz im Radio und bei Retro-Festivals behalten hatten.

Noch 2025 war Peter Byrne intensiv mit dem Erbe von Naked Eyes beschäftigt. Das amerikanische Debütalbum wurde neu gemastert und erweitert veröffentlicht. 

Dass Peter Byrne in Deutschland nie einen offiziellen Chart-Hit hatte, macht „Always Something There to Remind Me“ nicht kleiner – eher interessanter. Manche Songs brauchen keine deutsche Top-10-Platzierung, um Jahrzehnte später selbstverständlich zum Sound einer Epoche zu gehören. Peter Byrne hat aus einem ohnehin großartigen Popsong eine Version gemacht, die niemand mit den 60ern verwechselt. Und so bleibt bei Peter Byrne tatsächlich immer etwas, das an ihn erinnert. Ganz so, wie es der Song seit den 80ern verspricht.

Naked Eyes - Always Something There To Remind Me (Official Music Video)

Naked Eyes - Always Something There To Remind Me (Official Music Video)
Naked Eyes - Always Something There To Remind Me (Official Music Video)

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