Extrabreit - Polizisten

Extrabreit - Polizisten
Extrabreit - Polizisten

Extrabreit "Polizisten"

Jahr: 1981
Länge: 5:22
Album: Welch ein Land! – Was für Männer!
Label: Reflektor Z

Extrabreit "Polizisten" aus dem Jahr 1981

"Polizisten" von Extrabreit wird zwar, wie auch weitere Hits der Band ("Hurra, Hurra, Die Schule Brennt") der Neuen Deutschen Welle zugeordnet, ist musikalisch aber teilweise viel rockiger, als für das Genre typisch. Auch sonst kann man den Extrabreit-Hit schwer greifen. Schon die Tatsache, dass der Song 30 Sekunden Basslauf zelebriert, bis Kai Havaii seinen Gesang beginnt, ist in der heutigen Zeit vollkommen undenkbar. Der Refrain setzten erstmalig nach satten zwei Minuten ein, auch nicht grade nach dem Rezept für einen klassischen Radiohit. Extrabreit verstanden sich auch eher als Punks, die eher zufällig von der Neuen Deutschen Welle profitierten.

Obwohl der Text in keinem Wort explizit politisch ist, wurde "Polizisten" als linksextrem eingestuft. Bayerns Ministerpräsident Franz-Josef Strauß erwirkte persönlich ein Sendungsverbot im Bayerischen Rundfunk. Extrabreit hat sich nie als politische Band verstanden, eher als gesellschaftskritisch, auch heute wird das von Mitgliedern der Band in Interviews stets betont. Zwar wird eine Datenerfassung durch die Polizei thematisiert, aber nicht explizit kritisiert. Zudem singen Extrabreit, dass die Anzahl der Polizisten täglich steigt, aber beziehen auch dazu keine deutlich kritische Stellung. Insofern ist es eher der Subtext und der teilweise hysterische Gesang von Kai Havaii, der "Polizisten" zur Punk-Hymne macht. Aber auch die Anti-Atomkraft-Demos, von der Staatsgewalt teilweise heftig bedrängt, spielten den Extrabreit-Song gerne und häufig.

Obwohl 1981 veröffentlicht, ging "Polizisten" erst 1982 in die Charts und hielt sich dort fast ein halbes Jahr. Allerdings war die höchste Platzierung nur 27. Zu dieser Zeit wurden Extrabreit von der Polizei für den Hit drangsaliert. Denn "Polizisten" traf in einer Zeit von RAF-Terror und wachsender Überwachung durchaus den Nerv der Zeit. Kai Havaii beschreibt die Situation in seiner Heimatstadt im Interview mit der dortigen Tagespresse:

Das kam bei der Polizei nicht gut an. Ich und meine Bandmitglieder wurden in Hagen immer wieder mal abgepasst wegen Alkohol am Steuer und so. Dann hieß es immer: Das habt ihr euch verdient mit eurem Scheißlied.

Allerdings hat sich die Situation gewandelt. Etwas amüsiert fügt Kai Havaii hinzu: "Heute kommen Polizisten hinter die Bühne und machen Selfies mit uns".

Joachim Witt mit Goldener Reiter

NDW

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