Men At Work: John Rees, Jerry Speiser, Colin Hay, Ron Strykert & Greg Ham (1982)
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Men At Work: John Rees, Jerry Speiser, Colin Hay, Ron Strykert & Greg Ham (1982)
13.03.2026

So zerbrach der große MTV-Traum für Men at Work

Auch 40 Jahre nach dem Split von Men At Work zeigt eine neue Royalty-Schlacht um Ron Strykert, dass bei der australischen Band bis heute keine Ruhe eingekehrt ist.

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Warum lösten sich Men at Work 1986 auf und worum streitet Ron Strykert heute?

Men at Work zerfielen nicht erst nach dem dritten Album, sondern schon während der Arbeit an „Two Hearts“: Mehrere Mitglieder waren vor oder mitten in den Sessions weg, am Ende tourten nur noch Colin Hay und Greg Ham. Das macht die Auflösung 1986 weniger zum Ende – und mehr zum letzten Akt eines langen Zerfalls.

Men At Work - Who Can It Be Now? (Video Version)
Men At Work - Who Can It Be Now? (Video Version)

Der Moment, in dem für Men At Work alles kippte

Oft ist das Ende einer Band nicht dieser eine große Knall, sondern eine Reihe kleiner Risse, die niemand rechtzeitig ernst nimmt. Bei Men at Work klingt „Auflösung 1986“ deshalb fast zu aufgeräumt – als hätte sich eine der größten MTV-Bands der frühen 80er einfach ordentlich verabschiedet, Handschlag, fertig. In Wirklichkeit war das Ding schon Jahre vorher am Wackeln, und spätestens beim dritten Album lief es eher wie ein Unternehmen mit Kündigungswelle als wie eine Band. Colin Hay stand dabei im Zentrum – nicht als Bösewicht, sondern als der Mann, auf den alles zulief.

Wer sich „Two Hearts“ heute anhört, könnte denken: solide, erwachsen, weniger poppig als „Business as Usual“, aber immer noch klar erkennbar Men at Work. Immerhin hat das zweite Album noch fast die Hälfte der Verkaufszahlen von „Business as Usual“ erreicht, und das ohne Hits wie „Who Can It Be Now“ .

Aber: „Two Hearts“ ist das Dokument einer Implosion. Es erschien im April 1985 – aufgenommen zwischen September 1984 und Februar 1985 – und schon die Produktionsphase liest sich wie ein Protokoll einer Gruppe, die sich gegenseitig nicht mehr aushält. Jerry Speiser (Drums) und John Rees (Bass) waren schon vor der Produktion raus, und Gitarrist Ron Strykert stieg während der Sessions aus. Am Ende blieb live de facto ein Kern-Duo übrig: Colin Hay und Greg Ham als Men at Work, die mit Gastmusikern tourten.

 Der klassische Mythos lautet: Geld, Ruhm und Erfolg zerstören Bands. Bei Men at Work war es eher die Erkenntnis, dass Erfolg plötzlich eine Hierarchie sichtbar macht, die vorher im Proberaum leichter wegzulächeln war. Spätestens nach dem riesigen Debüt wurde klar, wer in dieser Band das kreative Gewicht trägt. Colin Hay war Stimme, Gesicht und Songwriting-Motor – und aus der Sicht von außen war das vermutlich völlig logisch. Ganz ehrlich: wer dachte damals nicht, das sein ein Soloprojekt von Colin Hay, einem Man at work? Zumnidest in ihrrer Heimat Australien waren der Zoff aber offen zu erkennen: Wer entscheidet? Wer kriegt Anerkennung? Wer bestimmt, wie es weitergeht?

Als Men at Work 1984 eine Pause machte und später wieder zusammenkam, trafen genau diese offenen Fragen auf neue Spannungen. Laut Hintergrundinfos zu „Two Hearts“ eskalierten beim Wiederzusammenfinden die Reibungen über Songwriting und Management – und führten zum Split mit Jerry Speiser. Wenn dann auch John Rees schon nicht mehr dabei ist und Ron Strykert während der Aufnahmen geht, ist die Erzählung ziemlich eindeutig: Die Band war nicht mehr in der Lage, sich auf einen gemeinsamen Kurs zu einigen – nicht mal auf den, der sie erfolgreich gemacht hatte.

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Men At Work - Everything I Need (Official Music Video)
Men At Work - Everything I Need (Official Music Video)

Warum war das dritte Men at Work-Album der Auslöser für die Auflösung?

Es ist die ewige Pop-Geschichte: „Das dritte Album kam schlecht an, also war’s das.“ Das ist zu simpel. „Two Hearts“ ist eher der Beweis, dass die Auflösung nicht erst nach einem Flop begann – sie war bereits Teil der Men at Work-Produktionsrealität. Das Album wurde sogar von Colin Hay und Greg Ham produziert.

Typisch: Wenn eine Band anfängt, sich intern zu entkoppeln, übernehmen am Ende Wenige das Steuer – und der Rest verschwindet. Genau deshalb fühlte sich der offizielle Split vor 40 Jahren später weniger wie eine Überraschung an, sondern wie das Ende eines Prozesses, der längst in Gang war. Man muss sich das vorstellen: Während Men at Work-Fans noch diskutierten, ob „Cargo“ sogar die beste Platte sei, war das Fundament der Band im Hintergrund längst weg. Colin Hay war bereits in der Rolle, in der er am Ende zwangsläufig landen musste: als Solokünstler im Bandgewand.

Dass Men at Work im Januar 1986 auseinanderbrachen, steht auch so in Biografien von Colin Hay – Und genau hier steckt diese komische Unlogik der Men-at-Work-Story: Sie hatten nicht nur ein erfolgreiches Debüt. Sie hatten auch einen starken Nachfolger. Und trotzdem war das Ganze schneller vorbei als viele One-Hit-Wonder. Nicht weil das Publikum sie sofort fallen ließ, sondern weil das Innenleben nicht stabil genug war, um die Maschine weiterlaufen zu lassen. Während der Bandname verschwand, verschwand Colin Hay nicht. Im Gegenteil: Colin Hay war erstaunlich schnell wieder am Start. Anfang 1987 erschien seine erste Solo-Single „Hold Me“, und im Januar 1987 folgte das Album „Looking for Jack“. Das ist ziemlich genau ein Jahr nach dem Ende von Men at Work.

Für die Geschichte von Men at Work ist das ein zentraler Punkt, weil er die Konfliktlinie rückblickend noch schärfer macht. Wer im Bandgefüge ohnehin schon als „der Chef“ wahrgenommen wurde, wirkt nach so einem Solo-Start erst recht wie derjenige, der sich einfach absetzt. Ob das fair ist, ist eine andere Frage. Aber es erklärt, warum man diese Auflösung nicht romantisieren sollte: Da ging es nicht nur um Kunst, da ging es um Rollen, Egos und das Gefühl, austauschbar zu sein.

Men At Work - Overkill (Official Video)
Men At Work - Overkill (Official Video)

40 Jahre später: Was ist die Band Men At Work noch wert?

Vierzig Jahre später hätte man denken können, die Geschichte sei abgeschlossen: zwei große Alben, ein drittes als Abgesang, ein später Solo-Weg von Colin Hay. Aber Men at Work sind – wie viele Bands mit riesigen Hits – längst ein Fall für Gerichte. Die australische ABC berichtete im 2025, dass Ron Strykert versucht, Royalties aus den großen Men at Work-Songs zurückzuholen. Der Kern: Ron Strykert erhielt 2007 eine große Auszahlung. Und gab im Gegenzug seine Royalty-Rechte ab.

Das ist ein sehr modernes Thema: Katalogrechte als Vermögenswert, Deals gegen sofortiges Geld, spätere Reue, komplizierte Vertragsketten. Dass ausgerechnet Ron Strykert hier im Fokus steht, ist dabei fast ironisch: Der Mann, der in den 80ern mitten im Chaos ausstieg, kämpft jetzt darum, vom Erfolg der Hits wieder einen Anteil zu bekommen. Und das zeigt, wie lange der Schatten einer Bandkarriere sein kann – selbst, wenn die Band selbst längst Geschichte ist.

Wir meinen: Man kann Men at Work als „MTV-One-Moment-Band“ abtun, aber die eigentliche Story ist viel härter. Bei Colin Hay und Ron Strykert sieht man bis heute, wie lange und bitter die großen Momente nachwirken.

Men At Work - Down Under (Official Video)

Men At Work "Down Under"
Men At Work "Down Under"
Folge 79 | 23.10.2023 | 7:20

Men at Work - Down Under

"Down Under" ist sowas wie die inoffizielle, australische Nationalhymne. Ein unglaublicher Erfolg für “Men at Work”. Doch fast 30 Jahre nach Erscheinen des Liedes steht die Band wegen des Liedes plötzlich vor Gericht standen. Was ein australischer Vogel und eine Quizshow-Frage damit zu tun haben, hört ihr in dieser Folge.

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