Zum Tod von Bettina Köster: Mark Reeder erinnert sich
Mark Reeder, der Host von unserem Podcast "The Story / Depeche Mode" war in den 80s der Manager von Malaria!, der Band von Bettina Köster. Im Gespräch mit 80s80s blickt er auf diese Zeit zurück.
Mark Reeder, der Host von unserem Podcast "The Story / Depeche Mode" war in den 80s der Manager von Malaria!, der Band von Bettina Köster. Im Gespräch mit 80s80s blickt er auf diese Zeit zurück.
Eine zufällige Begegnung im Plattenladen, ein verpasstes erstes Konzert und dann dieser eine Abend in einem kleinen Kino in Schöneberg, der alles verändert. Dort zeigt sich eine Band, die mit allen Erwartungen bricht: roh, unkonventionell, elektrisierend. Genau dieser Moment wird zum Ausgangspunkt für eine besondere Verbindung und für eine Geschichte, in die man unbedingt tiefer eintauchen will.
Als Mark Reeder Ende der 1970er aus Manchester nach West-Berlin kam, tauchte er sehr schnell in genau jene Szene ein, in der sich auch Bettina Köster bewegte: SO36, Risiko, Künstlerwohnungen, besetzte Häuser, die gesamte frühe West-Berliner Post-Punk- und Avantgarde-Blase. In dieser Phase war Köster zunächst mit Mania D. aktiv, der 1979 gegründeten Berliner All-Female-Undergroundband, aus der später Malaria! hervorging. Mark Reeder wurde erst Tontechniker, später Manager der Band.
Aus dem Ende einer Band entsteht etwas völlig Neues: Malaria! Was zunächst nach Auflösung klingt, wird schnell zum Anfang einer besonderen Konstellation mit internationalen Einflüssen, ungewöhnlichen Begegnungen und einer Energie, die sich nicht einordnen lässt. Schritt für Schritt formiert sich eine Gruppe, die ihren eigenen Weg geht. Und mittendrin entwickelt sich eine Rolle, die so nie geplant war, aber plötzlich entscheidend wird.
Mark Reeder fungierte als wichtige Schnittstelle zwischen West-Berlin und Großbritannien . Er war der deutsche Repräsentant von Factory Records und half dabei, Berliner Acts und die lokale Szene in einen internationalen Post Punk-Zusammenhang einzuordnen. Für Bettina Köster und Malaria! war das wichtig, weil die Band genau in diesem Spannungsfeld zwischen Berliner Experiment, New Wave und internationaler Wahrnehmung stand. Mark Reeder war also nicht einfach nur „dabei“, sondern ein Mittler, der das Umfeld, in dem Köster arbeitete, mit nach außen öffnete.
Zwei Frauen stellen alles infrage und verändern damit eine ganze Szene. Was zunächst wie Widerstand gegen Konventionen wirkt, entpuppt sich als Initialzündung für etwas völlig Neues in Berlin. Statt sich anzupassen, brechen sie bewusst mit Regeln und schaffen Raum für andere Formen von Musik und Ausdruck. Ihr Einfluss reicht weit über ihre Zeit hinaus und wirkt bis in die heutige Clubkultur nach.
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