Heaven 17 kommen nach Deutschland
Heaven 17 spielen im November 2026 neun Deutschland-Shows. Die Tour heißt „Electronically Yours“ und genau das verrät ziemlich gut, was Fans erwarten dürfen.
Heaven 17 spielen im November 2026 neun Deutschland-Shows. Die Tour heißt „Electronically Yours“ und genau das verrät ziemlich gut, was Fans erwarten dürfen.
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Heaven 17 kommen vom 6. bis 16. November 2026 für neun Konzerte nach Deutschland. Die Tour zeigt, wie stark 80er-Synthpop heute wieder als Club- und Theaterereignis funktioniert. Heaven 17 nennen ihre Deutschland-Tour 2026 „Electronically Yours“ und nein, das klingt nicht nach einer Band, die mit acht Gitarrenwechseln und einem Bassisten anreist. Es klingt nach Synthesizern und einem Abend an dem Glenn Gregory und Martyn Ware ziemlich genau wissen dürften, warum die Menschen gekommen sind… Wegen Songs, die immer noch zwischen Club, Pop, Politik und ziemlich elegantem 80er-Design stehen.
Heaven 17 sind in Großbritannien ein deutlich größerer kultureller Marker als in Deutschland, aber diese Tour ist nicht überambitioniert gebucht. Sie ist eher ein ziemlich sauber gesetzter Test: Wie groß ist das deutsche Publikum für britischen Synthpop, wenn der Act nicht Depeche Mode, Pet Shop Boys oder The Human League heißt?
Heaven 17 entstanden 1980 in Sheffield, also nicht gerade in einer Gegend, die damals nach Hochglanzpop und Champagner roch. Martyn Ware und Ian Craig Marsh kamen aus The Human League, gründeten nach dem Bruch mit dieser Band zunächst die British Electric Foundation und holten Glenn Gregory als Sänger dazu. Auf der offiziellen Bandgeschichte wird Heaven 17 sogar ausdrücklich aus der Idee heraus erklärt, dass die British Electric Foundation weniger eine klassische Band als ein Projektbaukasten war. Das ist wichtig, weil Heaven 17 von Anfang an nicht wie eine normale Popgruppe gedacht waren. Martyn Ware, Ian Craig Marsh und Glenn Gregory bauten Pop eher wie ein Konzept: Elektronik, Funk, Kapitalismuskritik, Mode, Studioarbeit, Charts.
Was steckt hinter dem Titel der Tour „Electronically Yours“? Heaven 17 verkaufen mit „Electronically Yours“ kein Rockband-Versprechen, sondern genau ihre DNA. Martyn Ware war schon bei The Human League einer der Köpfe hinter einer Idee von Pop, die aus Maschinen, Sequencern und Studiotechnik kam. Glenn Gregory brachte dazu jene Stimme, die aus cleveren Arrangements Songs machte, die nicht nur interessant, sondern auch radiofähig waren. Heaven 17 werden bis heute zuerst mit „Temptation“ verbunden. Das ist Fluch und Segen zugleich. Für viele ist der Song der direkte Einstieg, für andere der eine Titel, den sie sicher kennen, bevor ihnen „Penthouse and Pavement“, „Let Me Go“, „Come Live With Me“, „Crushed by the Wheels of Industry“ oder „Play to Win“ wieder einfallen.
Heaven 17 haben in Großbritannien eine andere Fallhöhe als in Deutschland. Im UK-Kontext sind Glenn Gregory und Martyn Ware eng mit der Geschichte von Sheffield, The Human League, elektronischem Pop und politisch grundiertem New Wave verbunden. Heaven 17 spielen in Deutschland nicht in zu großen Hallen, sondern in Venues, die zum Profil der Band passen. Hamburg mit der Großen Freiheit 36, Berlin mit dem Columbia Theater, Frankfurt mit der Batschkapp. Glenn Gregory und Martyn Ware müssen dort keine Massenbewegung auslösen, sondern ein Publikum erreichen, das zwischen 80s-Fans, Synthpop-Leuten, Wave-Sozialisierten und Popgeschichts-Nerds sitzt. München, Bremen oder Münster könnten anspruchsvoller werden, aber die Tour wirkt nicht größenwahnsinnig. Wenn Heaven 17 pro Stadt ein paar hundert bis gut tausend Menschen ziehen, kann das funktionieren. Gerade weil die Produktion vermutlich schlank bleibt, muss nicht jeder Raum bis zur letzten Ecke aussehen wie ein ausverkauftes Wembley für Synthesizer. Heaven 17 treten aktuell nicht einfach als klassisches Trio auf. Ian Craig Marsh ist nicht mehr Teil der heutigen Kernbesetzung, die öffentliche Kommunikation dreht sich um Glenn Gregory und Martyn Ware. Das heißt aber nicht automatisch, dass live nur zwei Personen auf der Bühne stehen. Ein Bericht von Brighton and Hove News über ein Konzert von Heaven 17 im Mai 2025 beschreibt etwa die Backing-Sängerinnen Rachel Meadows und Hayley Williams, die bei einem Song von ihren Positionen an der Seite nach vorne zu Glenn Gregory kamen. Ein Mitschnitt auf YouTube aus Cambridge 2025 nennt neben Martyn Ware und Glenn Gregory auch Florence Sabeva, Hayley Williams und Rachel Meadows. Das sieht eher nach einer kompakten Live-Formation aus: elektronisch geführt, mit Stimmen ergänzt, aber ohne große Rockband-Inszenierung.
Heaven 17 hatten früh einen politischen Unterton, ohne ihre Songs wie Flugblätter klingen zu lassen. „(We Don’t Need This) Fascist Groove Thang“ gehört zu den deutlichsten Beispielen. Laut der offiziellen Bandgeschichte entstand der Song Ende 1980 sehr schnell und wurde später auch wegen seines Bezugs auf die damalige politische Lage diskutiert. Ein Bericht von Brighton News erinnert daran, dass der Song von der BBC wegen rechtlicher Sorgen im Zusammenhang mit Ronald Reagan nicht gespielt wurde und knapp die Top 40 verfehlte. Martyn Ware, Ian Craig Marsh und Glenn Gregory hatten damit früh gezeigt, dass elektronische Popmusik nicht unpolitisch sein musste. Der Groove war da, die Haltung auch. Heaven 17 dürften in Deutschland vor allem ein Best-of-Set spielen, das die großen Fixpunkte nicht auslässt. „Temptation“ wird kaum fehlen, „Let Me Go“ gehört fast zwingend dazu, „Penthouse and Pavement“ ist als Titel und Song für die Bandgeschichte zentral, und „(We Don’t Need This) Fascist Groove Thang“ bleibt der politische Urknall.
Heaven 17 scheinen in Deutschland besonders dort gut zu passen, wo Clubkultur, 80er-Publikum und Popgeschichte ineinandergreifen. Bei Eventim sind für Bochum und Köln Hinweise auf hohe Nachfrage zu sehen. Das ist noch keine ausverkaufte Tour und kein Beweis für einen deutschen Heaven 17-Boom, aber es passt zum Gefühl: Ruhrgebiet und Rheinland können bei solchen Acts funktionieren, weil dort ein dichtes Konzertpublikum mit kurzer Anreise zusammenkommt. Glenn Gregory und Martyn Ware brauchen keine bundesweite Massenhysterie, sondern neun Abende mit ausreichend vielen Menschen, die verstehen, warum „The Luxury Gap“ nicht nur ein Albumtitel, sondern ein ziemlich gutes Bild für Pop im Kapitalismus ist. Klingt sperrig, tanzt aber besser, als der Satz vermuten lässt. Heaven 17 sind 2026 kein Nostalgie-Act im ganz simplen Sinn. Glenn Gregory und Martyn Ware verkaufen natürlich Erinnerung, keine Frage. Aber sie verkaufen auch eine Arbeitsweise, die im Pop wieder sehr gegenwärtig ist. Elektronik ist heute kein Sonderfall mehr, sondern Normalzustand. Genau deshalb wirken Heaven 17 weniger altmodisch als manche Gitarrenband aus derselben Zeit. Oder, um es mit einer kurzen Zeile aus „Temptation“ zu sagen: „Keep climbing higher and higher.“ Nicht gleich in die Arena vielleicht. Aber in die richtigen Clubs.
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