Das neue Remaster, betreut in den Abbey Road Studios, holt „Songs to Remember“ klanglich ins Jahr 2026, ohne den Charakter zu glätten. Green Gartside begleitete den Prozess selbst. Für Green Gartside ging es nicht darum, die Platte zu modernisieren, sondern sie so klingen zu lassen, wie sie ursprünglich gedacht war – klarer, direkter, weniger dumpf als viele der alten Pressungen. „Songs to Remember“ ist kein lupenreines Post-Punk-Album mehr, aber auch noch kein Hochglanz-Pop. Genau diese Zwischenposition macht das Werk so spannend. Green Gartside tastet sich hörbar an eine neue Ästhetik heran, die später auf „Cupid & Psyche 85“ perfektioniert wurde. Wer Scritti Politti nur über „Wood Beez“ oder „Perfect Way“ kennt, hört hier eine Band im Übergang. In dieser Phase löste sich das ursprüngliche Kollektiv langsam auf. Tom Morley war zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr Teil der Band, und Green Gartside entwickelte Scritti Politti zunehmend zu einem Projekt mit wechselnden Musikern. Dieser Wandel ist auf „Songs to Remember“ bereits spürbar. Die Songs sind tighter, die Produktion bewusster, der Wille zur Popform klar erkennbar.
Ist das nur etwas für Sammler?
Natürlich werden Vinyl-Sammler zugreifen, das ist absehbar. Aber die Reissue ist mehr als ein hübsches Objekt für das Regal. Und wer zudem verstehen will, warum Green Gartside später Pop auf so elegante Weise dekonstruieren konnte, muss hier ansetzen. Rückblickend lässt sich sagen, dass „Songs to Remember“ die Koordinaten für alles setzte, was folgte. Green Gartside bewies hier erstmals, dass intellektuelle Reflexion und eingängige Melodie keine Gegensätze sein müssen. Diese Haltung zog sich durch die gesamte Karriere von Scritti Politti, auch durch spätere Werke wie „Provision“ oder „Anomie & Bonhomie“. Die Wiederveröffentlichung von „Songs to Remember“ ist kein nostalgischer Blick zurück, sondern eine Erinnerung daran, dass Pop auch klug sein darf.