Blue Monday, aber bitte mit New Order
Der dritte Montag im Januar heißt „Blue Monday“. Warum dieser Tag als besonders schwer gilt und weshalb New Orders „Blue Monday“ damit nur dem Namen nach verbunden ist.
Der dritte Montag im Januar heißt „Blue Monday“. Warum dieser Tag als besonders schwer gilt und weshalb New Orders „Blue Monday“ damit nur dem Namen nach verbunden ist.
Die Idee vom Blue Monday geht auf den britischen Psychologen Cliff Arnall zurück. Er entwickelte 2005 sogar eine Formel, mit der sich der angeblich traurigste Tag des Jahres berechnen lassen soll:
[W + (D–d)] × TQ ÷ [M × Na]. W steht für schlechtes Wetter, D für Schulden, von denen das Januargehalt (d) abgezogen wird. Multipliziert wird das mit T, der Zeit seit Weihnachten, und Q, den bereits verworfenen Neujahrsvorsätzen. Geteilt wird das Ergebnis durch M für Motivation und Na, das Gefühl, wieder aktiv werden zu müssen.
Laut Arnall fällt der Blue Monday damit jedes Jahr auf den dritten Montag im Januar. Das Problem: Die Formel funktioniert nur auf dem Papier. Es fehlen Maßeinheiten, Vergleichswerte und jede wissenschaftliche Überprüfbarkeit. Heute gilt sie als Pseudowissenschaft, ursprünglich verbreitet im Umfeld einer Marketingkampagne.
Und trotzdem hat sich der Begriff gehalten. Vielleicht, weil er etwas bündelt, das viele kennen. Der Januar ist karg, die Feiertage sind vorbei, der Alltag läuft wieder an, Licht bleibt knapp. Der Montag verstärkt dieses Gefühl. Nicht dramatisch, aber spürbar. Der Blue Monday ist damit weniger ein messbarer Tiefpunkt als ein kulturelles Etikett für winterliche Erschöpfung.
Als Gillian Gilbert, Peter Hook, Stephen Morris und Bernard Sumner von New Order 1983 „Blue Monday“ veröffentlichten, ging es nicht um den dritten Montag im Januar.
Die Band hat nie viel über die Bedeutung ihrer Songtexte gesprochen. Konkrete Deutungen oder Erklärungen gab es nie. Man kann also interpretieren , bleibt am Ende aber immer auf sich gestellt. Schaut man sich die Lyrics von "Blue Monday" an, wird allerdings schnell klar, dass sie mit dem heutigen Blue Monday wenig zu tun haben. Es geht nicht um Jahreszeiten, nicht um Winter, nicht um einen kollektiven Stimmungstiefpunkt.
Ganz ohne Verbindung ist der Song trotzdem nicht. Musikalisch trägt „Blue Monday“ eine gewisse Melancholie in sich. Und die immer wiederkehrende Frage „How does it feel?“ passt natürlich zu einem Tag, an dem viele kurz innehalten und ihre Stimmung prüfen.
Aber genau hier enden die Parallelen auch schon. Der Text beschreibt keinen schlechten Tag, sondern einen Moment der Unsicherheit. Jemand beobachtet, wartet, lässt Dinge geschehen. Ein Schiff liegt im Hafen, ein Weg führt Richtung Strand. Bewegung ist da, aber kein klares Ziel.
Musikalisch wird dieser Zustand noch deutlicher. Der Beat läuft stoisch durch, die Synthesizer bleiben kühl, die Stimme nüchtern. „Blue Monday“ ist kein trauriger Song im klassischen Sinn, sondern ein kontrollierter, leicht unterkühlter Zustand.
Vielleicht funktioniert er deshalb bis heute an diesem Januarmontag. Nicht, weil er ihn erklärt. Sondern weil er zeigt, dass man nicht jedes Gefühl einordnen muss, um weiterzugehen.
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