Am Song selbst wird sich nichts ändern. "I'm On Fire" wird weiter laufen, weiter gecovert werden und weiter in Filmen auftauchen. Er ist zu ikonisch, zu atmosphärisch, zu stark gebaut. Aber das Image des Songs verschiebt sich ein Stück.
Pete Holmes liefert eine Art kulturellen Spiegel. Sein Clip ist keine investigative Enthüllung, sondern ein popkultureller Reminder: Manche Dinge, die früher als sexy galten, klingen heute eher wie ein Warnhinweis.
Warum trifft ausgerechnet Pete Holmes den Nerv?
Weil Pete Holmes nicht wie ein moralischer Zeigefinger wirkt. Er ist kein Aktivist, kein Politiker, kein Journalist. Er ist ein Comedian, der mit der typischen Mischung aus Albernheit und Klartext auf etwas zeigt, das viele unbewusst schon mal gedacht haben, aber nie ausgesprochen hätten. Das ist ein Trick, den Comedy seit Jahrzehnten beherrscht: Das Publikum lacht – und merkt zwei Sekunden später, dass es gerade über etwas Unangenehmes gelacht hat. Und dann passiert das, was Social Media immer passieren lässt: Menschen springen rein. Einige verteidigen Bruce Springsteen leidenschaftlich, andere feiern Pete Holmes als jemand, der endlich ausspricht, was „offensichtlich“ sei. Dazwischen stehen viele, die einfach nur denken: „Ich liebe den Song, aber… ja, das ist schon weird.“
Man kann Bruce Springsteen verteidigen, ohne so zu tun, als sei "Hey, little girl" heute noch eine charmante Eröffnung. Und man kann über Pete Holmes lachen, ohne daraus gleich eine Cancel-Kampagne zu machen. Der Song bleibt ein Klassiker, aber der Text bleibt eben auch ein Text.
In diesem Zusammenhang kursieren online auch Verweise auf die sogenannten Epstein-Dokumente, in denen zahlreiche prominente Namen auftauchen. Für diese Debatte um "I'm On Fire" spielt das jedoch keine Rolle. Die bloße Erwähnung von Bruce Springsteen in umfangreichen Dokumentensammlungen ist kein Beleg für Fehlverhalten – und hat mit der inhaltlichen Kritik am Songtext hier nichts zu tun.