The Knack live? Nur mit Abstrichen!
Prescott Niles bringt „My Sharona“ nach Las Vegas. Aber die Geschichte dahinter ist längst eine andere.
Prescott Niles bringt „My Sharona“ nach Las Vegas. Aber die Geschichte dahinter ist längst eine andere.
The Knack landeten 1979 mit „My Sharona“ einen der größten Power-Pop-Hits der 80er-Übergangszeit; der Song hielt sich sechs Wochen auf Platz 1 der US-Charts und machte die Band schlagartig weltberühmt. Ein Klassiker mit bis heute hoher Wiedererkennbarkeit.
Der Basslauf sitzt, das Riff zündet sofort, und irgendwo im Kopf läuft „My Sharona“ automatisch mit. Prescott Niles weiß genau, dass genau dieser Moment auch 2026 noch funktioniert. Wenn Prescott Niles jetzt einen Auftritt in Las Vegas ankündigt, dann ist klar: Die Leute kommen wegen genau dieses Songs. Und sie bekommen ihn auch.
Aber sie bekommen eben nicht mehr The Knack, wie sie einmal waren. Denn das, was unter dem Namen unterwegs ist, hat mit der ursprünglichen Energie von damals nur noch bedingt zu tun. Prescott Niles steht auf der Bühne, spielt die Songs, hält das Erbe am Leben. Doch das Gefühl, das viele mit The Knack verbinden, stammt aus einer ganz anderen Zeit – und aus einer ganz anderen Besetzung.
Um zu verstehen, warum Prescott Niles heute mit einem eigenen Projekt unterwegs ist, lohnt sich der Blick zurück. Doug Fieger, Frontmann und Stimme von The Knack, war der zentrale Faktor für den Erfolg der Band. Ohne Doug Fieger wäre „My Sharona“ nie dieser weltweite Hit geworden. Nach dem ersten Höhenflug zwischen 1979 und 1980 zerfiel The Knack relativ schnell. Zwar gab es später Reunions, bei denen Doug Fieger und Prescott Niles gemeinsam auf der Bühne standen, doch der große Moment ließ sich nie wiederholen.
Als Doug Fieger 2010 starb, war klar: Das Kapitel The Knack ist endgültig abgeschlossen. Für Prescott Niles bedeutete das aber nicht das Ende seiner Karriere.
Im Gegenteil. Prescott Niles blieb aktiv, spielte weiter, arbeitete mit anderen Bands und Projekten – unter anderem mit Missing Persons. Der klassische Weg eines Musikers, der nicht nur für einen Hit stehen will, sondern für ein ganzes Berufsleben.
Wenn Prescott Niles heute unter dem Namen Prescott Niles’ The Knack auftritt, dann ist das eine bewusste Entscheidung. Der Name trägt Gewicht, aber er wird gleichzeitig neu eingeordnet. Im Juni 2026 gab es einen Auftritt in Las Vegas. Ein Ort, der perfekt zu diesem Kapitel passt. Las Vegas ist nicht mehr das Zentrum für neue Pop-Geschichten, sondern für das Weiterleben alter Hits.
Genau hier setzt Prescott Niles an. Er bringt die Songs zurück auf die Bühne, ohne so zu tun, als wäre das noch die originale Band. Das Publikum weiß das. Und kommt trotzdem. Für viele ist das keine Enttäuschung, sondern ein Deal: Ihr bekommt die Songs, die Ihr kennt, live gespielt von jemandem, der damals dabei war. Aber Ihr bekommt eben nicht mehr die komplette Geschichte von The Knack.
Kann man das noch The Knack nennen? Diese Frage stellt sich automatisch. Denn der Name ist geladen – mit Erwartungen, Erinnerungen und einer ganz bestimmten Energie. Prescott Niles nutzt ihn, aber er verändert ihn auch bewusst. Das „’s“ im Projektnamen ist kein Zufall, sondern ein Hinweis: Hier steht jemand aus der Originalband auf der Bühne, aber eben nicht die ganze Band. Das unterscheidet dieses Projekt zumindest von klassischen Tribute-Bands.
Prescott Niles ist kein Ersatz, sondern Teil des Originals. Trotzdem bleibt die Lücke, die Doug Fieger hinterlassen hat, unübersehbar. Und genau das macht den Unterschied aus. Auch musikalisch ist klar: Der Sound funktioniert immer noch. „My Sharona“ ist zeitlos genug, um auch Jahrzehnte später noch zu zünden. Aber die Chemie einer Band lässt sich nicht einfach rekonstruieren. Prescott Niles kann den Song spielen – aber nicht die Dynamik von damals zurückholen.
Das Publikum für solche Shows ist klar definiert. Viele kommen wegen der Erinnerung, wegen eines Songs, der sie begleitet hat. Aber sie wissen auch, dass sie keine Zeitreise bekommen. Prescott Niles liefert keine Illusion, sondern eine aktualisierte Version dessen, was übrig geblieben ist.
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