Cabaret Voltaire beenden Bühnenkarriere
Eine der einflussreichsten Elektrobands der 80er verabschiedet sich von der Bühne, mit einer letzter Tour und neuem Livealbum.
Eine der einflussreichsten Elektrobands der 80er verabschiedet sich von der Bühne, mit einer letzter Tour und neuem Livealbum.
Anfang der 80er entstand EBM: Belgische Acts wie Front 242 setzten auf minimalistische, tanzbare Elektronik statt Gitarren. Mit Nitzer Ebb und DAF wuchs die Szene. Spätestens 1988 war das Genre definiert und bereitete den Weg für Techno auf den Dancefloors. Jetzt hier 80s80s EBM einschalten!
Cabaret Voltaire veröffentlichen noch diesen Monat das Live-Album „But What Time Is It Really?“ und gehen auf Abschiedstour. Die Band aus Sheffield gilt als zentrale Verbindung zwischen Industrial der 70er und EBM sowie Techno der 80er und 90er.
Richard H. Kirk verstarb am 21.September 2021. Viele Fans befürchteten, dass damit auch die Band Cabaret Voltaire Geschichte sein würde.
Aber nun kommt noch ein letzter Durchlauf eines Sounds, der oft Grenzen überschritt: Cabaret Voltaire hören auf. Stephen Mallinder und Chris Watson haben die Band zwar kurzzeitig wieder ohne Richard H. Kirk betrieben. Aber das war nie darauf ausgelegt, ewig weiterzulaufen. Ihren Neustart von Cabaret Voltaire (ohne Richard H. Kirk) haben sie wohl als Experiment verstanden, nicht als Institution. Jetzt endet dieses Experiment.
Ende der 70er in Sheffield: Richard H. Kirk, Stephen Mallinder und Chris Watson bauen an einem Sound, der nichts mit klassischem Rock zu tun hat. Maschinen statt Gitarren, Loops statt Refrains. Frühwerke wie der Kultsong „Nag Nag Nag“ klingen weit, weit entfernt von Popmusik. In den 80ern verschiebt sich der Fokus. Richard H. Kirk treibt Cabaret Voltaire in Richtung Club. Tracks wie „Sensoria“ oder „James Brown“ funktionieren plötzlich auf der Tanzfläche. Genau hier entsteht die Brücke: von Industrial zu dem, was später als EBM bekannt wird. Bands wie Front 242 oder Nitzer Ebb arbeiten zeitgleich an ähnlichen Konzepten.
Die Antwort ist weniger spektakulär, als man denkt. Richard H. Kirk hatte die Band in den letzten Jahren als Soloprojekt geführt. Die ursprüngliche Besetzung war längst Geschichte, die Vision aber geblieben. Und genau diese Vision wollten Stephen Mallinder und Chris Watson seit letztem Jahr wieder aufleben lassen. Zumindest zwischenzeitlich.
Cabaret Voltaire haben ihren Einfluss längst zementiert. Ob im Industrial, im EBM oder später im Techno – die Ideen sind überall angekommen. Gleichzeitig verabschieden sich viele zentrale Acts dieser Generation von der Bühne. Front 242 haben ihre Live-Karriere beendet, andere Bands sind auch durch Todesfälle ausgebremst worden. In diesem Kontext wirkt der Abschied von Cabaret Voltaire fast logisch. Einschneidende Veränderungen im Bandgefüge bremsen viele Bands aus.
Was bleibt von Cabaret Voltaire?
Am Ende bleibt kein klassisches „Best Of“-Vermächtnis. Cabaret Voltaire waren nie die Band für große Hits. Ihr Einfluss liegt tiefer. In der Art, wie elektronische Musik gedacht wird. Richard H. Kirk hat gezeigt, dass Maschinen nicht nur Werkzeuge sind, sondern Ausdrucksmittel. Dass Musik nicht gefällig sein muss, um zu funktionieren. Und dass man mit radikalen Ideen langfristig mehr bewegt als mit sicheren Formeln. Die Auftritte und das Livealbum „But What Time Is It Really?“ sind deshalb vermutlich nicht nur Rückblick sondern ein Schlusspunkt - präsentiert von Stephen Mallinder und Chris Watson. Es sind fast 40 Auftritte in 14 Ländern. Im deutschsprachigen Raum aber nur:
Mit dem Ende von Cabaret Voltaire verschwindet wieder ein Stück der ursprünglichen EBM- und Industrial-Generation von der Bühne. Ein Grund mehr, das Album anzuhören. Cabaret Voltaire „But What Time Is It Really?“. Veröffentlichung: 24. April 2026 (CD, Digital)
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