Wie wurde man in der DDR eigentlich DJ?

30 Jahre Mauerfall

In Kürze jährt sich der Fall der Mauer zum 30. Mal. Aus diesem Anlass schauen wir mal auf ein paar Details der 80s-Music in der DDR. Rund um den Mauerfall stellen wir ein paar spannende Fragen.

Jens-Uwe Gimbatschki

Wie wurde man in der DDR eigentlich DJ?

Und durfte man sich wirklich DJ nennen? Durfte man auflegen, was man wollte? Natürlich nicht...

Heutzutage kann sich jeder DJ nennen und im Grunde machen, was er/sie will. Das war „drüben“ natürlich anders. Es fing schon damit an, dass der Begriff DJ dem Staat zu westlich war. Daher nannte man die DJs „staatlich geprüfte Schallplattenunterhalter“ (kurz: SPU).

Öffentlich Musik auflegen, durfte nur, wer den entsprechenden Ausweis hatte, der umgangssprachlich Pappe genannt wurde.

Bis man die in der Hand halten und auflegen konnte, musste man umfangreiche Lehrgänge belegen. Die angehenden SPUs wurden in Musikgeschichte, Dramaturgie, Sprecherziehung und Programmgestaltung ausgebildet. Interessanterweise bezog sich all das gar nicht auf das DJ-Handwerk, also Musik in einander mixen, sondern viel mehr darauf Unterhalter zu sein und Moderationen machen zu können.

80s80s Im Gespräch mit Dirk Michaelis

Der Karussell-Musiker spricht hier über seine Berufserfahrung als DJ (SPU) in der DDR. 

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Am Ende der Prüfung zum staatlich geprüften Schallplattenunterhalter wurden die Discjockeys eingestuft: In der Kategorie A durfte man 5 Ostmark als Gage pro Stunde nehmen, in der Kategorie B waren es 6,50 und wenn man in die Kategorie C eingestufte 8,50 Mark.

Wenn man die Pappe dann also hatte, konnte es losgehen. Ganz wichtig: 60 % des gespielten Repertoires an einem Abend musste mit Musik aus der DDR bestritten werden, der Rest durfte Westmusik sein. Vor einer Veranstaltung musste man beim Kulturkabinett eine Titelliste einreichen. Bei der Liste musste die 60/40-Regelung natürlich stimmen. Bei Partys selbst wurde das nicht Titel für Titel überprüft, allerdings musste natürlich jeder DJ immer damit rechnen, dass auch mal ein Stasimitarbeiter anwesend ist. Es gab einige Fälle, wo DJs den „Sonderzug nach Pankow“ von Udo Lindenberg öffentlich spielten und danach direkt die „Pappe“ abgeben mussten.

Aber wie legten die DJs damals eigentlich auf? Theoretisch gab es Plattenspieler, die meisten allerdings arbeiteten mit zwei verschiedenen Kassettendecks, weil es Vinylplatten nur selten gab. Zwar verkaufte die einzige Plattenfirma der DDR, die Amiga, auch Kassetten, viele DJs schnitten ihre Musik aber aus dem ostdeutschen Jugendradio DT64 mit.

dj-happy-vibes.de

Sehr interessant für die Unterhalter: Am Sonntag gab es eine spezielle Sendung für Maxi-Versionen von westlichen Bands wie Madonna oder Depeche Mode. Diese Maxi-Versionen, mitgeschnitten auf Kassette, machte sich auch im Club hervorragend.

Etwa 8.000 DJs soll es in der DDR gegeben haben …

DJs in der DDR