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Konzerte an der Berliner Mauer

30 Jahre Mauerfall

In Kürze jährt sich der Fall der Mauer zum 30. Mal. Aus diesem Anlass schauen wir mal auf ein paar Details der 80s-Music in der DDR. Rund um den Mauerfall stellen wir ein paar spannende Fragen.

Picture Alliance / DPA

Die Mauerkonzerte der 80s

Haben die Menschen im Osten eigentlich was mitbekommen von den Konzerten im anderen Teil der Stadt?

Barclay James Harvest waren sozusagen die Erfinder der Mauerkonzerte. Im August 1980 karrten sie mit 250 Reisebussen Fans nach Berlin vor das Reichtagsgebäude, wo sie das größte Konzert ihrer Karriere spielten. Auch im Osten Berlin gab es viele Barclay James Harvest-Fans. Die Stasi und Volkspolizei riegelten allerdings die Straßen zwischen Brandenburger Tor und Reichstag ab. 40 Jugendliche, die die Absperrung durchbrachen, wurden verhaftet.

Danach merkten die westlichen Bands schnell: Konzerte in Mauernähe bringen auch PR.

Im Juni 1987 kam es nach einem Konzert in Mauernähe zu Krawallen in der DDR. Am Pfingstsamstag vor 32 Jahren traten David Bowie, Genesis und die Eurythmics gemeinsam vor dem Berliner Reichstag. In einem Radiointerview sagte Bowie damals:

„Ich habe viel mit jungen Leuten gesprochen, als ich gestern drüben war und ich glaube schon, dass einige von ihnen zum Konzert heute Abend kommen werden.“  - David Bowie

RIAS2 war damals Medienpartner für das dreitägige „Concert For Berlin“ und übertrug die Konzerte im Radio. Das Programm war im Osten natürlich auch zu hören, was man allerdings besser nicht laut sagte. Phil Collins und Genesis haben genau wegen dieser Liveübertragung zugesagt, weil sie wollten, dass sie auch im Osten zu hören sind.

Hunderte Jugendliche waren zum Brandenburger Tor gekommen. Es folgten „Die Mauer muss weg“-Sprechchöre und Auseinandersetzungen mit der Volkspolizei der DDR. Es wurde nicht nur auf die jungen Rockfans, sondern auch auf Kamerateams von ARD und ZDF eingeprügelt. Die Ausschreitungen des Pfingstwochenendes im Jahr 1987 waren sicher schon der erste kleine Baustein, der 1989 schließlich die Mauer zum Einsturz brachte.

Im Juni 1988 spielten Pink Floyd vor dem Reichstag. Die Ost-Berliner Führung versuchte tatsächlich beim West-Berliner Senat zu erwirken, Konzerte in Mauernähe nicht mehr zu erlauben. Begründung: Im Krankenhaus Charité, das in unmittelbarer Nähe ist, könnten Schwerkranke durch die wummernden Bässe zu Tode kommen.

Da schon 30.000 Tickets für das Konzert verkauft waren, fand das Konzert statt, der Veranstalter musste sich aber dazu verpflichten, die Musik so leise zu halten, dass im Osten nicht mehr viel ankommt. Ganz so wollten Pink Floyd das aber nicht akzeptieren, beim Soundcheck, richteten sie die Lautsprecher in Richtung Osten, drehten die Anlage auf und spielten „Another Brick In The Wall“.

Wenige Tage nach Pink Floyd kam der King Of Pop nach West-Berlin. Er gab ein Konzert auf dem Platz der Republik direkt an der Mauer. Michael Jackson war zu diesem Zeitpunkt der größte Popstar der Welt und das wusste man auch im Osten der Stadt. Die SED wusste also, dass das Interesse groß sein wird und die DDR-Fans versuchen werden so nah wie möglich an den amerikanischen Popstar zu kommen.

Die Stasi plante ein Ablenkungsmanöver: Sie behaupteten im Ost-Berliner Stadion eine Übertragung stattfinden zu lassen auf Großleinwand. Das fand (natürlich) nicht statt. Michael Jackson bekam sogar eine Akte bei der Stasi. Am Tag des Konzertes wurde er von Mitarbeitern der Staatssicherheit beschattet, was in seiner Akte festgehalten wurde. Später stellte sich heraus, dass die Stasi-Mitarbeiter einen Doppelgänger verfolgt hatten.

Mehrere tausend Jackson Fans versammelten sich beim Konzert im Ostteil der Stadt und lauschten Hits wie „Billie Jean“, „Beat It“ & „Dirty Diana“. Unter das Publikum mischten sich auch Mitarbeiter der Staatssicherheit. Einige westdeutsche Kamerateams waren in den Ostteil gekommen, was der SED missfiel. Sie wollten nicht, dass öffentlich gezeigt wird, wie ostdeutsche Jugendliche sich für westliche Musik begeistern. Die Bundesregierung legte später offiziell Beschwerde ein, da die westdeutschen Journalisten massiv in ihrer Berichterstattung behindert wurden.